Iranischer Film in Deutschland

Von Berlinale-Siegern bis zu „Raving Iran“ und dem Iranischen Filmfestival in Köln: Den deutschen und den iranischen Film verbindet viel.

dpa - Hana Panahi

Auch auf der 67. Berlinale vom 9. bis zum 19. Februar 2017 wird es wieder eine Premiere eines iranischen Film-Meisterwerks geben: Die Reihe Berlinale Special zeigt die restaurierte Fassung von Abbas Kiarostamis „Close-Up“ erstmals in Deutschland, im Rahmen des Kulturprogramms „Die iranische Moderne“ des Goethe-Instituts.

Die Berlinale ist ein guter Ort für solche filmischen Entdeckungen. 2015 blickte die internationale Filmgemeinde nach Berlin, weil dort eine außergewöhnliche Weltpremiere eines iranischen Films zu erleben war: Jafar Panahi hatte sein Werk „Taxi“ aus Iran nach Berlin schmuggeln können. Der Regisseur selbst nahm nicht an dem Filmfestival teil; seit Jahren kämpft er in Iran um seine künstlerische Freiheit. Welch große Kraft das iranische Kino entfalten kann, zeigt „Taxi“ beispielhaft: Auf einer Autofahrt durch Teheran, am Steuer sitzt Panahi, entsteht ein faszinierendes, vielschichtiges Panorama der iranischen Gesellschaft. „Taxi“ gewann den Goldenen Bären der Berlinale für den besten Film. Panahis Nichte Hana nahm den Preis in Berlin entgegen.

Oscar-Gewinner Asghar Farhadi

Auf die iranische Gesellschaft blickt auch Panahis Landsmann Asghar Farhadi. 2009 gewann er mit „Alles über Elly“, in dem er das Lebensgefühl und die Konflikte einer jungen iranischen Mittelschicht schildert, den Regiepreis der Berlinale. 2011 lebte Asghar Farhadi als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD für mehrere Monate in der deutschen Hauptstadt und gewann den Goldenen Bären für das Scheidungsdrama  „Nader und Simin, eine Trennung“. 2012 folgte der Oscar für den besten fremdsprachigen Film. 2017 ist der iranische Regisseur mit „The Salesman“ erneut für den Auslands-Oscar nominiert. Nach dem von US-Präsident Trump verhängten Einreiseverbot für Menschen aus sieben muslimisch geprägten Ländern, einschließlich Irans, hat sich Farhadi jedoch für einen Boykott der Oscar-Zeremonie entschieden.

„The Salesman“

Einschränkungen der künstlerischen Freiheit hat in Iran die deutsche Regisseurin Susanne Regina Meures erlebt. Mit versteckter Kamera drehte sie ihre Dokumentation „Raving Iran“ über zwei junge Teheraner DJs im Untergrund. 2016 wurde der Film von der Kritik und auf Festivals gefeiert.

Iranisches Filmfestival in Deutschland

Ein besonderes Festival findet vom 24. bis zum 28. Mai 2017 in Köln statt: das  „4. Iranische Filmfestival in Deutschland“. Das Festivalteam arbeitet zurzeit noch an der Auswahl aktueller Filme; 2016 konnte sich das Publikum über so unterschiedliche Filme wie „A Dragon Arrives“, einen bildgewaltigen Mystery-Thriller mit politischen Untertönen, die beiden Sozialdramen „I’m not angry!“ und „Lantouri“ über die Teheraner Jugend sowie über zwei zentrale Werke des renommierten Dokumentarfilmers Mehrdad Oskouei freuen. Programmkurator Amin Farzanefar betont: „Wir möchten vor allem der jungen iranischen Filmszene ein Forum bieten.“

Das kommt beim Publikum an, das nicht nur aus verschiedenen deutschen Städten anreist, sondern auch aus den Niederlanden und Belgien. Das vom Auswärtigen Amt unterstützte Festival bietet viele Begegnungs- und Kooperationsmöglichkeiten, deutsche und iranische Filmemacher können Kontakte knüpfen und Koproduktionen angehen. 2016 kooperierte das Iranische Filmfestival mit dem International Green Film Festival in Teheran, das sich drängenden Umweltfragen widmet. Das passt zum Anspruch von Amin Farzanefar: „Für uns ist es ganz wichtig, Diskussionen über aktuelle Themen zu ermöglichen.“

Spezial: Iran

© www.deutschland.de