Gemeinsam Erfolge ernten

Genossenschaften: Wie eine Idee aus Deutschland auch in der türkischen Landwirtschaft genutzt wird

Haselnussernte an der türkischen Schwarzmeerküste
Haselnussernte an der türkischen Schwarzmeerküste dpa

Die Genossenschaftsidee setzt auf den Dreiklang aus Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung. Seit 2016 zählt diese Idee zu Deutschlands immateriellem UNESCO-Kulturerbe, aber auch in der türkischen Landwirtschaft ist sie erfolgreich.

Was sind landwirtschaftliche Genossenschaften?

In Genossenschaften schließen sich Menschen zusammen, um unter ethischen Prinzipien wie Fairness und Solidarität gemeinsam einen Geschäftsbetrieb aufzubauen. „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, vermögen viele“, formulierte der deutsche Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888), der als einer der Väter der Genossenschaftsidee gilt. In der Landwirtschaft gibt es unter anderem Beschaffungs-, Dienstleistungs- und Verwertungsgenossenschaften, wie zum Beispiel Molkereien, die den Landwirten gehören.

Wie sind deutsche und türkische Genossenschaften entstanden?

Die von Raiffeisen in den 1860er-Jahren begründeten „Darlehenskassenvereine“ gewährten auf dem Land Kredite und beschafften für die dörfliche Gemeinschaft Saatgut, Vieh und Ackergeräte. Heute gibt es in Deutschland über 2.100 ländliche Genossenschaften, die Landwirten, Gärtnern und Winzern gehören und einen Jahresumsatz von 61,6 Milliarden Euro erwirtschaften. 2016 wurde die deutsche Genossenschaftsidee in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Auch in der Türkei ist das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen traditionsreich: Midhat Pascha, Gouverneur der Provinz Donau des Osmanischen Reiches, führte schon 1863 die ersten „Landkassen“ ein, die bald darauf im ganzen Reich entstanden. Der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) bildete in den 1960er- und 1970er-Jahren in erheblichem Umfang türkische Genossenschaftler und Landwirte aus.

Wie arbeiten deutsche und türkische Genossenschaften heute zusammen?

Die Zusammenarbeit zwischen türkischen und deutschen Genossenschaften ist nach wie vor intensiv. So stärkt zum Beispiel ein von den Landwirtschaftsministerien beider Länder unterstütztes DGRV-Projekt seit 2016 türkische Genossenschaftsverbände: Mit dem Blick auf familiäre Kleinbetriebe werden unter anderem Themen wie strategische Planung, Rechnungswesen und Produktentwicklung behandelt. Die Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit ist gelegt – auch durch das schon 2006 eröffnete DGRV-Büro im „Deutschen Haus“ in Ankara, unweit der Deutschen Botschaft.

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