ASEAN stärken: „Herzklappe der Weltwirtschaft“
lm Vertrauen auf eine regelbasierte Weltordnung nimmt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) den ASEAN-Staatenbund in den Fokus.
Der Elefant ist im Raum – und er bahnt sich seinen Weg in einer Welt aus den Fugen. „Es ist Zeit, die Elefanten im Raum zu benennen“, fordert das aktuelle Teaser-Video der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) die Zuschauenden auf. Auch der Titel des Munich Security Report, den die MSC jährlich als Analyse der internationalen Politik vorlegt, ist bewusst alarmierend formuliert: „Under Destruction“, also soviel wie „mit der Abrissbirne“. Gemeint ist der Angriff auf die aktuelle Weltordnung unter anderem durch eine protektionistische US-Politik, chinesische Machtprojektionen und die Erosion multilateraler Institutionen.
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Einverständniserklärung öffnen„Wir erleben derzeit nicht nur eine weitere Phase der Anpassung der internationalen Ordnung, sondern zentrale Annahmen dieser Ordnung werden aktiv infrage gestellt und in Teilen systemisch abgebaut“, erläuterte Tobias Bunde, Director of Research and Policy der MSC, bei der Vorstellung des Reports im Februar 2026. Der Bericht hat Gewicht – er hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der wichtigsten Studien zur Lage der Weltpolitik entwickelt.
Für zahlreiche Staaten und internationale Institutionen besteht die Antwort auf die „Politik der Abrissbirne“ darin, in eigene Machtressourcen zu investieren und engere Kooperationen zu suchen. Auch Deutschland versucht sich sicherheitspolitisch zu behaupten und neu zu positionieren – und den freien Welthandel zu verteidigen, von dem ein großer Teil seines Wohlstands abhängt. Bündnisse in Europa, aber auch im Indopazifik gewinnen hier an Bedeutung.
Deutschlands Außenminister auf Südostasien-Reise
Kürzlich reiste Deutschlands Außenminister Johann Wadephul daher erneut in die Asien-Pazifik-Region, um Allianzen zu bekräftigen und Deutschland als Partner zu präsentieren. „Wir leben in einer Zeit, in der alte Gewissheiten, auf denen unser Wohlstand und unsere Sicherheit jahrzehntelang ruhten, bröckeln“, sagte er zu Beginn der Reise. Bei Gesprächen in Singapur, Neuseeland, Tonga, Australien und Brunei ginge es darum, den Handel mit der Region auszuweiten, um ökonomisch unabhängiger von den USA zu werden: „Wir treten gemeinsam ein für klare Regeln im internationalen Miteinander, wenn diese unter Druck geraten – in Europa wie im Indopazifik.“ Wadephul machte damit deutlich: was im Indopazifik geschieht, hat Auswirkungen auf Deutschland und Europa – und umgekehrt. Bereits vor zehn Jahren schlossen Deutschland und die Vereinigung Südostasiatischer Nationen, kurz ASEAN, eine Entwicklungspartnerschaft.
ASEAN hat sich kontinuierlich in Richtung Stabilität und Verständigung entwickelt.
ASEAN, der 1967 gegründete Zusammenschluss von mittlerweile elf Staaten in Südostasien, steht für Deutschland seit vielen Jahren im Fokus. „ASEAN und die EU sind Organisationen, die eine regelbasierte Ordnung weiterhin aufrechterhalten“, sagt Michael Weiss, Projektleiter bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). „Der Staatenbund wird wirtschaftlich attraktiver. Er hat sich kontinuierlich in Richtung Stabilität und Verständigung entwickelt und weitere Mitglieder wie Timor-Leste aufgenommen.“ Mit der Unterstützung des ASEAN-Sekretariats stärke Deutschland eine Organisation für rund 670 Millionen Menschen.
Für Deutschland wiederum sind sichere Handelswege und verlässliche politische Partnerschaften wichtig. „Die Schifffahrtsrouten in Südostasien sind die Herzklappe der Weltwirtschaft“, sagt Weiss. Die GIZ führt viele Projekte in der Region im Auftrag der Bundesregierung durch, um den Staatenbund institutionell zu unterstützen; sie ist seit mehr als einem halben Jahrhundert mit Landes- und Projektbüros in der Region präsent.
Verlässliche Infos in Zeiten von Fake News
„In den vergangenen zehn Jahren haben sich ASEAN, das Sekretariat und seine Unterorganisationen professionell weiterentwickelt“, sagt Weiss. „Der Zusammenschluss ist zu einem festen Begriff in Südostasien geworden.“ Seit seiner Gründung arbeitet ASEAN zudem an einer eigenen „ASEAN-Identität“. Allerdings nähmen viele Bürgerinnen und Bürger die Integration des Staatenbundes kaum wahr – und das bremst Reformen. Deshalb hat das sechsköpfige GIZ-Team um Michael Weiss am ASEAN-Sekretariat Plattformen aufgebaut, um Integrationsprozesse in allen elf Mitgliedstaaten zu stärken. So zielt das ASEAN-Media-Forum 2026 auf den Philippinen beispielsweise darauf ab, Verlage, Medienhäuser, kleinere Redaktionen und Selbstständige zusammenzubringen, um in Zeiten von Fake News verlässliche Informationsflüsse zu fördern. Darüber hinaus unterstützte die GIZ das Sekretariat bei der Entwicklung strategischer Kommunikationspläne und der institutionellen Stärkung im Katastrophenschutz.
Auch solche kleinen Projekte machen ASEAN stabiler. Denn ihre Mitglieder müssen zugleich mit internen Konflikten umgehen. So hatte der aktuelle Grenzstreit zwischen Kambodscha und Thailand Projektabläufe und die Beteiligung von Repräsentanten verändert. Doch ASEAN verfügt über Prinzipien und etablierte Mechanismen, um Konflikte beizulegen, meint Weiss. Diese müssten konsequent umgesetzt werden. Das könnte zeigen, dass institutionelle Geduld und verlässliche Regeln Stabilität in einer Welt schaffen, in der Ordnung zunehmend zur Verhandlungssache wird. Das ist ein klarer Gegenentwurf zur Politik der Abrissbirne.
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz organisiert die GIZ ein Side Panel, bei dem unter anderem die philippinische Außenministerin Ma. Theresa P. Lazaro über maritime Sicherheit spricht. Sie leitete das ASEAN-Außenministertreffen im Januar 2026 auf den Philippinen – das erste große Treffen unter philippinischem ASEAN-Vorsitz. Im GIZ-Interview erklärt der ASEAN-Generalsekretär Kao Kim Hourn den Wert der Partnerschaft zwischen Deutschland und dem Staatenbund.