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Ältere Frau mit langen Haaren, lächelnd.
Bettina Schön-Behanzin, Agile Robots © Bettina Schön-Behanzin

„Die Hand muss intelligent werden“

Ingenieurskunst, Präzisionsfertigung, Forschung: Bettina Schön-Behanzin von Agile Robots erklärt Deutschlands Stärken in der Robotik. 

22.07.2026Klaus LüberInterview: Klaus Lüber

Frau Schön-Behanzin, was braucht man, um leistungsfähige Roboter zu bauen?

Drei Dinge: Hardware, Künstliche Intelligenz und Daten. Es braucht einzelne Roboterarme für spezielle Aufgaben, mobile Plattformen und Humanoide – also Roboter in menschlicher Gestalt. Dazu kommt die Software, das „Roboter-Gehirn“, das der Maschine zum Beispiel sagt, wie es einen zerbrechlichen Gegenstand greifen kann. Das funktioniert über KI-Modelle. Dazu wiederum braucht man sehr viele, gute Daten, um die Modelle zu trainieren. Man spricht hier auch von Physical AI.

Was ist mit Physical AI gemeint?

Künstliche Intelligenz in einem physischen Körper. Sie ermöglicht Maschinen, ihre Umgebung wahrzunehmen, zu verstehen und eigenständig zu handeln. Damit schlägt sie die Brücke zwischen digitaler Welt und Robotik. Anders als Sprachmodelle, die mit riesigen Textmengen trainiert werden, gibt es für physische Interaktionen nur begrenzte Daten. Deshalb werden diese Daten gezielt aufgebaut: durch Simulationen, reale Robotikdaten und Videos menschlicher Demonstrationen. So lernt ein Roboter, Objekte zu greifen, Werkzeuge zu benutzen und komplexe Arbeitsabläufe sicher auszuführen.  

Wie ist Deutschland hier aufgestellt?

Sehr gut. Unsere Stärke liegt in der Kombination aus erstklassiger Ingenieurausbildung, Präzisionsfertigung und Softwareentwicklung. Deutschland hat hervorragende Universitäten, jahrzehntelange Erfahrung aus Maschinenbau und Automobilindustrie sowie exzellente Forschung wie etwa am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Diese Basis hat kaum ein anderes Land. 

Wie äußert sich das konkret in der Roboterentwicklung?

Ein gutes Beispiel ist die Hand bei einem humanoiden Roboter. Das ist bei weitem das komplexeste Bauteil. Um die notwendige Feinmotorik zu erreichen, benötigt man eine ganze Reihe von Gelenken und Sensoren. So spürt der Roboter, ob er einen harten oder weichen Gegenstand greift. Diese Feinmotorik zu entwickeln, ist eine enorme Ingenieurleistung. Darin gehört Deutschland zur Weltspitze. Und dann muss das Ganze auch angesteuert werden, die Hand muss intelligent werden. Auch hier kann Deutschland auf Jahre exzellenter Forschung zurückblicken.

Roboterhand, die einen kleinen Chip hält.
Künstliche Hand mit taktilen Sensoren © Agile Robots SE

Agile Robots ist eine Ausgründung aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, ihr Gründer und CEO kam als Doktorand aus China ans DLR. Auch das spricht doch für den Standort Deutschland, oder?

Ja, und dabei geht es nicht nur um die exzellente Forschung. Es ging ihm von Anfang an darum, ein wirklich internationales Unternehmen aufzubauen. Wir produzieren nicht nur in Deutschland, sondern auch in China und in Indien. Seit Kurzem haben wir ein Büro im Silicon Valley.
Was wir von China lernen können, ist sicher die Offenheit gegenüber neuen Technologien und Innovation und ganz wichtig: die Geschwindigkeit.

Zur Person: Bettina Schön-Behanzin

Bettina Schön-Behanzin ist Vice President External Affairs and Communications beim Münchner Robotik-Unternehmen Agile Robots. Zuvor lebte und arbeitetet sie 27 Jahre in China – unter anderem als erste Vorsitzende der Deutschen Handelskammer in Shanghai.