Hier lernen die Mediziner von morgen
KI, Roboter und Algorithmen: An deutschen Universitäten bereitet sich der ärztliche Nachwuchs auf innovative Behandlungsmethoden vor.
Datenwissenschaft in der Klinik
Bei der Diagnostik geht es darum, aus einer riesigen Zahl möglicher Ursachen von Beschwerden genau die richtige herauszufiltern – und zwar schnell. Automatisierte Analysen helfen dabei. „Wir bringen Datenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler direkt in die Kliniken“, sagt Alexander Meyer, Professor am Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin am Berliner Universitätsklinikum Charité. Das Ziel: eine messbar bessere Versorgung der Patientinnen und Patienten.
Davon profitiert auch der Nachwuchs der Uniklinik, der die Entwicklung neuer Technologien hautnah miterlebt – von der Therapieplanung bis zum Krankenhausmanagement. Das KI-Institut kooperiert zudem mit der Wirtschaft: Gemeinsam mit dem Autohersteller BMW erforscht das Team, ob Sensoren beim Autofahren Herzprobleme frühzeitig erkennen können.
Jeder Tumor ist anders
Mehr als eine halbe Million Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Krebs – und jede Erkrankung ist individuell. Genau hier setzt das Zentrum für Personalisierte Medizin – Onkologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) an. Zwischen computergestützter Hightech-Diagnostik und menschlicher Teamarbeit lernen Studierende schon in der Ausbildung, dass jeder Mensch anders ist – auch in seinen Krankheiten.
„Wir schlüsseln die tumorspezifische Erbsubstanz auf und suchen nach einer oder mehreren Achillesfersen“, erklärt der Onkologe Maximilian Christopeit. „Wenn wir diese therapeutisch ansteuern, können wir den Tumor erfolgreich behandeln.“
Roboter im Operationssaal
Von Gesundheitsinformatik bis zum Master „KI in der Biomedizin“: An der Technischen Universität München (TUM) bereiten mehrere Lehrstühle Studierende auf die Medizin der Zukunft vor. Der Nachwuchs lernt praxisnah – zwischen Ärztinnen, Informatikern und Ingenieurinnen.
Forschende der Hochschule entwickeln Roboter, die im OP autonom und KI-gestützt die Kamera im Bauchraum steuern – so hat der Chirurg freie Hand. Der Assistenzroboter Aurora soll künftig eigenständig erkennen, welche Materialien gerade gebraucht werden, und sie an den OP-Tisch bringen. Professor Dirk Wilhelm, Chirurg am Klinikum rechts der Isar der TUM, bevorzugt zwar noch immer menschliche Assistenten. Aber: „Wenn ich Personalmangel habe, kann ich hier sinnvoll meinen Personalbedarf reduzieren und die Personen dort einsetzen, wo man sie mehr braucht.“