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Unterstützung aus dem deutschen Exil

Iranerinnen und Iraner in Deutschland zeigen ihre Solidarität mit den Protesten, appellieren an die deutsche Politik und diskutieren mögliche Perspektiven. 

Ralf Isermann , 19.01.2026
Portrait des deutsch-iranischen Schriftstellers Navid Kermani
Der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani unterstützt die Proteste. © picture alliance / Ulrich Baumgarten

Seit Ende 2025 sind in Iran Tausende Menschen gegen das Mullah-Regime auf die Straße gegangen. Inzwischen ist die Protestwelle weitgehend abgeebbt, die Revolutionsgarden haben sie mit brutaler Gewalt niedergeschlagen. Hinzu kommt eine Kommunikationsblockade: Das Internet ist in großen Teilen des Landes gesperrt oder stark eingeschränkt. 

In Deutschland verfolgen Exil-Iranerinnen und -Iraner und iranischstämmige Deutsche die Ereignisse mit Hoffnung und Sorge zugleich: Sie demonstrieren Solidarität, versuchen Unterstützung zu organisieren und diskutieren über mögliche Perspektiven jenseits der Islamischen Republik. 

Solidarität und der Appell, nicht wegzusehen 

Der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani schrieb in der „Süddeutschen Zeitung“ an die Menschen in Iran: „Die Befreiung, für die kämpft Ihr schon selbst. Aber wissen sollt Ihr, wie stolz ich auf Euch bin.“ 

Viele Stimmen aus der Diaspora sind sehr persönlich. So schreibt etwa die in Köln lebende Moderatorin Negah Amiri: „Mein Traum als Kind war es immer in der Freiheit zu leben … Ich werde nie wirklich frei sein, solange andere es nicht sind.“ Frankfurts Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg mahnt, nicht wegzusehen: „Schweigen ist keine Neutralität. Es ist Komplizenschaft.“ Und die Autorin Gilda Sahebi konstatiert: „Das Regime übt eine Gewalt aus, die jede Vorstellungskraft übersteigt.“ 

Portrait des Bundestags-Vizepräsidenten Omid Nouripour.
Bundestags-Vizepräsident Omid Nouripour fordert die Einstufung der iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation. © picture alliance / Ulrich Baumgarten

Forderungen an die deutsche Politik 

Deutsche Politikerinnen und Politiker mit iranischen Wurzeln melden sich ebenfalls zu Wort. Bundestags-Vizepräsident Omid Nouripour fordert: „Das brutale Vorgehen des Mullah-Regimes braucht eine unmittelbare spürbare Antwort, es darf nicht ungeschoren davonkommen.“ Nouripour verlangt ein Verbot der Revolutionsgarden, das Einfrieren von Vermögen sowie Einreiseverbote; außerdem müsse geholfen werden, „so schnell wie möglich alle Beweise für die Verbrechen der Mullahs zu sichern, damit die Verantwortlichen später zur Rechenschaft gezogen werden können“.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Reza Asghai fordert konkrete politische Schritte „Die Iranerinnen und Iraner verdienen bei dem revolutionären Prozess, der sich in immer neuen Wellen Bahn bricht, unsere uneingeschränkte Solidarität und Unterstützung. Das beinhaltet die längst überfällige Terrorlistung der Revolutionsgarden in der EU und Sanktionsverschärfungen, überall dort, wo es noch möglich ist.“  

Der FDP-Politiker Bijan Djir-Sarai betont: „Freiheit und Demokratie sind auch unsere Werte. Die Menschen in Iran haben unsere volle Solidarität und Unterstützung verdient!“ 

Portrait der Iran-Expertin und Autorin Natalie Amiri.
Iran-Expertin und Autorin Natalie Amiri ist überzeugt, dass die große Mehrheit in Iran Demokratie möchte. © picture alliance / SZ Photo

Perspektiven für Iran: der Schah-Sohn als Hoffnungsträger?  

Neben Sanktionen geht es vielen Exil-Iranerinnen und -Iranern um die Frage, wie sich das Land nach einem möglichen Sturz des Regimes entwickeln könnte. Die Iran-Expertin und Autorin Natalie Amiri ist überzeugt, dass sich die große Mehrheit der Menschen in Iran eine Demokratie wünsche. 

Doch es gibt weiterhin auch Unterstützer des Mullah-Regimes. Die Deutsche Welle zitierte unter geändertem Namen eine in Bonn lebende Molekularmedizinerin, die mit ihrem Vater und ihrem Bruder keinen Kontakt mehr habe – weil beide das Regime befürworteten. Diese Zerrissenheit belastet offenbar viele Familien, in Iran und teils auch im Exil. 

Manche setzen ihre Hoffnung auf Reza Pahlavi, den Sohn des letzten Schahs von Persien, der als Monarch sein Land bis 1979 autoritär führte. Reza Pahlavi lebt seit Jahrzehnten im Exil in den USA. „Ich finde, dass Reza Pahlavi eine Chance verdient“, sagt Apameh „Api“ Schönauer, die 2024 den Titel Miss Germany gewann und in Teheran geboren wurde. Auch die Bodybuilderin und Influencerin Behnaz Nasrollahi Azar unterstützt den Schah-Sohn: „Auf den Straßen Irans rufen sie den Namen Reza Schah Pahlavi als Symbol für Würde, Identität und Hoffnung und fordern ihr legitimes Recht auf Freiheit, Demokratie und ein menschenwürdiges Leben.“ 

Das wiederum sehen viele anders. Der Vorsitzende des Vereins iranischer Flüchtlinge in Berlin, Hamid Nowzari, kämpfte einst gegen den Schah, den Vater von Reza Pahlavi. Den Jubel für den Sohn empfindet er als „Ausdruck völliger Hoffnungslosigkeit“ der iranischen Bevölkerung.  

Die Journalistin Maryam Mardani schrieb in einem Gastbeitrag für den „Tagesspiegel“, freiheitsliebende Demonstrierende würden bei der Forderung nach einer Rückkehr zur Monarchie erschaudern. „Sie stellen die berechtigte Frage: Kämpfen wir und vergießen wir so viel Blut, nur damit ein Diktator geht und ein anderer an seine Stelle tritt?“