Zum Hauptinhalt springen

Sprachauswahl

Darstellung und Barrierefreiheit

Dark-Modus
Text vergrößern
deutschland.de in Gebärdensprache
In der Wüste der Vereinigten Arabische Emirate soll durch Solarparks Regen entstehen.
In der Wüste der Vereinigten Arabische Emirate soll durch Solarparks Regen entstehen. © Adobe Stock | adrian_ilie825
Arabische Welt

Regenmacher für die Emirate

Mit der Kraft der Sonne wollen deutsche Forscher mehr Regen in die Wüste bringen. Dabei müssen sie nicht nur das Wetter im Blick behalten – sondern auch das ein oder andere Kamel. 

14.09.2026Agnes Fazekas

Über den Dünen in der Wüste rund um Dubai flimmert die Luft in der Mittagssonne. Am Horizont verschwimmen Himmel und Erde. Weit und breit: Sand und Hitze. Und doch soll genau hier mit Hilfe der Sonne Regen entstehen. 

Wasser ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein knappes Gut, manche sagen gar: wertvoller als Öl. Selbst in küstennahen Städten wie Dubai kommt man pro Jahr und Quadratmeter gerade mal auf hundert Liter Regen. Zum Vergleich: In Berlin fällt die sechsfache Menge vom Himmel. Der Wüstenstaat lässt es sich deswegen einiges kosten, den Bedarf zu decken. Bisher setzte man dabei auf teure Entsalzungsanlagen, oder auf „Cloud Seeding“, also das aufwändige „Impfen“ von vorbeiziehenden Wolken mit Chemikalien, um Regen auszulösen.  

Um neue Ansätze zu fördern, werben die Emirate mit hohen Preisgeldern um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt. Auch 2026 erhielten drei Forschungsteams ein Budget von insgesamt fünf Millionen US-Dollar. Eine der geförderten Ideen stammt aus Deutschland, aus dem Labor des Meteorologen Oliver Branch von der Universität Hohenheim südlich von Stuttgart. Aus einer Region also, deren Klima kaum gegensätzlicher sein könnte als das der Emirate. 

Pläne für die Wüste der Zukunft 

Die Vision des schwäbischen Forschungsteams setzt auf die Eigenheiten wasserarmer Landschaften, um sie dann radikal zu verändern: In der Wüste der Zukunft sollen die Felder riesiger Solarparks schwarz in der Sonne glitzern. Dazwischen wachsen einheimische Ölfrüchte wie Jojoba. Über hundert Meter hohe Dünen, von Menschenhand aufgeschüttet, sollen in Pyramidenform weit in den Himmel ragen.  

Der Clou: Weil sich die Luft über den schwarzen Modulen stärker erwärmt als in der Umgebung, könnte feuchte Luft vom nahen Meer nachströmen. Die warme Luft steigt auf, Wolken können entstehen und zusätzlichen Regen bringen. 

Was klingt wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film, ist laut Projektleiter Branch gar nicht mehr so fern. Es gebe schon jetzt Solarparks mit der passenden Größe, erklärt er. „Die warme Luft braucht nur genug Auftrieb, um Atmosphärenschichten zu erreichen, in denen sich Wolken bilden können“, sagt Branch. 

Große Solarparks und künstliche Dünen können Regen in küstennahen Wüsten erzeugen.
Große Solarparks und künstliche Dünen können Regen in küstennahen Wüsten erzeugen. © Uni Hohenheim/Unger+

Kann ein Solarpark für mehr Regen sorgen? 

Schon frühere Studien zeigten, dass riesige Solarparks in der Sahara Niederschläge verstärken könnten, allerdings möglicherweise auf Kosten anderer Regionen. Das Team aus Hohenheim untersucht deshalb, ob sich der Effekt auch mit kleineren Anlagen erzielen lässt. Berechnungen zufolge könnte bereits ein 20 Quadratkilometer großes Solarfeld in Kombination mit feuchten Höhenwinden für fast 600.000 Kubikmeter zusätzlichen Niederschlag sorgen – rund 30 Prozent der jährlichen Niederschlagsmenge in der Region. 

Die künstlich aufgeschütteten Dünen sollen laut Meteorologe und Institutsleiter Volker Wulfmeyer einen ähnlichen Effekt haben: „Aus der Forschung wissen wir, dass Bergkuppen Windströmungen so umleiten, dass sie erst aufeinanderprallen, dann aufsteigen und Wolken bilden.“ Auch die Jojoba-Farmen seien nicht nur ein dekoratives Detail. Dass sich die Luft über solchen Pflanzen stärker erwärmt als über Sand allein wissen die Wissenschaftler bereits aus Studien.  

Die Grundprinzipien sind also bekannt, sagt Branch. Jetzt gehe es darum, die Prozesse im Land selbst  genau zu studieren. Die Emirate seien dabei ein dankbares Forschungsfeld, weil hier einige der größten Solarparks der Welt stehen. Mit dem gewonnenen Budget will das Team nun erstmal Messungen mit Hochleistungslasern durchführen. Diese Systeme können bis hoch in die Luftschichten, in denen Wolken entstehen, Temperatur, Feuchtigkeit und Windbewegung dreidimensional auswerten. Eingespeist werden diese Werte dann in ein intelligentes Computermodell, dass alle Prozesse simuliert.  

Der im Bau befindliche „Mohammed bin Rashid Al Maktoum“-Solarpark in Dubai gehört den größten Solarpark des Landes.
Der im Bau befindliche „Mohammed bin Rashid Al Maktoum“-Solarpark in Dubai gehört den größten Solarpark des Landes. © Adobe Stock | Aerial View

„Im zweiten Schritt können wir dann Vorhersagen machen“, erklären die Forscher. Wie wirkt es sich aus, wenn der Solarpark vergrößert wird? Wie ändern sich die Winde, wenn man die Form einer Düne manipuliert? So will das Team sowohl den optimalen Standort ermitteln als auch das notwendige Format von Modulen und Kunstdünen.  

Wieso Kamele den Betrieb von Solarparks stören  

Für Wulfmeyer und Branch ist es nicht die erste UAEREP-Förderung: Bereits 2015 gehörten sie mit einem Projekt zur Optimierung von „Cloud Seeding“ zu den Preisträgern. 

Nun freut sich Branch darauf, in der Praxis zu testen, was bislang vor allem am Computer simuliert wurde. Bis 2030 wollen die Emirate einen Prototyp sehen. Dabei warten ganz praktische Herausforderungen: Die Hochleistungslaser benötigen spezielle Klimaanlagen. „Sonst verbiegt sich die Optik“, sagt Branch. 

Und dann wären da noch die Kamele. Die Partner in den VAE haben die Forscher bereits gewarnt: Freilaufende Tiere knabbern nachts offenbar gerne an Kabeln.