Hindu-Tempel eröffnet: Ein Stück Indien in Berlin
So bunt wie die deutsche Hauptstadt: Nach 20 Jahren Bauzeit eröffnet der Sri Ganesha Tempel mit einer feierlichen Weihe.
Trommeln und Zimbeln erklingen, bunte Blüten werden als Opfergaben abgelegt, der süßlich-schwere Geruch von Räucherstäbchen liegt in der Luft – und die Menschen im Berliner Stadtteil Neukölln feiern ausgelassen. Nach gut 20 Jahren Bauzeit wurde der Sri Ganesha Tempel im Volkspark Hasenheide eingeweiht – der größte Hindutempel Deutschlands und einer der größten Europas. Zu den fünftägigen Eröffnungsfeierlichkeiten reisten mehrere Tausend Gläubige und Schaulustige an, führten Rituale aus, bestaunten das farbenprächtige Kunsthandwerk indischer Meister und ließen sich vom Begleitprogramm mit Musik und traditionellem Tanz in den Bann ziehen.
Wir hätten nie gedacht, dass wir in Deutschland so etwas erleben würden
So auch Viraj, Masterstudent aus dem fast 600 Kilometer entfernten Darmstadt. Der Inder und seine Freunde verbrachten die ganze Nacht auf der Autobahn, um am Sonntagmorgen die Tempelweihe in Berlin miterleben zu können. Hierbei nutzte ein Hindupriester einen Kran und eine Hebebühne, um zur Spitze des fast 18 Meter hohen Tempelturms zu gelangen und übergoss diese mit Wasser aus der Berliner Spree und Indiens heiligstem Fluss, dem Ganges. „Es war großartig“, sagt Viraj. „Wir hätten nie gedacht, dass wir in Deutschland so etwas erleben würden. Ich fühle mich gesegnet, heute hier zu sein.“
Wenige Meter neben dem Studenten beendet Besucherin Anna gerade ein Videotelefonat. „Ich war schon einmal hier, als der Tempel noch eine Baustelle war“, erzählt die Österreicherin mit den blau gefärbten Haaren. „Jetzt wollte ich mir die Eröffnung nicht entgehen lassen. Ich habe direkt meinen Vater angerufen, der auch einen Bezug zu Indien hat. Trotz der Distanz konnten wir so gemeinsam erleben, wie das Wasser ausgeschüttet wurde und dabei die Sonne die Spitze des Tempels angestrahlt hat. Es war wirklich sehr schön.“
Authentische Rituale
Auch Ram Kumar und seine Frau Akshaya sind ergriffen. Die mehrtägigen Rituale wirkten authentisch, sind sich die beiden einig. Durch den Tempel fühle sich Berlin für sie, die vor einigen Jahren als indische Fachkräfte nach Deutschland gekommen sind, ein Stück weit wie zuhause an. Besonders positiv findet das Paar, dass Menschen aus allen Teilen Indiens hier zusammenkommen und im Tempel miteinander beten. Den Höhepunkt der Tempelweihe begehen sie mit Freunden aus ganz Berlin. „Wir alle haben jahrelang auf diesen Moment gewartet“, freut sich Ram Kumar. „Das ist eine große Sache.“
So groß, dass Vilwanathan Krishnamurthy auf der kleinen Bühne vor dem Tempel glatt die Stimme versagt. Dieser Tage hat der 73-jährige Initiator des Projekts unablässig Interviews gegeben, rund 400 freiwillige Helferinnen und Helfer koordiniert und gemeinsam mit zehn Hindupriestern, die speziell zu diesem Zweck aus Indien angereist sind, über Tage komplexe Rituale ausgeführt. Jetzt ist er heiser, lässt sich davon jedoch die gute Laune nicht verderben. Energisch schüttelt er dem indischen Botschafter Ajit Vinayak Gupte und weiteren Würdenträgern die Hand, lächelt gelöst.
Ein Tempel für alle
Über die Jahre hätten sich sehr viele Menschen für den Tempel eingesetzt, so Vilwanathan Krishnamurthy. Heute wolle er ihnen allen danken – insbesondere dem ehemaligen Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, der 2005 dem Bau zustimmte und zum Festtag seine herzlichsten Glückwünsche ausrichten ließ. Verzögert hatten sich die Bauarbeiten durch langwierige Genehmigungsprozesse, Materialengpässe und die ausschließliche Finanzierung durch Spenden. In den vergangenen Jahren jedoch stieg das Spendenaufkommen: Die indische Gemeinschaft Berlins wuchs stark an auf inzwischen mehr als 40.000 Personen, die meisten von ihnen hinduistischen Glaubens. So konnte der Tempel schließlich ganz im Sinne des Gottes fertiggestellt werden, dem er geweiht ist: Der elefantenköpfige Ganesha steht für Weisheit und Neuanfänge – und das erfolgreiche Beseitigen von Hindernissen.
Der Tempel steht Menschen aller Konfessionen offen. Interessierte können ihn täglich zu den Öffnungszeiten besuchen.
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