„Ich gebe mein Wissen weiter“

Die kongolesische Molekularbiologin Francine Ntoumi hat mit Unterstützung der Universität Tübingen das erste molekularbiologische Labor der Republik Kongo gegründet. Im Interview erzählt sie, warum sich die Partner gut ergänzen.

Frau Ntoumi, wie wurde die Malaria-Forschung zu ihrem wissenschaftlichen Schwerpunkt?

Ich habe zunächst in Frankreich studiert, dort meinen Doktor gemacht und wurde habilitiert. Als ich nach Afrika zurückging, wollte ich mich auf ein Forschungsgebiet konzentrieren, das für meine Landsleute wichtig ist. Tausende Afrikaner sterben jedes Jahr an Malaria. Ich möchte diese Krankheit nicht nur bekämpfen, sondern auch das Niveau unserer wissenschaftlichen Ausbildung heben, um unseren Rückstand wettzumachen.

Wo liegen die größten Unterschiede in der Forschungsarbeit in der Republik Kongo und in Deutschland?

In Kongo stehen wir vermutlich da, wo Deutschland vor etwa 25 Jahren war. Die Schwierigkeiten fangen damit an, dass bei uns das Internet nicht so gut funktioniert. Dadurch ist es für kongolesische Studierende schwer, immer auf dem aktuellen Forschungsstand zu sein. Ich möchte, dass meine Studenten auf dem gleichen wissenschaftlichen Niveau arbeiten können wie ihre deutschen Kollegen. Deshalb ist es mir wichtig, hier in Kongo zu arbeiten und gleichzeitig einen Fuß in Deutschland zu haben. Ich kann auf diese Weise eine Brücke sein.

Wie sieht Ihre Arbeit am Institut für Tropenmedizin in Tübingen aus?

Das Niveau ist sehr hoch und ich mache dort, was ich in Kongo nicht leisten kann. Von der engen Kooperation profitieren beide Seiten, denn das Institut kann in Deutschland natürlich nicht auf Tropenkrankheiten und entsprechende Proben zurückgreifen. Es ist ein echter wissenschaftlicher Austausch und unsere Arbeit ergänzt sich sehr gut.

Wie sieht diese Zusammenarbeit konkret aus?

Ich habe an der Universität in der kongolesischen Hauptstadt Brazzaville das erste molekularbiologische Labor des Landes gegründet. Das war nur möglich, weil mich die Tübinger Kollegen unterstützt haben. Sie haben mich beraten, waren immer ansprechbar. Heute zeigen wir, dass es auch bei uns möglich ist, hochqualifizierte Forschung zu betreiben.

Was können die Partner voneinander lernen?

In der Republik Kongo gibt es noch keine Forschungskultur. In Deutschland gehört es selbstverständlich dazu, dass auch die Studierenden ihre Meinung sagen und diskutiert wird. In Kongo fehlt aktuell noch das Verständnis dafür, dass ein Gedankenaustausch wichtig ist. Dabei geht es der Forschung um neue Ideen und Debatten sind notwendig. Hinzu kommt, dass unsere Wissenschaftler sehr isoliert arbeiten. Sie sind es nicht gewohnt, sich mit Kollegen auszutauschen oder Teams zu bilden. Ich gebe solche Erfahrungen, die ich in Europa gesammelt habe, in meiner Heimat weiter. ▪

Interview: Gemma Pörzgen

ZUR PERSON

Prof. Dr. Francine Ntoumi verbindet mit Deutschland seit einigen Jahren vieles. Seit 2000 arbeitet die 53 Jahre alte kongolesische Spitzenwissenschaftlerin eng mit dem Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen zusammen. Die renommierte Molekularbiologin wurde mit dem Georg Forster-Forschungspreis 2015 der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgezeichnet und möchte die Kooperation der deutschen Hochschule nun vertiefen. Für ihre wissenschaftlichen Leistungen bei der Malaria-Bekämpfung und der Verbesserung der Forschungsbedingungen in Afrika erhielt sie 2012 den African Union Award als beste Wissenschaftlerin des Kontinents.