Vietnam jetzt

Warum das südostasiatische Land gerade jetzt der ideale Wirtschaftspartner ist, erklärt Marko Walde, der Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Vietnam.

Ho-Chi-Minh-Stadt, das Business-Ziel
Ho-Chi-Minh-Stadt, das Business-Ziel Nguyen Quang Ngoc Tonkin/shutterstock

Vietnam hat sich in den letzten 30 Jahren wirtschaftlich rasant entwickelt und gesellschaftlich verändert. Aus dem ehemaligen Entwicklungsland ist ein sogenanntes „Middle Income Country“ geworden, das mit 95 Millionen Menschen und einer jungen Bevölkerungsstruktur für eine unvergleichliche Dynamik steht.  Vietnam und Deutschland haben insbesondere durch die neuen Bundesländer eine enge historische Beziehung, die in der Region einzigartig ist. So leben 120.000 Vietnamesen dauerhaft in Deutschland und gut 100.000 weitere Vietnamesen wurden in Deutschland ausgebildet, leben in Vietnam und arbeiten oftmals in entscheidenden Positionen in Wirtschaft, Verwaltung oder Politik.

Marko Walde, der Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Vietnam
Marko Walde, der Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Vietnam

Auch die in Asien stets zu beachtenden interkulturellen Unterschiede stellen sich aus deutscher Sicht günstig dar. Zum einen bildet Vietnam eine kulturelle Brücke von China zum indisch geprägten Südostasien. Zum anderen gibt es ein den Deutschen vertrautes Verständnis von Struktur und Projektmanagement. Entsprechend erfolgreich haben sich die deutsch-vietnamesischen Wirtschaftsbeziehungen in den vergangenen Jahren entwickelt. In den letzten fünf Jahren sind die Handelszahlen jährlich im zweistelligen Prozentbereich gestiegen. In wichtigen Branchen konnten beträchtliche Wachstumsraten verzeichnet werden, so stiegen beispielsweise die Exporte von deutschen Maschinen und Anlagen im Jahr 2018 um 44 Prozent. Auch bei den Investitionen steht Deutschland mit gut zwei Milliarden Euro Investitionssumme relativ gut da, wobei gerade hier noch erhebliches Potenzial besteht.

Vietnam ist vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen.

Marko Walde, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Vietnam

An diesen erfreulichen Entwicklungen hat auch die Covid19-Pandemie wenig geändert. So ist Vietnam vergleichsweise gut durch diese Krise gekommen, hat mit einem „Low Cost“-Ansatz die Infektionszahlen sehr niedrig gehalten und musste nur wenige Todesfälle beklagen. Geschafft wurde dies mit einer sehr disziplinierten Umsetzung von einfachen Hygienemaßnahmen, also durch das Tragen von Gesichtsmasken, das regelmäßige Desinfizieren der Hände sowie das Umsetzen der Distanzregeln. Vietnam ist eines der wenigen Länder, die auch 2020 mit einem Wirtschaftswachstum rechnen und auch die Handelszahlen haben sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert.

Wir erkennen seit Jahren einen Trend, den wir „China+1“ nennen.

Marko Walde, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Vietnam.

Die Auslandshandelskammer (AHK) verzeichnet auch weiterhin ein reges Interesse von deutschen Unternehmen am Standort Vietnam. Insbesondere Krisenzeiten, wie die gegenwärtige Corona-Situation oder der Handelsstreit zwischen den USA und China, verdeutlichen, dass Unternehmen gut beraten sind, akute und potenzielle Risiken aktiv zu managen und entsprechend zu diversifizieren. Hier erkennen wir seit einigen Jahren einen Trend, den wir mit „China+1“ beschreiben. Das heißt: Deutsche Firmen, die in Asien lediglich einen Standort betreiben (meist in China), machen sich nun daran, einen zweiten Standort (außerhalb Chinas) zu entwickeln. Hier ist ASEAN die bevorzugte Region und innerhalb ASEANs fällt die Wahl oft auf Vietnam. Aufgrund der relativ schlecht entwickelten lokalen Zulieferindustrie zögern einige Firmen noch. Sollte Vietnam es schaffen, diese Situation zu verbessern, und die punktuell noch bestehenden Herausforderungen in der Infrastruktur zu meistern, dann wären das weitere große Vorteile für den Standort.

Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Vietnam ist seit dem 1. August in Kraft.

Marko Walde, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Vietnam.

Der wirtschaftliche Erfolg Vietnams basiert derzeit auch auf dem klaren Bekenntnis zum unilateralen Freihandel. Vietnam ist eines von zehn Mitgliedern der sogenannten ASEAN Economic Community (AEC), bei der die wirtschaftlichen Grundfreiheiten, vergleichbar mit der EU, gelten. Von diesen zehn Ländern sind nur vier, Vietnam und drei weitere Staaten, Mitglied der TransPacific-Partnership (TPP-11), und mit Singapur und Vietnam haben nur zwei dieser Staaten mit der EU ein Freihandelsabkommen (FTA) unterzeichnet. Das FTA zwischen der EU und Vietnam (EVFTA) ist zum 1.8.2020 in Kraft getreten.

Neben wirtschaftlichen Themen wurden auch Regeln zugunsten von Arbeitnehmern oder zum Klimaschutz vereinbart. Das EVFTA sieht den sukzessiven Abbau aller Zölle und sonstiger Einfuhrabgaben vor sowie die Vereinheitlichung technischer Standards. Durch das Abkommen wird ausländischen Firmen erstmals ein gleichberechtigter Zugang zum staatlichen Beschaffungsmarkt, etwa im Bereich der Medizintechnik für staatliche Gesundheitseinrichtungen, garantiert. Da Deutschland innerhalb Europas der mit großem Abstand wichtigste Handelspartner für Vietnam ist, gehen wir davon aus, dass insbesondere deutsche Firmen von diesem Abkommen profitieren werden. Das gilt auch für die zu erwartenden Investitionen.

Neben dem EVFTA ist zeitgleich ein Investitionsschutzabkommen in Kraft getreten. Zusammen mit Singapur hat Vietnam schon jetzt die geringsten Markteinstiegsbarrieren für ausländische Firmen. So kann man zu 100 Prozent seine eigene vietnamesische Tochterfirma gründen. Die Abkommen erhöhen nun nochmals die Investitionssicherheit, was insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen wichtig ist. Insgesamt kann man feststellen, dass der Standort Vietnam aktuell und in naher Zukunft erhebliche Chancen und Potenziale für die deutsche Wirtschaft bietet. Wie bei allen Auslandsaktivitäten liegt der Schlüssel zum Erfolg in der guten Vorbereitung der Investition.

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