100. Geburtstag von Willy Brandt

Der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt hat die politische Landschaft Deutschlands so stark geprägt wie kaum ein anderer Politiker.

picture-alliance/Heinz Wieseler  -  Willy  Brandt
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Kein anderer Politiker weckte in ähnlichem Umfang Emotionen. Willy Brandt war der erste Deutsche, der nach dem Zweiten Weltkrieg 1971 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde: für seine Ostpolitik, die auf Entspannung und Ausgleich mit den osteuropäischen Staaten ausgerichtet war. Besonders im Gedächtnis geblieben ist jener Kniefall im Dezember 1970 vor dem Ehrenmal des Warschauer Ghettos, das an den niedergeschlagenen Aufstand der jüdischen Ghettobewohner erinnert. Diese Geste ging um die Welt – und gilt auch heute noch als Durchbruch für die deutsch-polnischen Beziehungen. Vor allem aber, darin sind sich viele Politikexperten einig, ist es Brandts Verdienst, viele Menschen für Politik und Demokratie begeistert zu haben – bis heute.

Zur Welt kam er in einem Arbeiterviertel im norddeutschen Lübeck am 18. Dezember 1913 als uneheliches Kind unter dem Namen Herbert Ernst Karl Frahm. Den Namen, unter dem er weltweit bekannt wurde, Willy Brandt, hatte er sich selbst als junger Mann gegeben, ein „nom de guerre“. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten floh er 1933 nach Skandinavien, denn die sozialistische Splitterpartei SAP, der er angehörte, hatte im Untergrund eine Art jugendliche Opposition gegen Hitler formiert. Von 1942 an engagierte er sich in Stockholm in einem Kreis demokratischer Sozialisten, die Friedenspläne für Europa entwickelten.

Nach dem Sieg der Alliierten kehrte Brandt nach Deutschland zurück und engagierte sich – inzwischen wieder Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) – in der Politik Westdeutschlands. Im Oktober 1957 wurde der überzeugte Politiker Regierender Bürgermeister West-Berlins und erlebte den Mauerbau des DDR-Regimes und die Teilung der Stadt. Als Vizekanzler und Außenminister der Bundesrepublik in der Großen Koalition (1966-1969) entwickelte Brandt gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Egon Bahr das Konzept einer neuen Ostpolitik „der kleinen Schritte“. Im Oktober 1969 wurde Willy Brandt als erster Sozialdemokrat zum Bundeskanzler gewählt und kündigte in seiner Regierungserklärung an, „mehr Demokratie wagen“ zu wollen. Er wagte auch mehr Entspannung mit den Staaten des Warschauer Paktes und brachte unter anderem den sogenannten Grundlagenvertrag mit der DDR auf den Weg, der vielen Bundesbürgern mit Verwandten und Freunden in der DDR erhebliche Erleichterungen verschaffte.

Im Frühjahr 1974 trat Willy Brandt zurück. Auslöser war die Enttarnung seines Referenten Günter Guillaume als DDR-Spion. In den Jahren nach seiner Kanzlerschaft war Brandt Präsident der Sozialistischen Internationalen und übernahm 1977 außerdem den Vorsitz der Nord-Süd-Kommission, die sich schon damals mit den Problemen der globalisierten Welt beschäftigte. Vor seinem Tod im Jahr 1992 durfte Willy Brandt im Herbst 1989 noch den Fall der Berliner Mauer erleben und prägte in einer bewegenden Rede den Satz: „Nun wächst zusammen, was zusammengehört“.

Am 18. Dezember 2013 wäre Willy Brandt 100 Jahre alt geworden. Seine Heimatstadt Lübeck ehrt ihn in Kooperation mit der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung und der Norwegisch-Deutschen Willy-Brandt-Stiftung mit einem Festakt.

„Festakt für Willy Brandt“ am 11. Dezember 2013 in der Hansestadt Lübeck.

100. Geburtstag von Willy Brandt am 18. Dezember 2013

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