Kampf gegen Fake News

Information oder Desinformation? Internationale Journalistinnen und Journalisten teilen die Erfahrungen Deutschlands.

Medienschaffende aus aller Welt in Berlin
Das Außenministerium lädt Medienschaffende aus aller Welt ein. Klaus Lüber

Politische Propaganda und Desinformation machen die Arbeit vieler Journalisten und Journalistinnen weltweit zu einem schwierigen, bisweilen sogar frustrierenden Unterfangen. In manchen Ländern sind es die Regierungen selbst, die falsche Informationen streuen, um ihre politischen Ziele zu verfolgen. Oder aggressive Interessengruppen versuchen, wichtige gesellschaftliche Debatten zu dominieren – oft mithilfe des Verstärkereffekts sozialer Medien. Von all diesen aktuellen Herausforderungen berichteten die internationalen Journalisten und Journalistinnen, die das Auswärtige Amt im Rahmen des Besucherprogramms der Bundesrepublik Deutschland zur Themenwoche „Fake News – Die Rolle und Verantwortung der Medien“ eingeladen hatte.

Vor allem interessierte die Besucher: Wie gehen deutsche Kollegen und Kolleginnen mit diesem Thema um? Gibt es auch in Deutschland Einflussnahme von staatlicher Seite auf die Medien? Was ist die beste Strategie gegen Hasskommentare in sozialen Medien? Reicht es, falsche Geschichten zu widerlegen, oder geht es inzwischen um weit mehr?

Verantwortung zur Aufklärung

Im Gespräch stellte sich schnell heraus: Es ist zunächst entscheidend, das Problem möglichst präszise zu beschreiben. Und dafür könnte ein erster wichtiger Schritt sein, sich vom Begriff Fake News zu verabschieden. „Wir haben es hier inzwischen mit einem politischen Kampfbegriff zu tun, der immer öfter dafür eingesetzt wird, andere Meinungen zu diskreditieren“, sagte die Journalistin Kristin Becker (ARD), die im Rahmen einer Diskussionsrunde über die aktuelle Situation in Deutschland berichtete. „Abgesehen davon ist unser aktuelles Hauptproblem in Deutschland gar nicht die Verbreitung harter Falschmeldungen, sondern tendenziös aufbereitete Halbwahrheiten. Ich würde hier lieber von Desinformationen sprechen.“

Dieser Meinung ist auch Veronique Brüggemann, Social Media Redakteurin bei Spiegel Online. „Eines unserer Hauptprobleme ist die Omnipräsenz des Begriffs und das Problem, dass viele Menschen nicht mehr so recht einordnen können: Handelt es sich hier gerade um Propaganda, Satire oder einen falsch dargestellten Sachverhalt, der auf einer fehlerhaften Recherche beruht?“ Diese Unsicherheit führe inzwischen bei vielen Menschen zu einem diffusen Gefühl des Vertrauensverlusts in die Berichterstattung. „Es liegt auch in unserer Verantwortung, hier aufzuklären. Die Korrektur einer Falschmeldung heißt schließlich nicht, dass das ganze Medium korrumpiert ist.“

Rückzug ist keine Option

Für die Journalisten und Journalistinnen aus anderen Ländern mögen das Luxusprobleme sein. Wer die eigene Regierung als Gegenspieler hat, hat womöglich mit der Widerlegung von Falschmeldungen alle Hände voll zu tun. Wer von Hasskommentaren auf Social Media Plattformen überschüttet wird, investiert vielleicht zu viel Engerie in die Diskussion mit den Hatern, die dann im Kampf gegen Falschinformationen fehlen könnte.

Die Journalistin Karolin Schwarz, Gründerin der Factchecking-Plattform Hoaxmap und ebenfalls vertreten bei der Diskussionsrunde, findet es dennoch wichtig, mit Usern zu interagieren: „Es gibt diese These, Communities würde sich von ganz alleine regulieren, wenn man sie nur lässt, dass es im Grunde also sinnvoll wäre, so wenig wie möglich zu moderieren. Das halte ich für falsch.“ Veronique Brüggemann stimmt ihr zu: „Sich zurückzuziehen ist keine Option. Und zwar vor allem deshalb nicht, weil wir diejenigen Stimmen stärken sollten, die wir noch mit Argumenten erreichen können.“

Fakten finden

Welche entscheidende Rolle das deutsche Mediensystem hierbei spielt, lernten die Gäste am Beispiel von Projekten wie Faktenfinder kennen, einem Online-Service der ARD, der seit 2017 den Wahrheitsgehalt zweifelhafter Berichterstattungen überprüft. „Eine solche Plattform könnte sich kein privates Medienunternehmen leisten“, so Brüggemann. „Das ist nur im Rahmen eines gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks möglich, wie wir ihn in Deutschland haben.“

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