„Landschaften der Hoffnung“

Auf dem Festival in Berlin trafen sich syrische Künstler, um ihre Arbeit zu präsentieren und mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.

Frankziska Preuß - „Landschaften der Hoffnung“

„Landschaften der Hoffnung“ - davon zu sprechen erscheint auf den ersten Blick widersinnig angesichts der Bilder der Zerstörung und des Leids, die uns Tag für Tag aus Syrien erreichen. Und dennoch verbreitete das gleichnamige Festival syrischer Künstler in Berlin Hoffnung. Denn der Name ist Programm. Organisiert von „Action for Hope“, einer libanesischen Nicht-Regierungsorganisation, und unter der Schirmherrschaft des Auswärtigen Amtes trafen sich vom 1. bis 3. Oktober 2016 im  Berliner Veranstaltungsort Radialsystem – einem umgebauten Pumpwerk – am Ufer der Spree  Musiker, Regisseure, Schauspieler, Tänzer, Fotografen und Autoren aus Syrien. Sie stellten ihre Arbeiten vor und kamen – mindestens genauso wichtig – miteinander und mit Kulturschaffenden und dem Publikum ins Gespräch.

Empfangen wurden die Besucher des Radialsystems von den Düften der syrischen Küche. Die Radiomoderatorin Malakeh Jezmati, die schon vor ihrer Flucht nach Deutschland in Syrien zu Kochshows eingeladen hatte, lieferte sich mit ihrer Kollegin Rita Bariche vor den Augen des Publikums einen Wettstreit um das beste Essen: die syrische Version eines Crepes, gefüllt mit Paprikapaste und Käse, in Olivenöl gedünsteter Spinat mit Knoblauch und Koriander als Vorspeisen, danach folgten die Hauptgänge. Den einen, geflüchteten Syrern, die das Festival besuchten, schenkten die Köchinnen mit den vertrauten Gerüchen ein Gefühl von Heimat, die anderen genossen einfach nur die levantinischen Köstlichkeiten. „Kochen“, so schreiben die Organisatoren im Programmheft „ist für Syrer zu einem Akt des Widerstands geworden, gegen das Gefühl des Verlusts und der Entfremdung“. So war Kochen und das gemeinsame Essen an dem sonnigen Berliner Herbstwochenende keine Marginalie, sondern ein essentieller Teil des Programms – gleichauf mit den anderen Künsten.

So wie die Köchinnen die Düfte Syriens in die Mitte Berlins brachten, nahm der in Kairo ansässige Künstler Hamdy Reda mit seiner Foto-Installation die Berliner Besucher mit in die Flüchtlingslager in den Nachbarländern Syriens, Jordanien, Türkei und Libanon. Seine Porträts von Kindern, von Frauen und Männern, seine festgehaltenen Alltagszenen erscheinen beiläufig, wie aus dem Leben gegriffen. Auf meterlange, ungebleichte Baumwollbahnen gedruckt und warm angeleuchtet, schaffen die Bilder des Künstlers vertraute, fast schon intime Momente der Begegnung mit den Geflüchteten. Ein Moment des Innehaltens und der Hoffnung angesichts von Krieg und Flucht.

Hamdy Reda fotografiert aber nicht nur in den Flüchtlingslagern. Er bringt Kindern und Jugendlichen dort auch das Fotografieren bei. Diese Workshops organisiert er gemeinsam mit „Action for Hope“. Die in Libanon gegründete und mittlerweile in Belgien registrierte Organisation hat es sich seit 2013 zur Aufgabe gemacht, Hoffnung in den syrischen Flüchtlingslagern zu verbreiten. Durch Kunst. Alle drei bis fünf Monate machen sich sogenannte Kulturhilfskonvois auf den Weg und bieten in den Flüchtlingslagern Workshops an. Unter der Anleitung von Künstlern spielen Kinder und Jugendliche  Theater, machen Musik, stellen Bilder und Filme her. Bald sollen auch fest eingerichtete Kulturzentren entstehen, das erste in der westlichen Bekaa-Ebene im Libanon.

„Für Essen und ein Dach über dem Kopf ist in den Flüchtlingslagern gesorgt. Was aber ist mit der Seele der Menschen?“, sagt Brigitte Boulad, Vorstandssekretärin von „Action of Hope“. Diese Frage habe den Anstoß zur Gründung der Nicht-Regierungsorganisation gegeben. Mit dem Festival „Landschaften der Hoffnung“ ist „Action of Hope“ nach Berlin gekommen, um syrischen Künstlern, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, Hoffnung zu machen. Sie leiden im Exil unter ähnlichen Schwierigkeiten, etwa der Bürokratie, wie andere Neuankömmlinge. Andererseits, das zeigte die Diskussion unter dem Motto „Bedingte Freiheit“, ist es existentiell für sie, nicht nur als Flüchtlinge wahrgenommen, sondern als Künstler gehört zu werden. Festivals wie „Landscapes of Hope“ können hier den Weg ebnen. Das Auswärtige Amt fördert daneben weitere Initiativen, um im Exil lebende syrische Kulturschaffende mit Kollegen in Deutschland zu vernetzen. So wird im Oktober, ebenfalls in Berlin, das seit 2012 geschlossene Goethe-Institut Damaskus für einige Wochen einen Standort „im Exil“ eröffnen – mit Arbeiten von syrischen Künstlern zu Themen wie „Heimat und Exil“ und „Utopie Damaskus 2020“.

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