Regionales_E3_Buchmesse_17032017

Israel auf der Leipziger Buchmesse

Auf der Leipziger Buchmesse diskutieren israelische Autoren und deutsche Leser über aktuelle Themen wie Integration und Immobilienspekulation.
von Susann Erbes

Deutschland. Das Interesse deutscher Leser an israelischen Autoren ist ungebrochen groß. Beinahe jedes große Verlagshaus hat israelische Romane in deutscher Übersetzung in seinem Programm. Zur Frühjahrsbuchmesse in Leipzig stellen wichtige Vertreter der israelischen Gegenwartsliteratur ihre neuen Bücher vor. Weil die Beziehung Deutschlands und Israels seit jeher eine besondere ist, werden vor allem die Gesprächsrunden mit Spannung erwartet. Drei Beispiele, wie auf der Leipziger Buchmesse interkulturelle Brücken geschlagen werden.

Von Israel lernen

Wie gehen wir mit Flüchtlingen um? Mit innergesellschaftlichen Konfliktlinien? Wie finden wir humanitäre Lösungen? In der Bialik-Rogozin-Schule in Tel Aviv hat man außergewöhnliche Antworten auf diese Fragen gefunden. Darüber werden sich Eli Nechama, der Leiter der Bialik-Rogozin-Schule, und Norbert Kron in der Autoren-Clubnacht Deutschland-Israel mit Studierenden des deutschen Literaturinstituts Leipzig unterhalten. Kron, Schriftsteller, Journalist und Filmemacher, ist Autor des Buches „Ein Zuhause in der Fremde. Was wir in Deutschland von der besten Schule für Einwanderer lernen können“ (Gütersloher Verlagshaus, März 2017).

Eli Nechama (links) und Norbert KronEli Nechama (links) und Norbert Kron© privat

Vorausblickend sagt Kron: „Ich werde mit Eli Nechama seine faszinierende und stark musisch geprägte pädagogische Arbeit diskutieren: wie es ihm gelingt, mit Musik, Tanz und anderen integrativ spielerischen Elementen eine Integrationsarbeit für Flüchtlingskinder und Kinder mit Migrationshintergrund zu leisten, die absolut einmalig ist und für uns in Deutschland ein riesiges Vorbild sein muss.“ Norbert Kron bewundert, wie Eli Nechama für seine Kinder kämpft und ihnen ein Zuhause gibt und „wie er auf diese Weise seine Bialik-Rogozin-Schule zu einer politischen Institution in der Gesellschaft gemacht hat“.

Romane mit brisanten Themen

Ron SegalsRon Segals© Pavel Bolo

Ron Segals Debütroman „Jeder Tag wie heute“ war eines der meistbesprochenen Bücher in Israel. Nun wird er in Leipzig über seinen neuen Roman „Katzenmusik“ sprechen, der im Herbst 2017 erscheinen wird. Segal erzählt darin von der Zeit nach dem Sechs-Tage-Krieg zwischen Israel und Ägypten Jordanien und Syrien – nun planen Katzen eine Revolte. Eine schwarze Komödie, die Ron Segal im Gespräch mit der in Israel geborenen und in Berlin aufgewachsenen Moderatorin und Journalistin Shelly Kupferberg vorstellt.

Dorit RabinyanDorit Rabinyan© Sharon Deri

Bedürfnisse inmitten eines politischen Minenfelds thematisiert auch Dorit Rabinyan in ihrem Roman „Wir sehen uns am Meer“, der in Israel für heftige Kontroversen sorgte. In der Messevertretung der Botschaft Israels in Halle 4 liest Rabinyan aus ihrem Buch: die Liebesgeschichte zwischen einer Israelin und einem Palästinenser. Anschließend diskutiert sie mit Shelly Kupferberg über diese scheinbar unmögliche Liaison und über die Rezeption des Romans in ihrer Heimat.

Mira MagénMira Magén© Tamir Lahav-Radlmesser

In Deutschland kennt man das: Immobilienspekulanten verdienen sich eine goldene Nase, Mieten scheinen zu explodieren. Das ist das Gerüst des neuen Romans von Mira Magén „Zu blaue Augen“, der im Februar 2017 auf Deutsch bei dtv erschienen ist. Magén, die neben Zeruya Shalev zu den bekanntesten Autorinnen Israels gehört, wird ihr Buch in Leipzig vorstellen und mit ihren deutschen Leserinnen und Lesern diskutieren. Die 77-jährige Protagonistin des Romans setzt sich mit skurrilen Mitteln gegen Immobilienhaie zur Wehr. Urkomisch und todtraurig in einem schreibt Magén von befristeten Arbeitsverhältnissen, gebrochenen Lebensläufen und den Versuchen, sich an eine Welt anzupassen, die sich ständig verändert.

Street Art in Israel

Wer denkt, dass Street Art ein Phänomen der westeuropäischen Metropolen ist, liegt falsch. In den vergangenen Jahren hat sich in Israel eine respektable Szene entwickelt. Einer der bekanntesten israelischen Street-Art-Künstler ist in Leipzig dabei: Dede. Ausgestellt werden seine Arbeiten u.a. in New York, Berlin und London. Er wird über sich und seinen Künstleralltag in Israel sprechen und vor allem sein brandneues „Artistik-Book“ vorstellen. Übrigens: Auch in Berlin kann man Street Art von Dede bewundern, eine Übersicht gibt es hier.

Leipziger Buchmesse vom 23. bis 26. März 2017

© www.deutschland.de

von Susann Erbes

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