Deutscher Pavillon wird zum Plattenbau
Der Deutsche Pavillon in Venedig ist trotz des plötzlichen Tods der Künstlerin Henrike Naumann fertig geworden. Was sich nun hinter Millionen Mosaiksteinen verbirgt.
Venedig (dpa) - Der Deutsche Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig verwandelt sich in diesem Jahr äußerlich in einen Plattenbau. Er „reiht sich ein in eine höchst politische Biennale, die wir hier erwarten“, sagte Kuratorin Kathleen Reinhardt. Gestaltet wurde er von den Künstlerinnen Sung Tieu und Henrike Naumann. Naumann war im Februar überraschend im Alter von 41 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben.
Mit den beiden Künstlerinnen habe man erstmals ostdeutsche und ostdeutsch-migrantische Stimmen in dieser Tiefe und Vehemenz im Pavillon, sagte Reinhardt. Tieu überdecke das Gebäude von 1938 – „die faschistische Architektur, an der sich ja schon sehr viele abgearbeitet haben“ – mit dem Bild eines Berliner Plattenbaus, in dem sie als Kind in den 1990ern lebte. Sie nutzt dafür mehr als drei Millionen Mosaiksteine.
Das Gebäude in der Gehrenseestraße sei vor der Wende einer der größten Wohnkomplexe für vietnamesische Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter gewesen, nach der Wende dann auch als Ghetto begriffen worden. Es sei auch Teil der Gentrifizierungsgeschichte Berlins, weil die Ruinen mehrfach den Besitzer gewechselt und Investoren auf den Plan gerufen hätten.