Besondere documenta-Momente

Nicht in Kassel, in Athen beginnt die documenta 14. Für Überraschungen, Aufreger, Hingucker sorgt die größte Ausstellung für zeitgenössische Kunst immer. Ein Blick zurück auf documenta-Kunst, die in Erinnerung bleibt.

dpa - documenta

Himmelsstürmer

Mit seiner Skulptur Himmelsstürmer verschaffte Jonathan Borofsky der documenta 9 im Jahr 1992 ihr Wahrzeichen. Der Amerikaner wendete dabei den Blick nach oben und ließ auf einer schrägen Metallstange vor dem Museum Fridericianum einen Jüngling gen Himmel stürmen. „Schneller, höher, weiter“ schien genau das richtige Motto für die immer weiter expandierende Kunstschau zu sein. Der Himmelsstürmer wurde zum Publikumserfolg, konnte mit Hilfe einer Spendenaktion angekauft werden und fand am Kulturbahnhof einen Dauerstandort.

Springt er oder springt er nicht? 

Skulptur – Stephan Balkenhol

Noch bevor die documenta 13 begann, kam es im Mai 2012 zu einem Skandal: Auf dem Kirchturm von St. Elisabeth, am prominenten Friedrichsplatz in Kassel, war plötzlich ein Mann mit ausgebreiteten Armen zu sehen. Die Skulptur wurde von Bildhauer Stephan Balkenhol geschaffen, der später auch im Kircheninneren ausstellen sollte. Zunächst erregte sie Aufsehen, weil besorgte Passanten Polizei und Feuerwehr anriefen, um einen vermeintlichen Selbstmörder zu melden. Später wurde sie auch zum Ärgernis für die damalige documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev, die über die Installation nicht informiert worden war.

Laune der Natur

„Template“ – Ai Weiwei

Mit 754.000 Zuschauern war die zwölfte Ausgabe der documenta 2007 erfolgreich wie nie zuvor. Im Mittelpunkt stand der damals in Europa noch kaum bekannte chinesische Künstler Ai Weiwei. Denn gleich wenige Tage nach der Eröffnung stürzte sein Kunstwerk „Template“, ein Monument aus alten Holztüren und -fenstern, die dem chinesischen Bauboom zum Opfer gefallen waren, nach einem Sturm zusammen. Weiwei entschloss sich, die Installation an der Karlsaue nicht wieder aufzubauen. „Das ist besser als vorher“, so der Künstler lapidar. „Jetzt wird die Kraft der Natur sichtbar. Und Kunst wird durch solche Emotionen erst schön.“

Saustall

„Haus für Schweine und Menschen“ – Rosemarie Trockel und Carsten Höller

Catherine David, Leiterin der documenta 10, äußerte sich nicht eben charmant über die documenta-Stadt. Sie konstatierte: „Kassel ist scheußlich!“. Dennoch hatte auch die Kunstschau von 1997 einen Publikumsliebling: die Bunten Bentheimer, eine Schweinerasse, die das „Haus für Schweine und Menschen“ in der Karlsaue bevölkerte. Der ökologische Musterstall beherbergte Schweine, die die Künstler Rosemarie Trockel und Carsten Höller hinter verspiegeltem Glas ausstellten. Wer in den Stall sah und sich an den glücklichen Tieren erfreute, dachte unweigerlich über Massentierhaltung, Ausbeutung und Gewinnmaximierung nach.

Eröffnung der documenta 14 am 8. April 2017 in Athen

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