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Gründerland Deutschland

Mehr Gründungen, mehr Kapital, mehr KI: Deutschlands Startup-Szene gewinnt an Dynamik und Attraktivität – auch für Menschen aus anderen Ländern. 

Axel Novak, 17.06.2026
Deutschlands Startup-Szene hat kräftigen Rückenwind.
Deutschlands Startup-Szene hat kräftigen Rückenwind. © iStock | gorodenkoff

Partystimmung in Berlin: Ende Mai 2026 feierte der deutsche Startup-Verband die Verleihung der German Startup Awards. Ausgezeichnet wurden die besten und vielversprechendsten Neugründungen mit besonders hohem Innovationsgrad – darunter KI-Anwendungen, Healthcare-Startups, Audio-Plattformen und besonders engagierte Gründerfonds. „Das deutsche Startup-Ökosystem steht für wissenschaftliche Exzellenz, gesellschaftliches Engagement und unternehmerische Vision: Deutschland kann Gründung“, sagte Verena Pausder, Vorsitzende des Startup-Verbands. 

Wie viele Startups gibt es in Deutschland? 

Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren und Monaten viel getan: 2025 wurden in Deutschland 3.568 Startups gegründet – 29 Prozent mehr als im Vorjahr. Und sie werden immer internationaler: Mittlerweile hat ein Fünftel der Gründerinnen und Gründer einen Migrationshintergrund

„Deutschland ist einer der wenigen Standorte weltweit, der exzellente Forschung, industrielle Wertschöpfung und Zugang zu globalen Märkten so eng miteinander verzahnt. Für internationale Gründerinnen und Gründer bedeutet das: Hier können sie nicht nur innovieren, sondern ihre Technologien auch skalieren und in industrielle Anwendungen überführen“, sagt Julia Braune, Geschäftsführerin von Germany Trade & Invest (GTAI). 

Julia Braune, Geschäftsführerin der GTAI
Julia Braune, Geschäftsführerin der GTAI © GTAI/Illing & Vossbeck Fotografie

Ist Gründen in Deutschland einfacher geworden? 

Insgesamt ist der Gründungsprozess in Deutschland einfacher geworden – auch für Menschen aus der EU oder dem weiteren Ausland: Wer gründen möchte, braucht neben einem Aufenthaltstitel zur selbstständigen Tätigkeit einen tragfähigen Businessplan und die passende Finanzierung. Auch einige Formalitäten wie eine Krankenversicherung, berufliche Zulassungen sowie die klassischen behördlichen Anmeldungen von Gewerbe und Steuern oder die Eintragung ins Handelsregister müssen erfüllt werden. Doch der Bürokratieabbau ist in vollem Gange: Mittelfristig soll die Gründung eines Unternehmens innerhalb von 24 Stunden möglich sein. 

Startup Germany

Germany Trade & Invest (GTAI) hat das Themen-Special „Startup Germany“ ins Leben gerufen. Damit macht die Agentur ein internationales Angebot: als zentraler Zugangspunkt in ein hoch vernetztes Ökosystem aus Talenten, Investoren und Industriepartnern. 

Wie vielfältig ist die deutsche Startup-Szene? 

Aussichtsreiche Gründungen gibt es viele: Im bayerischen Chemiepark Gendorf beispielsweise gewinnt das Münchner Startup Tozero hochreines Lithium, Graphit und eine Nickel-Kobalt-Mischung aus Altbatterien. Das junge Unternehmen Caphenia produziert dort erneuerbaren Flugtreibstoff. Und in Aachen baut das Startup Black Semiconductor gerade eine eigene Chipfabrik. Auch in den Branchen Food und Health gab es 2025 mehr Gründungen – ein Beleg für die Vielfalt des deutschen Startup-Ökosystems. Selbst in der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage sorgen junge und innovative Unternehmen für frischen Wind – mit enormem Potenzial. 

Ist KI der zentrale Treiber bei Gründungen? 

27 Prozent aller neu gegründeten Startups nutzen KI in ihrem Geschäftsmodell – von digitalen Anwendungen über medizinische Innovationen bis hin zu industriellen Lösungen. Die Zahl der aktiven KI-Startups ist auf 935 gestiegen – ein Wachstum von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Steigerung unterstreicht Beobachtern zufolge die Marktreife der deutschen KI-Kompetenz.  

Das Raumfahrt-Startup ATMOS entwickelt Transportsysteme für den Orbit.
Das Raumfahrt-Startup ATMOS entwickelt Transportsysteme für den Orbit. © Atmos

Unternehmen wie das Raumfahrt-Startup ATMOS Space Cargo (wiederverwendbare Transport- und Wiedereintrittssysteme für den Orbit), die KI-Plattform Deepset oder der Drohnenhersteller Quantum Systems zeigen: Aus zahlreichen Startups gehen langfristig erfolgreiche Unternehmen hervor.  

Klar ist: Die Sicherheits- und Verteidigungsbranche hat sich zum wirtschaftlichen Treiber entwickelt. Nicht nur die beiden Einhörner Quantum Systems und Helsing prägen diesen Bereich. Vor allem ist die Anzahl der Unternehmen mit Dual-Use-Technologien gestiegen: Über 400 junge Unternehmen entwickeln heute Innovationen für zivile und militärische Nutzung. Bei der Finanzierung solcher Startups liegt Deutschland europaweit vor Großbritannien und Frankreich.  

Wie werden Startups in Deutschland gefördert und finanziert? 

In den frühen Phasen haben Gründer wenig Schwierigkeiten, Investoren aus Deutschland und Europa zu finden. 2025 erhielten Startups in Deutschland mit 8,4 Milliarden Euro Wagniskapital fast 19 Prozent mehr Geld von Investoren als 2024. Aktuelles Beispiel: Im Juni 2026 sammelte das KI-Startup Neura Robotics rund 1,4 Milliarden Dollar an frischem Kapital

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Allerdings wandern viele Startups in späteren Wachstumsphasen weiterhin ins Ausland ab – vor allem in die USA. Dort ist der Zugang zu Investoren insgesamt noch einfacher und schneller. „Entscheidend für die internationale Wettbewerbsfähigkeit ist heute nicht nur die Gründung, sondern die Skalierung. Deshalb setzt die Bundesregierung gezielt darauf, mehr privates Kapital für Wachstumsphasen zu mobilisieren und institutionelle Investoren stärker einzubinden“, sagt Julia Braune von der GTAI. „Unser Ziel ist klar: Deutschland soll nicht nur ein starker Startup-Standort sein, sondern ein führender Scale-up-Standort in Europa – mit Zugang zu großen Finanzierungsrunden und langfristigem Wachstumskapital.“ 

Hebel dafür sind unter anderem der europäische Binnenmarkt und die europäische Kapitalmarktunion. Der Deutschlandfonds, ein Investitionsfonds vom Bund und der staatlichen Förderbank KfW, umfasst rund 30 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln und soll Investitionen von 130 Milliarden Euro auslösen. Und die WIN-Initiative (öffentliche und private Förderung von Wachstums- und Innovationskapital) soll die Finanzierung späterer Phasen erleichtern – mit 30 Milliarden Euro bis 2030.