„In sechs Stunden abflugbereit“

Der ehrenamtliche Helfer Marc Winzen erzählt, wie das Technische Hilfswerk international Soforthilfe leistet.

THW-Experte Marc Winzen (rechts) bei einer Ausbildung in Tunesien.
THW-Experte Marc Winzen (rechts) bei einer Ausbildung in Tunesien. privat

Deutschland.  Nach Erdbeben und Flutkatastrophen sieht man oft Männer und Frauen in blauen Overalls mit den drei Buchstaben THW, die im Krisengebiet Hilfe leisten. Sie gehören zum Technischen Hilfswerk (THW). Dies ist die ehrenamtliche Einsatzorganisation des Bundes. Schnell-Einsatz-Einheiten für Bergung und Wasserversorgung im Ausland (SEEBA und SEEWA) stehen für internationale Soforthilfe bereit. 99 Prozent der THW-Helferinnen und -Helfer arbeiten ehrenamtlich – insgesamt rund 80.000 Frauen und Männer. Einer von ihnen ist der 29 Jahre alte Marc Winzen aus Montabaur.

Herr Winzen, Sie sitzen auf gepackten Koffern. Wo geht es diesmal hin?

Ich fliege für eine Woche nach Jordanien. Dort unterstützt das THW die Behörden seit Anfang 2017 beim Aufbau von ehrenamtlichen Strukturen nach dem Vorbild des THW. Kollegen des General Directorate of Jordan Civil Defense haben in Deutschland schon Grundkenntnisse zur Ausbildung von Ehrenamtlichen erworben. Jetzt geben sie diese mit unserer Unterstützung weiter.

Wie oft waren Sie schon im Auslandseinsatz?

Mein erster Auslandseinsatz war 2014 beim Hochwasser in Bosnien. 2015 half ich in Sierra Leone, Behandlungszentren und Camps für den Einsatz gegen Ebola aufzubauen. Seit 2014 war ich jedes Jahr einmal in Tunesien beim Office National de la Protection Civile. Auch dort haben wir Strukturen wie jetzt in Jordanien aufgebaut. Bemerkenswert war dort der hohe Frauenanteil an der Ausbildung.

Was muss man können, um international eingesetzt zu werden?

Entweder man bringt berufliche Expertise mit – zum Beispiel als Elektroniker. Oder man durchläuft eine umfassende Ausbildung beim THW. Das habe ich gemacht und gehöre seit 2011 der 200 Mitglieder starken Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland an. Stellt ein Land in Not ein offizielles Hilfeersuchen, muss ich innerhalb von sechs Stunden abflugbereit am Flughafen sein. Bei Erdbeben zählt jede Stunde.

Ein erheblicher Aufwand für eine ehrenamtliche Tätigkeit…

Ja, so ist es. 2017 kam ich auf über 1500 Helferstunden. Das entspricht mehr als 180 Arbeitstagen – neben meiner beruflichen Tätigkeit. Zum Glück spielt mein Arbeitgeber mit. Er erhält eine Entschädigung für den Arbeitsausfall. Man kann beim THW aber auch mit weniger Zeitaufwand mitwirken. Jede ehrenamtliche Hilfe ist willkommen.

Technisches Hilfswerk (THW)

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