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Wenn Daten Leben schützen

Die nächste Pandemie ist nur eine Frage der Zeit. Zwei afrikanische Forschende arbeiten in Berlin daran, dass die Welt besser vorbereitet ist.

Autorin Ana Maria MärzAna Maria März, 18.02.2026
Public Health Intelligence: Forschende analysieren relevante Daten.
Public Health Intelligence: Forschende analysieren relevante Daten. © AdobeStock

Erinnerungen an seine Kindheit in Nigeria haben Adam Abdullahi zu dem Wissenschaftler gemacht, der er heute ist. Besonders eindrücklich ist die Erinnerung an einen Mitschüler, der nach einer Polio-Infektion gelähmt war. Auch Krankheitsausbrüche wie die sogenannte Schweinegrippe, die die World Health Organisation (WHO) 2009 zu einer Pandemie erklärte, prägten sein Bewusstsein. „Damals hatten wir nur begrenztes Wissen über diese Art von Krankheit“, sagt er. Aus diesen Erlebnissen entwickelte sich bei ihm die Erkenntnis: Um besser für gesundheitliche Krisen gewappnet zu sein, braucht es Informationen und Daten.

„Afrikanische und deutsche Forschung verbinden“: Adam Abdullahi
„Afrikanische und deutsche Forschung verbinden“: Adam Abdullahi © Nermin Ghith

Schutz vor neuen Pandemien

Genau darum geht es in der „Public Health Intelligence“: Forschende erheben und analysieren eine Vielzahl relevanter Daten. So erkennen sie potenzielle Gesundheitsgefahren früh und können die Weltbevölkerung vor Epidemien und Pandemien schützen. Zwei Berliner Institutionen – das Charité Center for Global Health und der WHO Hub for Pandemic and Epidemic Intelligence – wollen die Forschung in diesem Feld stärken und haben ein neues Programm ins Leben gerufen: 2025 vergaben sie erstmals ein gemeinsames Stipendium für Public Health Intelligence. Es richtet sich an promovierte Forschende aus der ganzen Welt. Aus mehr als 250 Bewerbungen wählten Charité und WHO fünf Gastforscherinnen und -forscher aus, die 2025 drei bis sechs Monate in Berlin an spezifischen Projekten arbeiten konnten.

Einer von ihnen ist Adam Abdullahi. Er hat in England und in den USA studiert und gearbeitet und beschäftigte sich vor allem mit tropischen Krankheiten, aber auch mit HIV/Aids sowie mit Impfstoffen gegen das Coronavirus. Während der Coronapandemie beobachtete Abdullahi, dass selbst Länder mit starken Gesundheitssystemen unzureichend auf die Krise vorbereitet waren. „Fehlen belastbare Daten als Entscheidungsgrundlage, wird es extrem schwierig“, sagt er. „Um künftig besser vorbereitet zu sein, brauchen wir vor allem leistungsfähigere Systeme.“

Labore systematisch erfassen 

Schon ein Überblick darüber, welche Labore in einer Region vorhanden sind, kann helfen. Für sein Projekt im Rahmen des Stipendiums identifizierte Abdullahi deshalb Labore in ganz Westafrika – insbesondere solche mit Kapazitäten für klinische Studien. „Die Idee war, diese Labore systematisch zu erfassen und so zu sehen, wo es an Infrastruktur fehlt“, sagt er. Das Stipendium von Charité und WHO verschaffte Abdullahi Zugang zu einem breiten Netzwerk und relevanten Datenquellen. „Das Projekt verbindet afrikanische und deutsche Forschung“, sagt er. „Wir lernen voneinander, und diese Kooperationen sind für beide Seiten sehr wertvoll, denn Gesundheitssicherheit betrifft nicht nur ein Land. Als globale Gesellschaft sind wir nur so stark wie unser schwächstes Glied.“ 

„Daten ethisch und fair austauschen“: Nicki Tiffin
„Daten ethisch und fair austauschen“: Nicki Tiffin © Gates Foundation

Ein weiteres zentrales Thema der Gesundheitsforschung ist der gerechte Zugang zu Daten – ein entscheidender Faktor bei der Vorbereitung auf künftige medizinische Herausforderungen. Daran arbeitet auch die in Simbabwe geborene Professorin Nicki Tiffin, die ebenfalls Stipendiatin in Berlin war. Die stellvertretende Direktorin des South African National Bioinformatics Institute an der University of the Western Cape in Kapstadt sagt: „Wir möchten, dass Daten überall auf der Welt ethisch und fair ausgetauscht werden – und dass der Austausch so gestaltet ist, dass niemand benachteiligt wird.“ Unterstützt durch das Stipendium entwickelte sie ein browserbasiertes Tool, das Forschende weltweit bei der fairen Lizenzierung von Daten unterstützt. „Mit meinem Projekt möchte ich die Bedingungen des Datenaustauschs definieren und sie transparent machen.“ 

Darin sieht Tiffin mehrere Vorteile: Werden Daten bestimmter Bevölkerungsgruppen weitergegeben, lässt sich klar festlegen, wofür sie genutzt werden dürfen – und wofür nicht. So soll verhindert werden, dass Gruppen unfair dargestellt oder stigmatisiert werden. Zugleich kann mit dem Tool vereinbart werden, dass diejenigen, deren Daten in die Forschung einfließen, auch von den Ergebnissen profitieren.

Gesundheit fairer gestalten

Wie groß der Handlungsbedarf ist, habe die Covid-19-Pandemie gezeigt, sagt Tiffin. „Afrika hat Impfstoffe deutlich später erhalten als viele andere Regionen – obwohl wir Daten aus klinischen Studien und Virusproben früh mit der Welt geteilt haben.“ Solche Erfahrungen hätten bei vielen Forschenden Misstrauen entstehen lassen. Genau hier setzt ihr Projekt an: Es soll Vertrauen schaffen und den Datenaustausch fairer machen. „Ich hoffe, dass Menschen dadurch eher bereit sind, ihre Daten zu teilen“, sagt Tiffin.