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Das Oktoberfest ist ein wichtiger Treffpunkt der Wirtschaft, hier die Gründerkonferenz „Bits & Pretzels“.
Das Oktoberfest ist ein wichtiger Treffpunkt der Wirtschaft, hier die Gründerkonferenz „Bits & Pretzels“. © Bits and Pretzels_54036414752_3291b2db38_z

Bierbank-Business

Vom Startup bis zum Weltkonzern: Auf dem Oktoberfest pflegen Unternehmen Kundenkontakte, treffen Investoren – und verbinden Geschäft mit Münchner Lebensart. 

22.09.2026Wolf ZinnWolf Zinn

Keine Messestände, keine nüchternen Vorträge, dafür Bierbänke und Blasmusik: Das Oktoberfest ist nicht nur das größte Volksfest der Welt, sondern auch ein wichtiger Treffpunkt der Wirtschaft. Mittelständler laden Kunden ein, Startups suchen Investoren, internationale Konzerne bringen Geschäftspartner mit ins Zelt. Laut Christian Schottenhamel, Sprecher der Wiesnwirte, sind große Firmenfeiern auf dem Oktoberfest wegen strengerer Compliance-Regeln zwar seltener geworden. Der Trend, dass Unternehmen auf den nächsten Business-Deal mit einer zünftigen Maß anstoßen, ist aber stärker denn je.  

Innovativ feiern 

Der Reiz liegt wohl vor allem im Kontrast zum klassischen Geschäftstermin. Wiesnwirt Michael Käfer bringt es auf die Formel: „Auf der Wiesn ergeben sich die Gespräche von selbst.“ Titel, Konventionen und Hierarchien treten zumindest für eine Weile in den Hintergrund. 

Wie gezielt sich die gelöste Atmosphäre nutzen lässt, zeigt die Gründerkonferenz Bits & Pretzels. 2026 bringt sie 7.500 Gründer, Investoren und Führungskräfte nach München. Am dritten Konferenztag zieht die Veranstaltung ins Schottenhamel-Zelt um. Mehr als 270 „Table Captains“ – erfahrene Unternehmer, Investoren und Manager – leiten dort kleine Gesprächsrunden. Wer teilnimmt, kann sich einen Tisch aussuchen und so Kontakte knüpfen, die andernorts womöglich nur schwer zustande kämen. 

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Auch viele internationale Unternehmen setzen auf die Wiesn: So lädt etwa die französische Technologieberatung Devoteam IT-Entscheider 2026 zunächst zu Workshops über KI und Cloud und anschließend an reservierte Wiesntische. Beim US-Softwarekonzern ServiceNow folgt auf den Münchner „Innovation Day“ mit Fachvorträgen ein Besuch im Löwenbräu-Zelt. Und der in Brüssel ansässige Zahlungsdienstleister iBanFirst bezeichnete die Wiesn 2025 als „serious networking hotspot“ – als seltene Gelegenheit, Kunden und Partner einmal jenseits des üblichen Geschäftsumfelds zu treffen. 

Auch der frühere Apple-Chef Tim Cook hat die Wiesn mehrfach besucht. München ist Apples größter Entwicklungsstandort in Europa; 2021 und 2023 kündigte der US-Konzern Investitionen von zusammen mehr als zwei Milliarden Euro in sein europäisches Chipdesign-Zentrum an. Einen direkten Zusammenhang mit dem Oktoberfest gibt es wohl kaum. Das Beispiel zeigt aber, wie sich internationale Wirtschaftspräsenz und Münchner Standortkultur mitunter vermischen. 

Eine Bühne für den Standort München 

Rund um das Fest ist eine eigene Business-Welt entstanden. So bringt zum Beispiel das Veranstaltungsformat „digiWiesn“ Mittelstand, Technologiebranche und Politik zu Talks und Networking zusammen, bei dem auch Münchens Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Christian Scharpf zu Gast ist. 

Ökonomisch ist die Dimension des Oktoberfestes ohnehin beachtlich: Nach Schätzungen der Stadt München werden Besucherinnen und Besucher 2026 rund um die Wiesn etwa 1,6 Milliarden Euro ausgeben – auf dem Festgelände ebenso wie für Hotels, Gastronomie, Einkäufe und Dienstleistungen in der Stadt. „Die Wiesn dient als wichtige Einnahmequelle“, betont Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Und auch als Beschäftigungsturbo: 13.000 Menschen arbeiten während des Festes auf dem Gelände.  

Welche Partnerschaft, Bestellung oder Investition tatsächlich auf ein Gespräch bei Hendl und Bier zurückgeht, steht in keiner Statistik. Dass Unternehmen Jahr für Jahr gezielt Zeit, Geld und Aufmerksamkeit in die Wiesn investieren, spricht jedoch für sich.