„Wir können Krisen kommen sehen“
Aktiv werden, bevor die Katastrophe eintritt: Das ist die Idee der vorausschauenden humanitären Hilfe. Wie sie Menschen vor den Folgen von El Niño schützt.
Handeln, bevor die Katastrophe passiert: Das ist die Idee der vorausschauenden humanitären Hilfe. Bereits seit 2013 beschäftigt sich das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit dem Ansatz, seit 2014 ist das Auswärtige Amt als erster humanitärer Geber in dem Bereich tätig.
Stefanie Lux leitet die Programme zur vorausschauenden humanitären Hilfe des DRK und erklärt das Konzept an einem Beispiel: Wenn eine Familie durch eine Dürre Nutztiere im Wert von zwei Jahreseinkommen verliere, müsse sie anschließend über Monate hinweg unterstützt werden. „Das ist kostenintensiver, als ihr vor Eintreten der Krise die Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Tiere mit Futter und Medikamenten zu versorgen“, sagt sie.
Aktuelle Herausforderung El Niño
Vorausschauende humanitäre Hilfe nutzt die Vorhersagen von Extremereignissen. Derzeit drohen mit El Niño nicht nur stärkere Wetterextreme wie Dürren und Fluten, sondern auch die Verschärfung bereits bestehender Konflikte, beispielsweise in Mali, Sudan und Somalia. Hier kann die vorausschauende humanitäre Hilfe einen großen Unterschied machen. So zeigte sich 2023/24 bei einer durch El Niño bedingten Dürre im südlichen Afrika, dass frühzeitige Hilfe einen rund 30 Prozent höheren Wirkungsgrad hatte als Nothilfe nach Eintritt der Krise.
Quick facts
Auch in Guatemala, El Salvador und Kolumbien wird wegen El Niño eine Dürre erwartet. Neben Wassermangel bedeutet das Ernteausfälle, Mangelversorgung für Tiere und ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen. Im Sinne der vorausschauenden humanitären Hilfe werden unter anderem Wasserfilter verteilt sowie Nährstoffblöcke für Vieh oder ein spezielles Granulat, das den im Boden vorhandenen Wasservorrat so streckt, dass Pflanzen länger überleben können. „Die genauen Maßnahmen werden immer von unseren Partnern vor Ort ausgewählt und umgesetzt, wie dem Kolumbianischen Roten Kreuz“, so Stefanie Lux.
Deutschland hat bei der vorausschauenden humanitären Hilfe eine internationale Vorreiterrolle. 2025 wurden in 54 Ländern 9,6 Millionen Menschen vor Extremereignissen geschützt. Mit dem Anticipation Hub betreibt das DRK die führende Plattform für Wissensaustausch und Vernetzung zur vorausschauenden humanitären Hilfe, die mehr als 170 Partnerorganisationen zusammenbringt. (Quelle: DRK)