Medizinreisen: Operation inklusive

Warum so viele arabische Patienten zur Behandlung nach Deutschland reisen.

Viele Kliniken sind auf internationale Patienten eingestellt
Viele Kliniken sind auf internationale Patienten eingestellt FatCamera/istock/Getty Images

Eine Reise nach Deutschland mit einer Herzoperation verbinden oder ein künstliches Kniegelenk einsetzen lassen? Medizinreisen boomen, denn Deutschland verfügt über ein sehr gutes Gesundheitswesen und erstklassige Ärzte. Das wissen auch viele Patientinnen und Patienten aus der arabischen Welt zu schätzen. 2017 ließen sich rund 247.500 Patienten aus 177 Ländern stationär oder ambulant in Deutschland behandeln. Ein großer Teil kommt aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Katar und Kuweit. „Rund 1,2 Milliarden Euro setzen die Kliniken jährlich mit ausländischen Kunden um“, sagt Jens Juszczak. Der Wirtschaftswissenschaftler der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ist Experte für Medizinreisen.

Wenn ausländische Patienten sich auf eigene Kosten in Deutschland behandeln lassen, zahlen sie den gleichen Satz wie Privatversicherte in Deutschland. „Im internationalen Vergleich ist Deutschland sehr günstig bei einem unheimlich hohen Standard“, erklärt Professor Wolfgang Daecke, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in Frankfurt in einem Beitrag der „Frankfurter Neuen Presse“.

Rundumservice für internationale Patienten

Viele Kliniken haben sich auf internationale Patienten eingestellt. Sie informieren auf mehrsprachigen Websites über die Behandlungsmöglichkeiten oder betreiben ein „international office“. Manche bieten sogar einen umfassenden Service von der Suche nach dem passenden Experten bis zum Visum an.

Doch nicht nur Kliniken sehen in der Behandlung arabischer Patienten einen Markt. Unternehmen haben sich auf Medizintransporte und medizinische Betreuung internationaler Patienten spezialisiert. Fluggesellschaften wie Lufthansa sind passend ausgerüstet – vom Stretcher für Passagiere, die im Liegen transportiert werden müssen bis hin zur fliegenden Intensivstation.

Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) bündelt Informationen zu Medizinreisen und einen Klinikfinder auf ihrer Website.

Klinikfinder der DZT: Fachkliniken in Deutschland

München ist das Top-Ziel arabischer Medizinreisender

Auch die Umgebung des Klinikums profitiert von den Gästen. Denn zur Behandlung reisen arabische Medizintouristen oft mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie schätzen gute Einkaufsmöglichkeiten, vielseitige Freizeitangebote, reizvolle Landschaften und erstklassige Hotels.

Deshalb ist München das beliebteste europäische Ziel. 2017 zählte die Deutsche Zentrale für Tourismus 647.164 Übernachtungen arabischer Touristen in der bayerischen Hauptstadt.

Ölpreise beeinflussen Medizinreisen

Zwar machen Medizintouristen aus den Golfstaaten in Deutschland immer noch einen großen Teil der ausländischen Patienten aus, doch seit 2016 ist ein Rückgang der Patientenzahlen zu verzeichnen. Das liegt vor allem am Ölpreis: Wenn dieser fällt, sinkt auch die Bereitschaft der Golfstaaten, die Behandlungskosten ihrer Bürger in deutschen Kliniken großzügig zu übernehmen.

Deutschland bleibt ein beliebtes Reiseziel

Trotz des Rückgangs besuchen arabische Touristen Deutschland in den Sommermonaten immer noch sehr gerne. Alleine im August 2017 verzeichnete das Statistische Bundesamt rund 450.000 Übernachtungen von Arabern aus den Golfstaaten in Deutschland. Besonders beliebt bei den arabischen Gästen sind Städtetrips. Die „Magic Cities“ München, Frankfurt am Main und Düsseldorf führen die Liste der beliebtesten Reiseziele an.

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