Zum Hauptinhalt springen
Darstellung und Barrierefreiheit
Dark-Modus
Text vergrößern
deutschland.de in Gebärdensprache
Gruppe von Professorinnen und Professoren
Professorium des neuen Fachbereichs Islamische Theologie, links Gründungsdekan Mouhanad Khorchide, rechts Johannes Wessels, Rektor der Universität Münster © Uni MS/Peter Leßmann
Studium

Neue Fakultät: „Der Islam muss beitragen zu einem großen Wir“

An der Universität Münster eröffnete Deutschlands erste Fakultät für Islamische Theologie. Welche Ziele verfolgt der neue Fachbereich?

06.10.2026Johannes_GöbelJohannes Göbel

Deutschland hat erstmals eine eigene Fakultät für Islamische Theologie. Kurz vor Beginn des Wintersemesters 2026/27 wurde sie feierlich an der Universität Münster eröffnet. Was bedeutet diese Premiere in der deutschen Hochschullandschaft?

Was ist das Besondere an der Islamisch-Theologischen Fakultät Münster?

Studieren kann man Islamische Theologie an deutschen Universitäten bereits seit dem Wintersemester 2010/11. Nach und nach hat sich das Fach etabliert, insbesondere durch die Förderung von Zentren für Islamische Theologie durch die Bundesregierung. Aus einem dieser Zentren ist nun in Münster eine Fakultät entstanden: Damit hat die Islamische Theologie erstmals den Rang eines eigenen universitären Fachbereichs – neben der Evangelischen und Katholischen Theologie. Eine Fakultät gestaltet ihr Forschungs- und Lehrprofil eigenständig und verantwortet Promotionen und Habilitationen.

Eröffnungsfeier
Die Eröffnung der neuen Fakultät erregte über Deutschland hinaus viel Aufmerksamkeit. © Uni MS/Peter Leßmann

Anders als die Islamwissenschaft, die den Islam aus einer bekenntnisneutralen Perspektive erforscht, setzt sich die Islamische Theologie aus einer religiösen Binnenperspektive wissenschaftlich mit Glauben, Quellen und theologischen Fragen auseinander. „Der Islam ist fester Teil unserer Gesellschaft geworden“, betont Gonca Türkeli-Dehnert, Staatssekretärin in Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsministerium. Daher müsse auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam ihren festen Platz in der Hochschullandschaft haben.

Gebäude der Uni Münster
Universität Münster © picture alliance / Rupert Oberhäuser | Rupert Oberhäuser

Wer studiert Islamische Theologie – und mit welchem Ziel?

Das Studium bereitet auf wissenschaftliche Karrieren vor, qualifiziert für den islamischen Religionsunterricht und eröffnet Berufsfelder etwa in Sozialer Arbeit, Seelsorge oder muslimischen Gemeinden. Die praktische Imamausbildung gehört nicht zu den Aufgaben der Hochschulen. Details zu den Absolventinnen und Absolventen lieferte im Jahr 2022 eine Erhebung der Frankfurter Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG). Demnach zieht die Islamische Theologie besonders häufig Studierende aus nicht-akademischen Familien an, die bisher an den Hochschulen noch unterrepräsentiert sind. Von den 62 Absolventinnen und Absolventen, die Fragen zur Religionszugehörigkeit beantworteten, fühlten sich 89 Prozent dem Islam zugehörig, aber nur rund 20 Prozent einer bestimmten Gemeinde.

Lehrerin mit Schülern
Islamischer Religionsunterricht an einer Schule © picture alliance / dpa | Patrick Seeger

Welche Ziele hat die neue Islamisch-Theologische Fakultät?

„An die Fakultät werden hohe Erwartungen gestellt“, betont Gründungsdekan Professor Mouhanad Khorchide. Als erste islamisch-theologische Fakultät an einer staatlichen Hochschule in Westeuropa übernehme sie eine besondere Verantwortung: „Der Islam muss beitragen zu einem großen Wir. Einem Wir der Menschen, einem Wir der Deutschen, einem Wir der Europäerinnen und Europäer, einem Wir des Mensch-Seins.“ 

An der neuen Fakultät in Münster werden acht Professorinnen und Professoren unter anderem zur islamischen Philosophie und zum Islam in der Sozialarbeit lehren. Aktuell sind rund 450 Studierende sowohl für das Lehramt als auch in theologischen Bachelor- und Masterstudiengängen eingeschrieben.

Campus der Theologien

Die Islamisch-Theologische Fakultät ist neben der Evangelisch- und der Katholisch-Theologischen Fakultät Bestandteil des neuen „Campus der Theologien und Religionswissenschaften“, der im Frühjahr 2027 in Münster eröffnet werden soll. Der Campus soll sich zu einem Ort der Verständigung zwischen Wissenschaft, Politik und Religion, Medien, Kultur und Künsten entwickeln. Zudem soll dort eine der weltweit größten Forschungsbibliotheken zum Thema Religion entstehen.