re:publica goes Hollywood
Das größte europäische Digitalfestival hat jetzt einen Ableger in Los Angeles. Mitgründer Andreas Gebhard erzählt, warum die Berliner re:publica nach Kalifornien passt.
Die re:publica ist eine Mischung aus Konferenz, Debattenforum und Festival. Entstanden 2007 aus der damaligen Berliner Szene von Bloggern und Netzaktivisten, ist sie inzwischen das größte Festival für die digitale Gesellschaft in Europa. Vom 8. bis 10. November 2026 findet die Konferenz erstmals in Los Angeles statt, inhaltlich unterstützt unter anderem vom Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) San Francisco (siehe unten) und von der Deutschen Welle. re:publica-Mitgründer Andreas Gebhard erzählt, warum.
Herr Gebhard, in Berlin ist die re:publica seit fast 20 Jahren „Kult“. Sie könnten also gemütlich in Ihrer Komfortzone bleiben. Warum gehen Sie jetzt in die USA?
In den USA werden derzeit wichtige Debatten geführt, zum Beispiel zum Ressourcenverbrauch von Rechenzentren oder zu Künstlicher Intelligenz in der Filmbranche. Diese amerikanischen Perspektiven brauchen wir in Europa. Deshalb gehen wir nach Kalifornien und machen ein Angebot: Die re:publica als Plattform, auf der wir Impulse voneinander bekommen und die Perspektiven der anderen kennenlernen.
Können die USA etwas von Deutschland lernen?
In Deutschland schauen wir uns sehr genau an, wie Demokratien die Lage im Griff behalten können. Denn die KI-Unternehmen befinden sich in den Händen von wenigen und werden nicht demokratisch kontrolliert. Ein Beispiel für diese unterschiedliche Perspektive ist der AI-Act der Europäischen Union, das weltweit erste Gesetz zur Regulierung von KI. In den USA ist das im Moment schwieriger zu diskutieren, aber das wäre zumindest unsere Einladung: Mehr Europa wagen.
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Einverständniserklärung öffnenWarum gehen Sie mit der re:publica nach Los Angeles und nicht ins Silicon Valley?
Die re:publica soll die fundamentalen Auswirkungen digitaler Veränderungen auf die gesamte Gesellschaft sichtbar machen, im Zusammenspiel von Medien, Kultur, Politik, Wissenschaft und Technologie. Und in Los Angeles gibt es neben der Hightech-Szene auch die kulturelle Medienszene.
Außerdem ist Hollywood für uns auch ein starkes historisches Symbol: In der Nazizeit sind viele Deutsche dorthin geflohen und haben die Medien- und Technologiebranche mit aufgebaut. Deshalb eröffnen wir die re:publica im Thomas-Mann-Haus und beenden sie in der Villa Aurora. Also an den Orten, an denen die deutschen Schriftsteller Thomas Mann und Lion Feuchtwanger im Exil lebten.
2027 feiert die Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Los Angeles ihr 60-jähriges Bestehen. Wird es die re:publica L.A. dann noch einmal geben?
Die re:publica L.A. soll zu einem jährlichen deutschen und europäischen Fenster werden. Wir nehmen in diesem Jahr Anlauf mit einem selbstfinanzierten Prototyp und wollen die Community organisch aufbauen. In Berlin hat die re:publica auch immer etwas Kalifornisches: Die Leute kommen nicht nur, um etwas zu lernen. Sie laden ihre Batterien wieder, weil sie Menschen auf Augenhöhe begegnen, die coole Sachen in der digitalen Welt machen. Die re:publica ist ein Möglichkeitsraum, ein Hoffnungsort. Und davon brauchen wir heute viel mehr.
Mitveranstalter der re:publica Los Angeles ist das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus San Francisco. Es ist Teil eines weltweiten DWIH-Netzwerks mit weiteren Standorten in New York, Neu-Delhi, São Paulo und Tokio. Der vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) verantwortete Verbund stärkt die Sichtbarkeit deutscher Forschung und fördert Kooperationen mit lokalen Partnern.