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Warum Deutschland für Indien so interessant ist

Digitalisierung, Elektronik, grüne Energie: Indische Unternehmen investieren verstärkt in Deutschland. Warum dieser Trend weiter zunehmen wird.

AutorinMiriam Hoffmeyer, 23.02.2026
Zwei Männer arbeiten in einer Autofertigungsfabrik.
Deutschlands Technologie ist attraktiv für indische Investoren. © AdobeStock

In Hoym in Sachsen-Anhalt ist LMG Manufacturing ein wichtiger Arbeitgeber. 2023 investierte der indische Automobilzulieferer Jaya Hind Industries, dem das Unternehmen gehört, 50 Millionen Euro in eine neue Produktionshalle zur Fertigung von Leichtbauteilen für Elektroautos. Dadurch entstanden 120 neue Arbeitsplätze – eine hohe Zahl für den kleinen Ort im strukturschwachen Harzvorland. 

Hoym ist ein Beispiel für einen Trend: Bundesweit gibt es fast 900 indische Unternehmen, die insgesamt mehr als 38.000 Mitarbeitende beschäftigen. „Seit einigen Jahren beobachten wir einen stetigen Anstieg indischer Investitionen in Deutschland“, sagt Seema Bhardwaj, die bei der Außenwirtschaftsagentur des Bundes, Germany Trade & Invest (GTAI), für die Anwerbung indischer Investoren zuständig ist. Zwischen 2019 und 2024 gab es fast 160 Projekte zu Direktinvestitionen, mit denen indische Firmen Standorte in Deutschland aufbauten oder erweiterten. Investitionen in Fusionen und Übernahmen sind hierbei nicht mitgezählt. 

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Strategische Investitionen steigen

Mehrere Faktoren haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Ab Mitte der 2010er Jahre lockerte die indische Regierung die Beschränkungen für Direktinvestitionen im Ausland. Und infolge der Corona-Pandemie gewann Indien an Bedeutung für deutsche Unternehmen, die ihre Lieferketten diversifizieren wollten – was im Gegenzug das Interesse der indischen Wirtschaft an Deutschland verstärkte. Zudem hätten sich mit der wachsenden internationalen Erfahrung indischer Investoren deren Ziele verändert, erläutert Bhardwaj: „Frühere indische Investitionen in Deutschland konzentrierten sich auf den Kauf angeschlagener Unternehmen, wobei eine erfolgreiche Sanierung aber oft nicht gelang. Heute richten indische Firmen ihre Investitionen zunehmend strategisch und langfristig aus.“ 

Deutschland bietet Zugang zu einem großen Absatzmarkt und technologischer Exzellenz.
Seema Bhardwaj, Germany Trade & Invest

Gut zwei Fünftel der indischen Direktinvestitionen in Deutschland fließen in den Digitalisierungssektor. Große IT-Dienstleister wie Wipro oder TCS, eine Tochter des Tata-Konzerns, unterhalten seit vielen Jahren Niederlassungen in Deutschland und sind Partner deutscher Konzerne bei deren digitaler Transformation. Auf dem zweiten Platz folgt der Sektor Elektronik und Automatisierung. „Forschung und Entwicklung in Zusammenarbeit mit deutschen Partnern spielt für indische Unternehmen eine immer größere Rolle“, sagt Seema Bhardwaj. Großes Potenzial habe auch der Bereich erneuerbare Energien. So investierte Reliance New Energy Solar Limited (RNESL), eine Tochtergesellschaft des größten indischen Konzerns Reliance Industries, 2021 rund 25 Millionen Euro in die Freiburger NextWafe GmbH. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung hocheffizienter „grüner Solarwafer“ im industriellen Maßstab – also von dünnen Scheiben aus kristallinem Silizium, die als Ausgangsmaterial für Solarzellen dienen.

Auf einem ganz anderen Feld ist BorderPlus aktiv: Der Personaldienstleister und E-Learning-Anbieter übernahm 2025 für knapp zehn Millionen Euro ein Düsseldorfer Unternehmen. Durch die Ausbildung und Vermittlung indischer Fachkräfte nach Deutschland leistet BorderPlus einen Beitrag dazu, den Personalmangel im Gesundheitsbereich zu lindern.

Seema Bhardwaj
Seema Bhardwaj © GTAI-Bundesfoto Voelkner

„Made in Germany“ genießt in Indien hohes Ansehen

Aus mehreren Gründen sei die Bundesrepublik für indische Investoren hochattraktiv, sagt Seema Bhardwaj: „Deutschland bietet Zugang zu einem großen Absatzmarkt und technologischer Exzellenz, außerdem genießt das Siegel ‚made in Germany‘ in Indien sehr hohes Ansehen.“ Ein weiterer Faktor sei die zentrale Lage in Europa. „Eine sehr große Rolle, gerade vor dem Hintergrund der aktuellen US-Handelspolitik, spielt auch die Stabilität und Verlässlichkeit des Standorts Deutschland.“ 

Die Wirtschaftskraft beider Länder ist etwa gleich groß, wobei sich die indische Wirtschaft weit dynamischer entwickelt: 2025 wuchs sie um 6,5 bis 7 Prozent. Allein deshalb ist so gut wie sicher, dass die indischen Investitionen in Deutschland weiter steigen. Einen wesentlichen Beitrag dazu dürfte auch das neue Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU leisten. Je stärker sich deutsche Unternehmen in Indien engagierten, desto attraktiver werde Deutschland als Innovationsstandort und als Startpunkt für den Eintritt in den europäischen Markt, sagt Seema Bhardwaj: „Wir sehen, dass das Interesse nicht nur bei großen indischen Unternehmen wächst, sondern auch im Mittelstand, an den sich unser Beratungsangebot vorrangig richtet. In vielen Branchen ist derzeit sehr viel in Bewegung.“