Bonn – Hauptstadt der Biodiversität

Nach dem Vorbild des Weltklimarats will der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) von Bonn aus dafür sorgen, dass keiner mehr am Thema Artenschutz vorbeikommt.

picture alliance/blickwinkel/McPHOTO - IPBES

Nicht immer ist das Aussterben so offensichtlich und rührt Menschen weltweit. Als die Riesenschildkröte „Lonesome George“ auf den Galapagosinseln starb, verschwand vermutlich das letzte Exemplar der Unterart „Chelonoidis nigra abingdonii“ von der Erde. Die gesamte Vielfalt von Tieren und Pflanzen wird auf 10 bis 20 Millionen Arten geschätzt. Doch diese Zahl geht dramatisch zurück: Experten gehen davon aus, dass jährlich weltweit etwa 1000mal mehr Arten verschwinden, als es unter natürlichen Umständen der Fall wäre. Artenschutz ist kein Luxusthema, sondern wesentlich für die Zukunft des Planeten. Diese Erkenntnis steht hinter der Gründung der Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) bei einer Konferenz der Vereinten Nationen (VN) in Panama 2012. Dahinter verbirgt sich eine globale zwischenstaatliche Wissenschafts-Politik-Plattform, die wissenschaftliche Erkenntnis zum Thema Artenvielfalt sammelt und sie Entscheidern zugänglich macht. Das IPBES-Sekretariat, das die Arbeit koordiniert, wurde im Sommer 2014 als 18. Organisationen der Vereinten Nationen in Bonn eröffnet. Deutschland unterstützt das Sekretariat mit Räumen und Einrichtung im VN-Tower („Langer Eugen“) am Rhein  sowie den IPBES-Etat. Außerdem hat das Bundesumweltministerium zusammen mit dem Bundesforschungsministerium eine nationale IPBES-Koordinierungsstelle eingerichtet, die das Sekretariat unterstützen soll.

Was ist die Arbeit der Bienen wert?

Bei ihrer dritten Vollversammlung verabschiedeten die inzwischen 123 IPBES-Mitgliedsstaaten im Januar 2015 in Bonn ein detailliertes Arbeitsprogramm, das zentrale Fragen zu Artenvielfalt und „Ökosystem-Dienstleistungen“ beantworten soll. Nach dem Vorbild des Weltklimarats werden in den nächsten Jahren Hunderte Forscher ausschwärmen, um Informationen aus der Wissenschaft, von Umweltgruppen, der Industrie und indigenen Gruppen zusammenzutragen. Es geht darum, welche Tier- und Pflanzenarten gerade aussterben und warum. Wie viel Geld die Dienstleistung der Bienen beim Bestäuben von Pflanzen wert sind. Welche einwandernden Arten ein Ökosystem gefährden oder was ein Stück Regenwald wert ist, das nicht für eine Rinderweide gerodet wird. Die Themen werden in verschiedenen Regionen durchleuchtet: Für Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika sollen bis 2017 Berichte erstellt werden. Den Abschluss bildet dann 2019 ein umfassender Bericht über den Zustand der globalen biologischen Vielfalt.

Tag des Artenschutzes und World Wildlife Day am 3. März

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