Neue Kreationen aus Berlin

Die aus Asien stammenden Berliner Modeschöpfer Hien Le und Tutia Schaad sorgen seit Jahren für kreative Highlights in der Modewelt.

Hien Le

Vielleicht ist es seine offene, sympathische und für die oft schwierige Modebranche gar nicht so typische Art, die ihm den Weg zu seiner Karriere geebnet hat. Vielleicht es aber auch seine Zielstrebigkeit. Hien Le, geboren in Laos, aufgewachsen in Berlin-Kreuzberg, absolvierte zunächst eine Schneiderlehre, um danach ein Modedesign-Studium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin zu absolvieren. Es folgten Praktika bei Designern und in der PR-Branche. Damit hatte er das Rüstzeug zu einer Karriere, stand aber noch längst nicht im Rampenlicht.

Der Durchbruch gelang Hien Le auf der Fashion Week in Berlin. 2010 hatte er sein eigenes Label gegründet, 2011 feierte er auf der Modemesse ein begeisterndes Debüt mit gradlinigen Schnitten, subtilen Designs und hochwertigen Materialien. Er hatte wochenlang fast Tag und Nacht fast durchgearbeitet. Der Lohn war die Nominierung zum „Best Newcomer“ des angesehenen Fachmagazins Sportswear International. Seitdem ist Hien Le fester Bestandteil der Berliner Modeszene. Seine Spring/Summer-Kollektion 2017 wurde von Experten für seine klare Formgebung, den minimalistischen Charakter und die sportliche Note gelobt. Immer wieder versuchen Fachleute etwas asiatisches in seinen Kreationen zu finden. Das streitet er jedoch vehement ab. „Wenn ich an Asien denke, dann denke ich eher an sehr traditionelle Kleidung und die Trachten meiner Großeltern“, sagt er. Seine Kollektionen seien deutsch – „auch wenn der Name nicht deutsch ist.“ Eine TV-Dokumentation mit Karl Lagerfeld hatte den jungen Hien Le erst für die Mode begeistert.

Tutia Schaad

„Ich war Kind in Hanoi, Teenager in Frankreich, Studentin in der Schweiz und bin jetzt Modedesignerin in Berlin.“ So beschreibt Tutia Schaad, die mit Johanna Perret das Designer-Duo „Perret Schaad“ bildet, ihren Werdegang. Ihre Partnerin lernte sie an der renommierten Weissensee Kunsthochschule Berlin kennen. 2009 gründeten sie ihr gemeinsames Label und kamen schon im selben Jahr auf er Fashion Week Berlin groß heraus.

Typisch für das Duo sind klare Schnitte für die „moderne Frau“, weshalb sie oft auch als „Töchter von Jil Sander“ bezeichnet werden. Tutia Schaad entwirft am liebsten direkt an der Puppe, weil „man dabei Volumen erkennen kann, die man auf dem flachen Papier nicht sieht“. Einen Teil der Entwürfe entwickelt jeder für sich, einen anderen Teil entwickeln sie gemeinsam. Bei den Farben sind sie sich immer einig. Ein weiteres Kennzeichen von „Perret Schaad“ ist ihre Vorliebe für ausgefallene Präsentationen. Fast schon legendär ist die Vorstellung der Herbst-Winter-Kollektion 2016/17 in einem Berliner Baumarkt, als die First Row auf Bierbänken Platz nahm und der DJ an der Holzinformation stand. Für die Frühjahr-Sommer-Kollektion 2017 drehten Sie gar einen 3-D-Film mit der bekannten deutschen Schauspielerin Hannah Herzsprung in der Hauptrolle. Mit dem Film wollten sie mehr über ihre Inspirationen erzählen. Herausgekommen ist kein klassischer Fashion-Film, sondern eine Mischung aus Kunst und Musikvideo.

Zur Mode gekommen ist Tutia Schaad über ihre Liebe zur Zeichnerei. Schon als Kind in Hanoi malte sie gerne Menschen in bunten Kostümen und träumte davon, wie eine Prinzessin zu leben, die jeden Tag ein anderes Kleidungsstück tragen kann. „Entgegen meiner Liebe zu natürlichen Materialen mochte ich die Plastikfarben und die bunten Regenjacken in der Monsunzeit.“ ▪