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Forschung für den Frieden

Deutschland fördert den Aufbau eines Friedensinstituts in Bogotá. Es wird Kolumbien in der Übergangszeit mit Forschung und Beratung begleiten.
von Thomas Wagner

Beifall, Tränen und laute Rufe: „Es geht doch!“. Die rund 1.000 Gäste im Teatro Colón im Zentrum Bogotás waren tief bewegt. Präsident Juan Manuel Santos und der Anführer der FARC-Guerilla, Rodrigo Londoño Echeverri, hatten nach vierjährigen Verhandlungen ihre Unterschrift unter einen Friedensvertrag gesetzt. Das Abkommen war überarbeitet worden, nachdem die erste Version in einer Volksabstimmung abgelehnt wurde. Für viele Kolumbianer ging mit der feierlichen Unterzeichnung am 24. November 2016 ein Traum in Erfüllung. Die größte Rebellenorganisation des Landes legt ihre Waffen nieder.

Kolumbien ist nach mehr als 50 Jahren des bewaffneten Konflikts dem Frieden ein großes Stück näher gekommen. Doch das Land steht weiter vor enormen Herausforderungen, betont Camilo Borrero, Professor für Rechtswissenschaften an der Universidad Nacional in Bogotá. „Für die Umsetzung des Abkommens sind zehn Jahre vorgesehen. Doch die ersten zwei Jahre sind entscheidend, um in zentralen Punkten wie einer gerechteren Landverteilung und ländlicher Entwicklung voranzukommen.“

Je fünf Universitäten aus beiden Ländern

Deutschland als wichtiger Partner unterstützt Kolumbien auf seinem Weg Richtung Frieden. Das Auswärtige Amt fördert über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) den Aufbau eines Deutsch-Kolumbianischen Friedeninstituts (DFKI). Zunächst zehn Universitäten, je fünf aus beiden Ländern, werden dabei zusammenarbeiten.

Das Institut hat drei Aufgaben: zum einen die Friedens- und Konfliktforschung mit Schwerpunkten auf Sozial- und Rechtswissenschaft. Hinzu kommen binationale Programme für Masterstudierende und Doktoranden. Drittens wird das Institut jene beraten, die das Abkommen mit der FARC in konkrete Politik umsetzen.

Auf deutscher Seite gestaltet ein Konsortium unter Federführung der Justus-Liebig-Universität Gießen den Aufbau des Instituts. Die fünf kolumbianischen Partnerhochschulen arbeiten bereits seit zwei Jahren in einer „Allianz für den Frieden“ zusammen, koordiniert von der Universidad Nacional.

Den Blick auf die Regionen richten

„Solch ein Institut existiert bisher nicht in Kolumbien“, betont auch Tom Koenigs, der Beauftragte des deutschen Außenministers für den Friedensprozess, dessen Bedeutung. Umso wichtiger sei, dass es rasch seine Arbeit aufnehme. Voraussichtlich bis Mitte 2017 soll das geschehen. Die deutschen Forscher könnten ihre kolumbianischen Kollegen unter anderem mit ihrem Wissen zur Übergangsjustiz unterstützen, sagt Koenigs. Umgekehrt kann sich auch Deutschland bei Kolumbien einiges abschauen. „Dieses Beispiel langwieriger, erfolgreicher Verhandlungen ist besonders wertvoll in einer Zeit, in der wir es mit vielen sich verstärkenden Krisen oder ‚frozen conflicts‘ zu tun haben“, hebt DAAD-Vizepräsident Joybrato Mukherjee hervor.

Rechtsprofessor Borrero, der Struktur und Programm der binationalen Forschungs- und Beratungseinrichtung mit entwickelt, ist sicher: „Das Abkommen zwischen Regierung und FARC steht und fällt in den Regionen.“ Geplant sei darum, in fünf besonders stark vom Konflikt betroffenen Gegenden aktiv zu werden, beispielsweise mit Master- und Doktorprogrammen oder mit Workshops.

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von Thomas Wagner

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