Das neue Vitra Schaudepot

In Weil am Rhein haben die Architekten Herzog & de Meuron auf dem Vitra Campus ein außergewöhnlich schlichtes Designmuseum gebaut.

Vitra - Design

Der erste Eindruck: schlicht. Ein Backsteinhaus mit Giebeldach und einer Tür. Der zweite Eindruck: faszinierend. Die gespaltenen und mit der Bruchkante nach außen gesetzten Klinkersteine geben dem roten Gebäude etwas Anziehendes. Der dritte Eindruck: überwältigend. In der 900 Quadratmeter großen fensterlosen Ausstellunghalle präsentieren 400 Objekte in dreistöckigen Regalen die Entwicklung des Möbeldesigns von 1800 bis heute. Die Exponate reichen von den ersten Bugholzmöbeln des 19. Jahrhunderts über die Stahlrohrfreischwinger der 1920er-Jahre und bunte Kunststoffmöbel der 1960er- und 1970er-Jahre bis hin zu 3D-gedruckten Objekten von heute. Sie sind Teil der Sammlung des Vitra Design Museums, die der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich war.

Erster Schwerpunkt: Radical Design

Das Vitra Design Museum entstand 1989 auf Initiative von Rolf Fehlbaum, dem Inhaber des Möbelproduzenten Vitra. Ursprünglich war es als privates Sammlermuseum gedacht. Heute zählt es zu den führenden Designmuseen weltweit. In dem Hauptgebäude von Frank O. Gehry zeigt das Museum jährlich zwei große Wechselausstellungen. Im neuen Schaudepot der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron, die unter andrem das Tate Modern in London, das Olympiastadion in Peking und die Elbphilharmonie in Hamburg gestaltet haben, sollen Teile der stetig wachsenden Sammlung gezeigt werden. Den Kern bildet ein etwa 7000 Stücke umfassender Bestand an Möbeln. Ein zweiter Sammlungsschwerpunkt sind Leuchten mit über 1000 Objekten. Die erste Wechselausstellung des Schaudepots widmet sich dem Radical Design, einer Strömung, die ihren Höhepunkt Ende der 1960er-Jahre und Anfang der 1970er-Jahre in Italien erreichte und als eine der wichtigsten Avantgardebewegungen der Designgeschichte gilt. Mit unkonventioneller Formensprache und utopischen Gestaltungsideen protestierten die Vertreter des Radical Design gegen den Funktionalismus und den etablierten Geschmack. Viele der aktuellen Designströmungen wie Critical Design, Social Design und Participatory Design beziehen sich auf den Ansatz.

www.design-museum.de

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