Gemeinsamer Kraftakt gegen Corona

Mit starker deutscher Beteiligung arbeiten europäische Forschende an der Bewältigung der Corona-Pandemie – mit ersten Erfolgen.

Serumproben werden in Leipzig ausgewertet.
Serumproben werden in Leipzig ausgewertet. picture alliance/dpa

Wer an Forschung rund um das Coronavirus denkt, denkt vermutlich zuerst an Impfstoffe. Aber es geht um viel mehr: Die EU hat für die Zeit der deutsche Ratspräsidentschaft zur gemeinsamen Bewältigung der Pandemie zwölf relevante Forschungsgebiete identifiziert, darunter zum Beispiel Diagnostik, Behandlung, Ausrüstung, Infrastruktur, Gesellschaft und Wirtschaft. In Projekte zu diesen Themen investiert die Europäische Kommission eine Milliarde Euro – denn eine Erkrankung, die keine Ländergrenzen kennt, braucht auch eine grenzenlose Forschung.

Viele deutsche Einrichtungen beteiligt

An vielen dieser Forschungskooperationen sind deutsche Einrichtungen beteiligt. Ein Beispiel ist RECoVER. Forschende aus sieben Ländern arbeiten in dem Projekt zusammen, darunter die Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie die Universitäten in Amsterdam und Oxford. Ziel ist ein besseres Verständnis der Pandemie, um die Patientenversorgung und das öffentliche Gesundheitswesen zu stärken. Klinische Forscher, Epidemiologen, Virologen, Sozialwissenschaftler und Labortechniker wollen zum Beispiel herausfinden, wie das Virus die Krankheit verursacht, wie es übertragen wird, wie es sich entwickelt, während es sich in Europa ausbreitet oder wie es sich unter verschiedenen Maßnahmen wie Quarantäne und Isolation ausbreiten könnte.

Der Supercomputer „Juwels“ in Jülich
Der Supercomputer „Juwels“ in Jülich picture alliance/dpa

Superrechner helfen bei Simulationen

Eine schnelle Medikamenten-Entwicklung kann dabei vielen Menschen das Leben retten. In dem Projekt EXSCALATE4CoV möchten Forscher Europas leistungsfähigsten Computerressourcen nutzen, um ein intelligentes In-Silico-Drug-Design zu ermöglichen. Mit den Superrechnern wird die Wirkung vielversprechender, in der Entwicklung befindlicher Medikamente simuliert und ausgewertet. Solche Simulationen, die auf großen Datenmengen basieren, beschleunigen die Zeit für die Entdeckung neuer Wirkstoffe. Einer der drei schnellsten Rechner Europas, die in dem Projekt zum Einsatz kommen, steht am Forschungszentrum Jülich in Nordrhein-Westfalen, einer der größten Forschungseinrichtungen Europas. Das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie (IME) in Aachen ist ein weiterer Partner. Koordiniert wird EXSCALATE4CoV vom italienischen Pharma-Unternehmen Dompe in Mailand.

Koordination im Helmholtz Zentrum München

Das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt koordiniert das Projekt RiPCoN. Dabei sollen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz bereits gegen andere Erkrankungen zugelassene Medikamente identifiziert werden, die sich auch für die Behandlung von COVID-19 eignen könnten. Die Forscher analysieren die Interaktionen zwischen viralen und menschlichen Proteinen, um zu verstehen, wie die Viren die Wirtsnetzwerke verändern und welchen Einfluss genetische Varianten bei Mensch und Virus darauf haben. Partner des Helmholtz Zentrums sind das französische Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale und die Fundacio Institut de Recerca Biomèdica in Barcelona.

Insgesamt setzen sich in Europa mehr als 150 Einrichtungen für die Bekämpfung der Pandemie ein. Eine Reihe der Projekte liefern bereits positive Ergebnisse. Ein Sprecher des Projekts Exscalate4CoV gab zum Beispiel bekannt, dass sich das generische Medikament Raloxifen zur Behandlung von Osteoporose für eine wirksame Behandlung von COVID-19-positiven Patienten mit leichter oder asymptomatischer Infektion eignen dürfte.

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