So innovativ ist Deutschland

Nummer eins in Forschung und Entwicklung: In der Liste der innovativsten Länder steht Deutschland an der Spitze. Aber es gibt auch eine Schwäche.

Ein Mitarbeiter der Dürr AG testet einen Lackierroboter.
Ein Mitarbeiter der Dürr AG testet einen Lackierroboter. picture alliance / Sebastian Gollnow/dpa

Das World Economic Forum führt Deutschland in seinem aktuellen Global Competitiveness Index als innovativstes Land weltweit. Besonders gut bewertet werden Forschung und Entwicklung - mit mehr als 290 Patentanmeldungen pro Million Einwohner. Das Ergebnis basiert auf hohen Investitionen, einer ausgezeichneten Hochschullandschaft, starken außeruniversitären Forschungseinrichtungen und sehr wettbewerbsfähigen Unternehmen.

Wer sind die großen Player in Forschung und Entwicklung?

Der Großteil der Investitionen in Forschung und Entwicklung kommt aus der Wirtschaft. Sie investierte 68,8 Prozent der insgesamt 104,8 Milliarden Euro (2018). Die meisten Patentanmeldungen gehen auf das Konto von Automobil-Unternehmen und -Zulieferer: BMW, Daimler, Volkswagen, Audi Bosch, Schaeffler und ZF Friedrichshafen (2019). Beim Europäischen Patentamt rangieren Siemens, Bosch und BASF in der Spitzengruppe. Die insgesamt 426 Hochschulen brachten 17,7 Prozent des Betrages auf, die außeruniversitären Forschungseinrichtungen 13,5 Prozent. Zu ihnen gehören die Helmholtz-Zentren, die Institute der Fraunhofer-Gesellschaft und der Max-Planck-Gesellschaft sowie die Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft.

Kristian Kersting, Professor für Künstliche Intelligenz an der TU Darmstadt
Kristian Kersting, Professor für Künstliche Intelligenz an der TU Darmstadt Jonas Ratermann

Warum führt Deutschland nicht bei der Wettbewerbsfähigkeit?

Im Gesamtranking des Global Competitiveness Index rangiert Deutschland indes nur auf Platz 7. Eine Erklärung dafür gibt der Bewertungspunkt „Commercialisation“. Deutschland belegt weltweit den 5. Platz, wenn es um die Einführung neuer Produkte geht. Das ist eine bekannte Schwäche der deutschen Wirtschaft, auch „deutsches Paradoxon“ genannt. Der erste Computer kam 1941 von Konrad Zuse aus Deutschland, das MP3-Format wurde 1982 am Fraunhofer-Institut in Erlangen entwickelt und Mercedes Benz erfand 1971 den Airbag, aber den höchsten Gewinn mit diesen Produkten machten andere. Das jüngste Beispiel: Die erste Generation von Siri, der Spracherkennungssoftware von Apple, basiert auf Techniken, die der deutsche KI-Preisträger Kristian Kersting erforscht hat.

Wie kann das deutsche Paradoxon gelöst werden?

Kristian Kersting, der lange am Massachusetts Institute of Technology gearbeitet hat und heute KI-Professor an der TU Darmstadt ist, wünscht sich vor allem mehr Technik-Begeisterung, weniger Zweifel. „Wenn ich eine Münze in einen Cola-Automat werfe, verlange ich auch nicht immer gleich Aufklärung darüber, wie das Produkt hergestellt wird oder welche Gefahren es bergen könnte.“ Die Bundesregierung hat das Problem erkannt und versucht, mit der Hightech-Strategie gegenzusteuern. Ziel: Vom Erfinderland zur Innovationsnation. Ganz oben auf der Agenda: Wirtschaft und Arbeit 4.0, Gesundheit und Pflege, Mobilität, Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Energie.

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