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Forschen für den Frieden

Was kann die Wissenschaft für den Frieden tun? Ein Experte spricht über aktuelle Konflikte und neue Studienmöglichkeiten.

05.02.2018
Peace-Zeichen aus Holzklötzen: Frieden muss erarbeitet werden.
Peace-Zeichen aus Holzklötzen: Frieden muss erarbeitet werden. © dpa

Deutschland. „Die Politik sucht nach Antworten“ – Ulrich Schneckener, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Stiftung Friedensforschung, erklärt, was seine Wissenschaft bewirken kann.

Herr Professor Schneckener, ist Friedensforschung aktuell besonders gefragt?

Das kann man so sagen. Der „Krieg gegen den Terror“, der als Antwort auf die Anschläge des 11. September 2001 ausgerufen wurde, hat sich als ein falsches sicherheitspolitisches Paradigma erwiesen. Es hat zu noch mehr Gewalt, Krieg und dem vielfachen Verlust innerstaatlicher und internationaler Ordnung geführt. Nun fragen Politik und Gesellschaft verstärkt die Friedens- und Konfliktforschung nach Alternativen.

Frieden muss vor allem von der Gesellschaft eines Landes erstritten und erarbeitet werden.
Friedensforscher Ulrich Schneckener

Welche Themen stehen im Fokus?

Die Vorstellung, dass sich Nachkriegsgesellschaften durch internationale Intervention vergleichsweise leicht in marktwirtschaftliche Demokratien überführen lassen, ist illusionär. Frieden muss vor allem von der Gesellschaft des betroffenen Landes erstritten und erarbeitet werden. Aus der deutschen Friedensforschung gibt es zum Beispiel viele Beiträge zu Peacebuilding und ziviler Konfliktbearbeitung – ein Konzept zwischen Konfliktmanagement und Konfliktlösung.

Ulrich Schneckener: „Es sind praxisnahe Einrichtungen entstanden.“
Ulrich Schneckener: „Es sind praxisnahe Einrichtungen entstanden.“ © krischerfotografie

Gelingt der Transfer von der Wissenschaft in politisches Handeln?

Gerade im Bereich der Konfliktbearbeitung hat sich zuletzt viel getan, von Prävention und Vermittlung bis zur Stärkung von Zivilgesellschaften. Es sind praxisnahe Einrichtungen entstanden, zum Beispiel das Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF). Das Auswärtige Amt hat als Ergebnis des Prozesses „Review 2014 – Außenpolitik weiter denken“ die Abteilung „Krisenprävention, Stabilisierung, Konfliktnachsorge und Humanitäre Hilfe“ geschaffen – alles Begriffe, die in der Friedens- und Konfliktforschung entwickelt wurden. Die Politik sucht zudem nach Antworten, wie sich innergesellschaftlicher Frieden bewahren lässt. Schließlich sind die Auswirkungen von regionalen Kriegen längst bei uns angekommen. Die „Terrorangst“ und die Sorge um die Integration von Flüchtlingen polarisieren auch in Deutschland und stellen den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Frage.

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Wo kann man in Deutschland Friedensforschung studieren?

In den vergangenen Jahren sind mehrere, auch englischsprachige Masterstudiengänge, Lehrstühle und Institute zur Friedens- und Konfliktforschung entstanden. In viel stärkerem Maße als noch vor zehn Jahren bilden die deutsche Hochschulen Experten aus, die ihr Wissen in praktischer Friedensarbeit anwenden, etwa in internationalen Organisationen, staatlichen Institutionen oder Nichtregierungsorganisationen. Eine Besonderheit Deutschlands sind die außeruniversitären Forschungseinrichtungen, wie die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), das Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH) oder das Bonn International Center for Conversion (BICC). Es gibt sehr viel wissenschaftliches Potenzial, auch mit Blick auf die Vermittlung in Politik und Gesellschaft.

Interview: Johannes Göbel

© www.deutschland.de