Wie deutsches Glas die Schätze von Tutanchamun schützt
Wenn Altägypten auf deutsche Hochsicherheitstechnik trifft, ist man im Grand Egyptian Museum – einem Jahrhundertprojekt das Ende 2025 eröffnete.
Bevor Besucherinnen und Besucher im Grand Egyptian Museum in Kairo die goldene Totenmaske Tutanchamuns sehen, begegnen sie deutscher Ingenieurskunst aus Frankfurt. Hinter den spektakulär inszenierten Schätzen des Alten Ägypten steht moderne Hochsicherheitstechnologie – gefertigt von einem hessischen Familienunternehmen. Mit der feierlichen Eröffnung des Grand Egyptian Museum (GEM) im November 2025 hat Ägypten ein Jahrhundertprojekt vollendet. Zu den Gästen der Eröffnungsfeier gehörte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der sich auch über die deutsche Beteiligung an dem gigantischem Kulturprojekt freute.
Nur wenige Kilometer von den Pyramiden von Gizeh entfernt erhebt sich der monumentale Museumsneubau, mit über 90.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und zwölf Ausstellungshallen das größte archäologische Museum der Welt. Mehr als 100.000 Objekte aus ägyptischer, griechischer und römischer Antike gibt es hier zu sehen.
Deutsches Handwerk für die Schätze Tutanchamuns
Eine zentrale Rolle für die Gestaltung der Ausstellungsräume spielte das Frankfurter Unternehmen Glasbau Hahn, das zu den weltweit führenden Herstellern von Museums- und Sicherheitsvitrinen zählt. Für das GEM entwickelte der Familienbetrieb rund 50 maßgeschneiderte Hochsicherheitsvitrinen, in denen einige der wertvollsten Objekte des Grabes von Tutanchamun präsentiert werden, darunter auch jene berühmte goldene Totenmaske, die zuvor im Ägyptischen Museum in Kairo zu sehen war.
Um die oft fragilen Ausstellungsstücke zu schützen, ist höchste Präzision gefragt. Die Vitrinen von Glasbau Hahn kombinieren einbruchsicheres Glas und Stahlrahmen zu regelrechten Glastresoren. Hinzu kommt fast unsichtbar eingebaute Technik wie Luftbefeuchter und Stickstoffgeneratoren, die für stabiles Klima sorgen, ohne die visuelle Präsentation zu stören. „Unsere drei großen Themen sind Ästhetik, Sicherheit und präventive Konservierung“, sagt Peter Hohenstatt, Leiter Marketing und Geschäftsentwicklung bei Glasbau Hahn in einem Interview.
Dass sich die ägyptische Regierung für ein deutsches Traditionsunternehmen entschied, dürfte vor allem an dessen technischer Kompetenz und internationaler Projekterfahrung liegen. Glasbau Hahn war bereits für große Museen in Tokio und London im Einsatz. Zu den bekanntesten Objekten, die in Vitrinen des Unternehmens präsentiert werden, gehören der Rosetta-Stein im British Museum in London und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung in den National Archives in Washington, D. C. Derzeit baut das deutsche Team außerdem Vitrinen für das Museum von Star-Wars-Schöpfer George Lucas, das im September 2026 in Los Angeles eröffnen soll.
Die Geschichte Tutanchamuns aus verschiedenen Perspektiven entdecken
Auch das Architekturbüro „Atelier Brückner“ aus Stuttgart hat wesentlich zu dem neuen Museum beigetragen. Es übernahm die Gestaltung der Tutanchamun-Galerie, dem Herzstück des GEM. In dem 7.500 Quadratmeter großen Bereich wird der komplette Grabschatz des legendären Königs erstmals vollständig gezeigt: rund 5.600 Objekte, von denen etwa 3.000 zuvor noch nie öffentlich zu sehen waren.
Die Galerie besteht aus zwei parallelen Flügeln, 180 Meter lang und bis zu 16 Meter hoch. Zwei Gestaltungsideen führen durch die Ausstellung: ein durchgehendes schwarzes Bodenpanel, der „Kuratorische Pfad“, auf dem die Fundstücke präsentiert werden, und ein Lichtband an der Decke, der „Pfad der Sonne“. Symbolisch werden hier Leben, Tod und Jenseits in einer erzählerischen Erlebniswelt miteinander verbunden.
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Einverständniserklärung öffnenBesucherinnen und Besucher können die Ausstellung auf zwei Arten erleben. Der erste Weg erzählt die Geschichte Tutanchamuns, von seiner Herkunft über sein Leben hin zu seinem frühen Tod und der aufwendigen Bestattung. Der zweite Weg folgt dem britischen Archäologen Howard Carter, der das Grab 1922 entdeckte. Dieser Rundgang beginnt mit einem detailgetreuen Modell der Grabkammer, das zeigt, wie die vielen Objekte in dem nur 35 Quadratmeter großen Raum begraben lagen. Der Höhepunkt: die goldene Totenmaske Tutanchamuns, die in einem eigenen, halboffenen Raum mit 14 Lichtquellen in Szene gesetzt wird.
„Das Grand Egyptian Museum ist ein Projekt von globaler Bedeutung. Es war ein Privileg, an einem Projekt mitzuwirken, das über Generationen hinweg Bestand haben wird. Zu wissen, dass unsere Arbeit Teil dieses kulturellen Erbes ist, erfüllt mich mit großem Stolz“, sagte Shirin Frangoul-Brückner, Geschäftsführerin und Mitbegründerin des Ateliers Brückner.
Internationale Zusammenarbeit in der Kulturbranche
Mit dem Grand Egyptian Museum öffnet nicht nur das größte Archäologiemuseum der Welt, sondern auch ein Ort internationaler Zusammenarbeit. Dass deutsches Ingenieur- und Gestaltungskönnen dazu beitragen, die Schätze des Alten Ägypten in Zukunft sicher und würdevoll zu präsentieren, freut Bundespräsident Steinmeier besonders: „Das Museum ist ein Ort der Zusammenführung, der Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet und auch Ägypten mit der Welt.“