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„Forty out of one Million“

Das Auswärtige Amt zeigt eine Fotoausstellung zu den Folgen des Syrienkrieges.
von Jeannette Goddar

Manal war zehn, als sie im Garten saß und eine Granate neben ihr einschlug; sie verlor ein Bein. Sharif, drei Jahre älter als das syrische Mädchen, erwischte eine Fassbombe vor dem Haus seiner Familie so schwer, dass er heute sieben Operationen hinter und weitere vor sich hat. Beide Kinder lebten einst im syrischen Daraa und flüchteten, nachdem sie nur knapp dem Tod entronnen, nach Jordanien. Dort wurde Manal soweit wiederhergestellt, dass sie heute die vierte Klasse einer Grundschule besuchen kann. Bei Sharif ist an eine Rückkehr in den Schulalltag noch nicht zu denken; unter anderem wird er noch auf absehbare Zeit unter Granatsplittern in seinem Kopf leiden.

Die beiden Kinder sind zwei von 40 Opfern des Bürgerkriegs in Syrien, die Kai Wiedenhöfer für sein berührendes Fotoprojekt „Forty out of one million. The human cost of the Syrian war“ porträtierte. Die Ausstellung ist bis zum 22. April 2016 im Lichthof des Auswärtigen Amts zu sehen. Der aus dem baden-württembergischen Schwenningen stammende Fotograf, der in den 1990er-Jahren selbst in Damaskus lebte, will mit den Porträts denjenigen ein Gesicht geben, die häufig vergessen werden: den Verletzten und Verwundeten; Menschen, die weder sterben noch nach Europa fliehen. Alle Menschen, die in den Jahren 2014 und 2015 vor seiner Kamera standen, lebten zu dem Zeitpunkt im Libanon und in Jordanien; mindestens eine Familie, die auch bei der Eröffnung zugegen war, allerdings heute in Berlin.

Mit seinen Porträts der „schwer verletzten, für immer gezeichneten“ Menschen werde das Grauen des Bürgerkriegs in Syrien „für uns alle sichtbar und greifbar“, erklärte Europa-Staatsminister Michael Roth bei der Eröffnung. Roth erinnerte zudem daran, dass das, was vor genau fünf Jahren „so hoffnungsfroh als Arabischer Frühling begann“, ein Konflikt geworden sei, der gebiete, „Schutzsuchende aus Kriegsgebieten willkommen zu heißen und ihnen eine sichere Zuflucht zu bieten“.

Projekte des Auswärtigen Amts in Syrien und der Region

Ein zweiter Teil der Ausstellung zeigt das Engagement des Auswärtigen Amts für die Menschen in Syrien und der Region – „politisch, humanitär, kulturell“. Vorgestellt werden ganz verschiedene Projekte; von der Nothilfe des Deutschen Roten Kreuzes bis zu dem unabhängigen „Syria Radio Network“ (Syrnet). Letzteres ist ein von der Berliner Organisation MiCT koordinierter Zusammenschluss von neun demokratiefördernden syrischen Radiostationen, die bis heute ihre Inhalte im ganzen Land verbreiten können.

Ausstellung „Forty out of one million. The human cost of the Syrian war“ bis zum 22. April 2016 im Auswärtigen Amt, Berlin.

www.auswaertiges-amt.de

© www.deutschland.de

von Jeannette Goddar

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