Internationale Trauer um Altkanzler Schmidt

Politiker würdigen den gestorbenen Altkanzler als bedeutende Persönlichkeit und «großen Europäer».

dpa/Marcus Brandt - Helmut Schmidt

Berlin (dpa) - Am Tag nach dem Tod des deutschen Altkanzlers Helmut Schmidt haben ihn führende deutsche und europäische Politiker als eine der prägendsten Persönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte gewürdigt. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel trugen sich am Mittwoch in Berlin in ein Kondolenzbuch ein und brachten damit ihre Trauer zum Ausdruck.

Vor einem Ölbild des Altkanzlers schrieb auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier einige Zeilen in das im Kanzleramt ausgelegte schwarze Buch. Im Rathaus von Schmidts Heimatstadt Hamburg liegt ebenfalls ein Kondolenzbuch zu Ehren des Politikers aus, der am Dienstag im Alter von 96 Jahren im Kreis seiner Familie gestorben war.

Gauck würdigte Schmidt als «einen der bedeutendsten deutschen Politiker der Nachkriegszeit». Merkel sagte: «Er war auch für mich eine Instanz, dessen Rat und Urteil mir etwas bedeuteten.» Steinmeier erklärte: «Das jetzt ist eine Stunde, in der Deutschland innehält.»

Der deutsche Vizekanzler und Chef der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), Sigmar Gabriel, sagte, die Sozialdemokratie trauere um einen Menschen, der weit über die SPD hinaus als jemand im Gedächtnis bleibe, der mit Zuversicht, Realismus und Tatkraft «unser Land gestaltet hat».

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nannte Schmidt einen «Freund, der mir, ebenso wie Europa, fehlen wird». Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem «großen Europäer». Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete den Gestorbenen als «herausragende Persönlichkeit Nachkriegsdeutschlands für die europäische und globale Politik».

Der tschechische Ministerpräsident Bohuslav Sobotka würdigte Schmidt als eine «Legende der Sozialdemokratie» und «wirklichen Staatsmann». «Seine Einsichten und Gedanken werden uns bei der Lösung der Herausforderungen fehlen, vor denen das heutige Europa steht», so Sobotka.

Der litauische Regierungschef Algirdas Butkevicius nannte Schmidt einen «langjährigen Kämpfer für die Demokratie in Europa und der ganzen Welt». Er sei ein «weiser Politiker und hervorragender Diplomat» gewesen, schrieb der Sozialdemokrat in einem am Mittwoch veröffentlichten Kondolenzschreiben. Auch Präsidentin Dalia Grybauskaite würdigte den Altkanzler und sein Engagement für eine stärkere Zusammenarbeit in Europa. Damit habe der SPD-Politiker zur Schaffung eines vereinten Europas beigetragen, hieß es in einer in Vilnius verbreiteten Mitteilung.

Schmidt war von 1974 bis 1982 als Nachfolger von Willy Brandt Bundeskanzler. Zu den größten Herausforderungen in seiner Kanzlerzeit gehörten die Ölkrise in den 70er Jahren und der Kampf gegen den Terrorismus der Roten Armee Fraktion (RAF). In der Großen Koalition führte er von 1967 bis 1969 die SPD-Bundestagsfraktion und war danach Verteidigungs- und Finanzminister. Nach einem Bericht der Zeitung «Die Welt» soll der weltweit geachtete Sozialdemokrat in zwei bis drei Wochen bei einem Staatsakt in Hamburg gewürdigt werden.

Quelle: dpa; Übersetzung: FSM