Zum Hauptinhalt springen

„Nicht irgendwann. Sondern jetzt“

Matthias Brandt, Schauspieler und Sohn des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt, setzt sich für Demokratie und gegen Rechtsradikalismus ein.

Wolf ZinnWolf Zinn, 30.06.2026
Matthias Brandt
Matthias Brandt © picture alliance / photothek | Thomas Imo

Matthias Brandt gehört seit Jahrzehnten zu den renommiertesten Schauspielern Deutschlands. Neben seiner künstlerischen Karriere ist auch seine familiäre Herkunft bemerkenswert: geboren 1961 in Berlin als Sohn von Willy Brandt, dem sozialdemokratischen Widerstandskämpfer, Emigranten und späteren Bundeskanzler, und von Rut Brandt, einer Norwegerin aus der Arbeiterbewegung, die für die Exilregierung arbeitete. Willy Brandt steht bis heute für den demokratischen Neubeginn nach 1945, die Aussöhnung mit Osteuropa und die Erfahrung, dass Freiheit und Rechtsstaatlichkeit politisch erkämpft und fortwährend verteidigt werden müssen.

Willy Brandt, Vater von Matthias Brandt, war von Oktober 1969 bis Mai 1974 Bundeskanzler.
Willy Brandt, Vater von Matthias Brandt, war von Oktober 1969 bis Mai 1974 Bundeskanzler. © picture-alliance / dpa | Manfred Rehm

Am 20. Juli 2025, dem 81. Jahrestag des Attentats vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler und damit einem zentralen Gedenktag des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, hielt Matthias Brandt eine viel beachtete Rede in Berlin-Plötzensee, jenem Ort, an dem die NS-Justiz Gegner des Regimes ermordete. „Wie kann und wie soll man an einem Ort wie diesem überhaupt sprechen?“, fragte er, „wo doch alles hier nach Stille verlangt.“ Doch Schweigen, so Brandt weiter, sei keine Antwort – „nicht, was das Gestern, aber auch nicht, was das Heute und das Morgen angeht“.

Matthias Brandt am 20. Juli 2025 bei seiner Rede in Berlin-Plötzensee
Matthias Brandt am 20. Juli 2025 bei seiner Rede in Berlin-Plötzensee © picture alliance/dpa | Christophe Gateau

Aus der Vergangenheit lernen

Gerade deshalb richtet sich Brandts Blick auch auf die gegenwärtigen rechtsextremen Strömungen: „Wir erleben heute wieder – es zeigt sich auch in Wahlergebnissen – wie das Gift von Hass, Rassismus und Ausgrenzung einsickert und sich bemerkbar macht in einer Verrohung des Umgangs, nicht zuletzt sprachlicher Natur, durch Gewalt und bewusstes Kokettieren mit Sprachbildern der NS-Propaganda.“

Wir erleben heute wieder, wie das Gift von Hass, Rassismus und Ausgrenzung einsickert

Aus dieser Wahrnehmung erklärt sich Brandts Engagement gegen die Partei AfD, die der Verfassungsschutz als in Teilen gesichert rechtsextrem einstuft. Dem Magazin „Spiegel“ sagte er, man müsse die „Schlichtheit und Dämlichkeit“ des Rechtsradikalismus benennen und nimmt sich dabei seine Eltern zum Vorbild, die „bemerkenswert unängstlich“ gewesen seien. 

In der Wochenzeitung „Die Zeit“ schrieb er, dass man die AfD nicht stoppe, indem man ihre Wähler pauschal verurteile, sondern indem man ihr widerspreche – „öffentlich. Beharrlich. Ohne Angst vor ihrer Lautstärke.“ Rechte Populisten, schreibt Brandt, verteidigten „ihre Fantasie von Deutschland gegen die Wirklichkeit dieses Landes“ – gegen ein Land „aus vielen Geschichten, Herkünften und Lebensformen“. Er plädiert dafür, dass sich „jeder Einzelne stärker als bisher für den Erhalt unserer freien und demokratischen Lebensform verantwortlich fühlt. Nicht irgendwann. Sondern jetzt.“

Matthias Brandts neues Buch „Nein sagen“ ist aus der Plötzensee-Rede hervorgegangen und fragt, was der Mut des Widerstands vom 20. Juli 1944 und die Erfahrung seiner Eltern heute bedeuten. Von seiner Mutter zitiert er den Satz: „Man muss nicht laut sein, um standhaft zu sein. Es reicht, wenn man weiß, wer man ist – und auf welcher Seite man steht.“