Kooperation in der Energieversorgung

Die deutsche Raffinerie Schwedt bekommt künftig Rohöl über den Hafen Danzig.

Der Danziger Hafen
Der Danziger Hafen AdobeStock

Die Deutsch-Polnische Kooperation bei der Energieversorgung ist einen weiteren Schritt gegangen, um Öllieferungen aus Russland zu ersetzen. Anfang Oktober ist die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt erstmals mit Rohöl aus dem Hafen in Danzig beliefert worden, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Die Raffinerie PCK versorgt große Teile des Nordosten Deutschlands mit Benzin, Diesel und Heizöl. Dieses bezieht sie noch zu großen Teilen aus Russland, bis am 1. Januar 2023 das Ölembargo gegen Russland wegen des Angriffs auf die Ukraine einsetzt.

Durch die Kooperation mit dem Hafen in Danzig sei für Schwedt ein weiterer alternativer Lieferweg für nicht-russisches Rohöl gegeben, erklärte das Wirtschaftsministerium. Noch steht nicht fest, wieviel Öl künftig über Danzig bezogen werden kann.

Ein wichtiger Schritt für die Versorgungssicherheit.

Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär

„Das ist ein wichtiger Schritt für die Versorgungssicherheit von Schwedt“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Michael Kellner. Die Lieferungen über Danzig müssten aber noch erhöht werden. Dazu gebe es einen engen Austausch mit der polnischen Regierung. Diese erste Tankerladung via Danzig wurde laut Ministerium von Shell bestellt – Mitbesitzer der PCK. Der Tanker mit europäischen Rohöl wurde in Danzig entladen und über die polnische Stichleitung „Pomeranian“ zu der durch Polen führenden Druschba(„Freundschaft“)-Pipeline und weiter nach Deutschland gepumpt, hieß es.

Die Raffinerie PCK in Schwedt
Die Raffinerie PCK in Schwedt picture alliance/dpa

Inwieweit dieser Lieferweg über Danzig die Auslastung der Raffinerie bei einem Stopp des russischen Öls erhöhen kann, ist noch nicht klar. Die 242 Kilometer lange „Pomeranian“-Pipeline verbindet seit 1975 Danzig mit Płock, wo sie an die Druschba-Pipeline anschließt, die seit 1964 von Russland bis nach Deutschland führt. Ursprünglich diente „Pomeranian“ dazu, Rohöl aus der Druschba-Pipeline zur Raffinerie in Danzig zu pumpen, sie ist aber in beiden Richtungen nutzbar. Damit schließt sie den Hafen Danzig an das europäische Pipeline-Netz an. Wegen der wachsenden Bedeutung des Ölhafens in Danzig (Naftoport Gdansk ) soll bis 2023 eine zweite Pipeline parallel zu der vorhandenen fertiggestellt werden. Die Kapazität wird damit von 30 auf 55 Millionen Tonnen im Jahr erhöht. In Danzig wurde 2016 ein neues See-Terminal mit sechs Öl-Großtanks in Betrieb genommen. Seitdem ist Danzig der größte Öl-Hafen der Ostsee, in dem Tanker mit einem Tiefgang von bis zu 15 Metern und einer Länge von 300 Metern anlegen können.

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