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Erfolgreiches Filmland

Kinofilme aus Deutschland kommen international gut an, hier entstehen zudem prämierte internationale Produktionen.

12.02.2018
Weltweit gefragt: Filme aus Deutschland
© dpa

Deutschland ist ein Filmland: Rund 250 Kinofilme entstehen hier im Jahr. Festivalerfolge wie die Tragikomödie „Toni Erdmann“ von Maren Ade und die Dramen „Wild“ von Nicolette Krebitz und „Axolotl Overkill“ von Helene Hegemann rücken den Filmstandort Deutschland auch immer wieder in den Mittelpunkt des internationalen Interesses. Deutsche Filme sind aber nicht nur bei Festivals erfolgreich. Sie haben auch Erfolg im Kino – im In- und Ausland. 2016 sahen 27,7 Millionen Kinobesucher deutsche Filme, das entspricht einem Marktanteil von 22,7 Prozent. „Toni Erdman“ wurde bis Mai 2017 bereits in mehr als 100 Länder verkauft und in rund 40 Ländern im Kino aufgeführt. Aufstrebende junge Regisseure wie Jonas Rothlaender („Fado“) finden ebenso ihr Publikum wie die Macher populärer Kinohits, etwa Schauspieler und Regisseur Til Schweiger mit „Honig im Kopf“ und Bora Dagtekin mit der Komödie „Fack Ju Göthe!“ Die deutsche Kinolandkarte wird seit langem auch von renommierten Autorenfilmern geprägt: So feierte etwa Volker Schlöndorffs neue Regiearbeit „Rückkehr nach Montauk“ bei der Berlinale 2017 Premiere. Die Vielfalt der künstlerischen Handschriften und Genres ist derzeit beeindruckend. Ihre Wurzeln hat sie auch in einer langen kinematografischen Tradition.

Attraktive Filmproduktionslandschaft

Deutschland verfügt über eine Reihe wichtiger Filmstandorte, etwa in München, Hamburg oder Köln. Die Studios Babelsberg in Potsdam bei Berlin haben internationales Renommee. Die Studios wurden bereits 1912 gegründet und sind damit die ältesten Großatelier-Filmstudios der Welt. Seither werden hier Kinofilme hergestellt. Babelsberg steht weltweit für ein bedeutendes filmisches Erbe vor allem der 1910er- und 1920er-Jahre, das verknüpft ist mit Namen wie Fritz Lang („Metropolis“), Friedrich Wilhelm Murnau („Nosferatu“) oder Stars wie Marlene Dietrich. Heute entstehen in Babelsberg dank hochmoderner Studios und Ateliers und einem international erfahrenen Team von Filmschaffenden und technischen Experten neben bedeutenden nationalen auch immer wieder große internationale Produktionen. So wurden unter anderem „Das Bourne Ultimatum“, „Inglourious Basterds“ und „Monuments Men“ sowie die Oscar-prämierten Filme „Die Fälscher“, „Der Vorleser“ und „Grand Budapest Hotel“ zum Teil in den Studios Babelsberg hergestellt. Heute befinden sich in der Medienstadt Babelsberg neben Filmstudios, einem Filmpark, der Filmuniversität Konrad Wolf und dem Babelsberger Filmgymnasium auch zahlreiche weitere Institutionen und Unternehmen der Medienbranche. In Babelsberg sind filmisches Talentcoaching, die Ausbildung und Produktion beispielhaft vernetzt.

Auch im zunehmend bedeutenderen Bereich der „Visual Effects“ können sich international prämierte deutsche Anbieter, wie etwa Pixomondo, Rise FX oder Mackevision, im weltweiten Wettbewerb behaupten. Sie werden auch für die digitale Bearbeitung großer US-amerikanischer Produktionen gebucht. Im Zusammenhang mit „Game of Thrones“ wurde Pixomondo mit einem Emmy Award ausgezeichnet. Auch Martin Scorseses 2012 Oscar-gekröntes Filmmärchen „Hugo Cabret“ wurde in Deutschland mit gestaltet.

Filmförderung durch Bund und Länder

Finanziell unterstützt wird die Kinoproduktion sowohl auf Bundesebene, etwa durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Staatsministerin Monika Grütters mit dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF) und der kulturellen Filmförderung sowie über die Filmförderanstalt (FFG). Auch auf Länderebene werden Filmemacher unterstützt: Jedes Bundesland verfügt über eigene Fördereinrichtungen. Es wird jedoch immer schwieriger, Filme herzustellen, weil Finanzierungsgrundlagen und -modelle sich verändern und die Filme sich im internationalen Wettbewerb behaupten müssen. Um den Filmstandort Deutschland auch in der Zukunft wettbewerbsfähig zu halten hat die BKM die kulturelle Filmförderung der BKM 2016 und 2017 um 15 Millionen Euro auf 18 Millionen Euro aufgestockt. Damit wird die Entwicklung, Produktion und Auswertung künstlerisch herausragender deutscher Kinofilme substantiell gestärkt. Zur Berlinale 2017 hat die BKM außerdem den DFFF für 2017 um 25 Millionen Euro auf 75 Millionen Euro erhöht, 2018 ist geplant,die Summe sogar auf 125 Millionen Euro anzuheben. Damit soll insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit in der Konkurrenz um internationale Großproduktionen gestärkt werden.

Im Kinobereich haben Berlin und Potsdam-Babelsberg die Nase vorn: Über 1.800 Filmunternehmen machten 2016 einen Jahresumsatz von rund 900 Millionen Euro. Bayern kommt mit der in München ansässigen Constantin, die zur deutschen Topliga der Entertainmentfirmen gehört, auf Platz zwei, Nordrhein-Westfalen auf Rang drei.

Festivals mit Strahlkraft

Aber es geht natürlich nicht nur um den wirtschaftlichen Aspekt von Filmproduktion, sondern darum, dafür zu sorgen, dass die Filme wahrgenommen werden. Dazu muss ihnen öffentliche Aufmerksamkeit verschafft werden – etwa durch Marketing und Filmfestivals. Die jährlich im Februar in der deutschen Hauptstadt stattfindende Berlinale ist das strahlkräftigste Event der deutschen Filmbranche. Als wichtige Plattformen für neue ästhetische Handschriften sind seit langem die Hofer Filmtage und das Festival Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken eingeführt. Die renommierteste und mit etwa drei Millionen Euro höchstdotierte Ehrung im Bereich Kino ist der Deutsche Filmpreis, auch Lola genannt. Die Preisträger werden von den Mitgliedern der Deutschen Filmakademie gewählt.

Gute Ausbildung für Filmschaffende

Vom Deutschen Filmpreis träumt ein Gutteil des filmischen Nachwuchses, der seine Arbeiten vor allem in Hof und Saarbrücken präsentiert. Ausgebildet wird im ganzen Land, in staatlichen, aber auch privaten Lehreinrichtungen, dazu kommen spezielle Klassen der Kunsthochschulen, einige private Lehrstätten wie die Internationale Filmschule Köln, die halb-staatliche Hamburg Media School sowie, an vielen Fakultäten, Angebote in Filmtheorie und -geschichte, hochaktuelle und international anerkannte Studiengänge im Bereich Visual Effects und Animation. Die einstige Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Babelsberg wurde vor einigen Jahren zur ersten und bislang einzigen Filmuniversität Deutschlands umgewidmet. Jeweils einen ausgezeichneten Ruf als Ausbildungsstätte genießen auch die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, die Hochschule für Fernsehen und Film München und die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg – eine der größten Ausbildungsstätten für angehende Filmemacher in Deutschland, die rund 500 Studierende ausbildet. Der international ausgezeichnete deutsche Regisseur Wim Wenders etwa wurde 1967 an der damals gerade gegründeten Hochschule für Fernsehen und Film in München aufgenommen.