„Ich will Menschen 
zum Lachen bringen“

Auf ihn hat Deutschland gewartet: Firas Alshater ist Syrer und Flüchtling, Hipster und Schauspieler – und er nimmt die Flüchtlingskrise mit Humor. Seine YouTube-Clips wurden bereits Millionen Mal geklickt.

Alles begann mit einem dreiminütigen Video. Firas Alshater, kräftiger Bart, kräftiger Bauch, die Augen verbunden, steht darin auf dem Alexanderplatz mitten in Berlin, neben sich ein Schild: „Ich bin syrischer Flüchtling. Ich vertraue dir – vertraust du mir? Umarme mich!“ Kurz darauf kürte das Time Magazine Alshater zum „Next Generation Leader“, Alshaters Webserie Zukar, die sich aus dem Clip entwickelte, ging Anfang September 2016 in die zweite Staffel, im Herbst 2016 erscheint Alshaters Autobiografie „Ich komm auf Deutschland zu“ im Ullstein-Verlag.

Es ist, als hätte Deutschland nur darauf gewartet: Ein Syrer, der die Flüchtlingskrise mit Humor nimmt und den Arabern die Deutschen und den Deutschen die Araber erklärt. Zweieinhalb Millionen Mal wurde das kleine Experiment des 26-Jährigen auf Facebook und YouTube angeschaut. Die Kommentare darunter sind überwiegend positiv, einige lauten sogar in etwa „Ich hab ja eigentlich was gegen Flüchtlinge, aber du bist echt cool“.

Wer ist dieser Mann, der es schafft, die „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber...“-Rhetorik in ihr Gegenteil zu verkehren? Mit seinen Piercings und den Hosenträgern sieht Firas Alshater aus wie ein Berliner Hipster. In Kombination mit dem schwarzen Vollbart und dem starken arabischen Akzent ist seine Marke aber eine Mischung, die in keine Schublade passt.

Alshater studierte in Damaskus Schauspiel, als der Arabische Frühling begann. Weil er gegen das Regime von Baschar al-Assad demonstrierte, flog er von der Uni. Er kaufte sich eine Kamera. Alshater wollte der Welt zeigen, was in seiner Heimat geschah. Assads Geheimdienst verschleppte und folterte ihn. Nach neun Monaten fand ihn seine Familie und konnte ihn freikaufen. Später geriet er in die Fänge von islamistischen Kämpfern, die ihn verdächtigten, für das Regime zu filmen. Für ein Filmprojekt reiste Alshater im Jahr 2013 nach Deutschland – und beschloss, nicht zurückzukehren. Er beantragte Asyl. „Ich will nicht an die Vergangenheit denken, sondern Menschen zum Lachen bringen“, sagt er heute.

Das gelingt ihm immer wieder. In seinen Videos sitzt er auf einem Sofa und plaudert in ziemlich gutem Deutsch in die Kamera. Er lacht über komplizierte Wörter wie „erhöhtes Beförderungsentgelt“ und macht sich auf die Suche nach den Wurzeln des Osterfestes. In einem „Kurs gegen Berührungsängste“ fordert er sächselnde Schauspieler auf, erst ein syrisches Baby anzufassen und dann ihn zu umarmen.

Alshaters Humor gefällt vor allem den Menschen, die unter der Verbissenheit der Flüchtlingsdebatte leiden – nach Ansicht von Alshater tun das die meisten Deutschen. Sie seien außerdem zurückhaltend, gingen nicht so schnell auf Fremde zu, findet er. Bei seinem kleinen Experiment auf dem Alexanderplatz stand er ziemlich lange allein da. Doch siehe da: Am Ende des Videos umarmen Passanten den syrischen Flüchtling mit den ausgebreiteten Armen wie verrückt. „Wenn die Deutschen etwas machen, dann machen sie es richtig“, sagt Alshater. Deshalb, glaubt er, wird auch die Integration der Flüchtlinge in die deutsche Gesellschaft gelingen. Bei ihm selbst ist sie schon geglückt: Er hat Angebote aus dem Ausland abgelehnt, etwa von der britischen BBC, und studiert stattdessen Film in Potsdam. Firas Alshater will in dem Land arbeiten, in dem er lebt – und das nach dem Verlust der alten zu seiner neuen Heimat geworden ist. ▪

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