Trendwende im Austauschjahr

Das Deutsch-Russische Jahr des Jugendaustausches 2016/2017 hat viele Jugendliche beider Länder zusammengebracht. Die große Abschlussfeier steigt in Berlin.

Marco Fieber - Youth Exchange

Wie trotz Streitfragen Dialog gelingen kann, zeigten junge Leute aus Deutschland und Russland im Deutsch-Russischen Jugendparlament. Die Debatten zum Thema Flucht und Migration verliefen zwischen den 50 Teilnehmern aus beiden Ländern durchaus hitzig, gegensätzliche Standpunkte prallten aufeinander. Am Ende gelang es dennoch, mit einer breiten Mehrheit von 46 Stimmen eine gemeinsame Resolution zum Thema zu verabschieden. Der russlanddeutsche Jura-Student Ivan Kupper aus Frankfurt am Main, der im Parlament der liberalen Fraktion angehörte, ist davon überzeugt, dass seine Gruppe sich durchsetzen konnte: „Wir haben verabschiedet, dass es für Flüchtlinge sowohl in Russland als auch in Deutschland keine Obergrenze geben soll, dass die Integration besser ausgestaltet werden sollte, und dass die Fluchtursachen effektiver bekämpft werden müssen.“ Tatjana Dawydowa, Studentin der Internationalen Beziehungen aus dem sibirischen Tjumen, vertrat in der Parlamentssimulation eher konservative Ansichten. Doch auch sie ist sich sicher: „Wir waren eine ziemlich starke Fraktion, und wohl 60 oder 70 Prozent der verabschiedeten Resolution gingen auf unsere Initiative zurück.“

Das zwölfte Deutsch-Russische Jugendparlament war eine von zahlreichen Veranstaltungen im laufenden Deutsch-Russischen Jahr des Jugendaustausches 2016/2017, das im Juni 2016 in Moskau eröffnet wurde und im Juli 2017 seinen feierlichen Abschluss in Berlin findet. Im Vorfeld des Austauschjahres hatten Medien über stark sinkende Teilnehmerzahlen im Jugendaustausch berichtet. Doch eine Trendwende zeichnet sich ab: „Der schulische Austausch hat sich stabilisiert und im Bereich des außerschulischen Austausches haben wir 15 Prozent mehr Anträge bekommen, als im Jahr zuvor“, sagt Thomas Hoffmann, Geschäftsführer der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch (DRJA) in Hamburg.

Seinen Beitrag zur Trendwende konnte möglicherweise auch ein Film leisten, den die DRJA produziert hat. Wenn es darum geht, die eigenen Kinder zum Schüleraustausch nach Russland zu schicken, müssen deutsche Lehrer immer noch häufig mit Sorgen oder Vorurteilen der Eltern kämpfen. Lehrer in Russland, dessen staatliches Fernsehen Europa nicht immer in den besten Bildern präsentiert, stehen vor ähnlichen Problemen. „Der Film zeigt, was eigentlich passiert beim Austausch und welchen Vorteil Jugendliche davon haben. Lehrer oder Organisatoren des Jugendaustauschs können den Film jetzt beim Elternabend zeigen, und das öffnet Türen“, sagt Hoffmann. Türen geöffnet habe aber in erster Linie auch die Tatsache, dass sich die Außenminister Deutschlands und Russland persönlich hinter das Jahr des Jugendaustausches gestellt haben.

Austausch auf Städtepartnerkonferenz

Sergej Lawrow und sein deutscher Amtskollege Sigmar Gabriel haben ihr Kommen auch für den Juni zugesagt, wenn im südrussischen Krasnodar die 14. Deutsch-Russische Städtepartnerkonferenz stattfinden wird. Neu im Jahr 2017: Zur Städtepartnerkonferenz soll es auch ein Jugendforum geben, um das Thema Jugend stärker als bisher auch in den zahlreichen Städtepartnerschaften zwischen Deutschland und Russland zu verankern; rund 100 Jugendliche aus verschiedenen Partnerstädten sollen teilnehmen.

Die ganze Breite des deutsch-russischen Jugendaustausches soll während der großen Abschlussveranstaltung des Austauschjahres am 14. Juli 2017 in Berlin deutlich werden. „Von deutscher wie von russischer Seite sind jeweils 125 Teilnehmende eingeladen“, erklärt Hoffmann. „Es wird in verschiedenen Berliner Stadtteilen Aktionen geben, so können sich auch diejenigen, die den Jugendaustausch noch nicht kennen, informieren.“ Fest steht bereits, dass eine Rakete in den Berliner Himmel steigen wird – die Aktion ist Resultat eines Austauschs von Physikschülern aus Deutschland und Russland. „Darüber hinaus“, so Hoffmann, „wird es auch Tanz und Theater geben und vieles mehr.“

Nach dem Abschlussfeuerwerk wird das Deutsch-Russische Jahr des Jugendaustausches zwar beendet sein, der Jugendaustausch zwischen Deutschland und Russland geht aber weiter. Thomas Hoffmann betont: „Der Jugendaustausch ist eine zentrale Verbindung nach Russland, und egal, was im politischen Rahmen passiert, diese Verbindung sollte nicht darunter leiden.“

Jugendaustausch: Neue Blicke wagen

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