Meeresmüll in der Karibik eindämmen

An den Küsten der Region steigt die Umweltbelastung durch Plastikabfall. Das Projekt PROMAR will gegensteuern.

Plastikmüll gefährdet die maritime Tier- und Pflanzenwelt.
Plastikmüll gefährdet die maritime Tier- und Pflanzenwelt. dpa

Die Karibik ist bekannt und berühmt für ihre Naturschönheit – mit traumhaften Stränden, glasklarem Wasser und einer reichen Tier- und Pflanzenwelt. Eigentlich. Denn viele Küstenabschnitte sind inzwischen von Müll übersät. Bis zu 200.000 Plastikteile finden sich auf einem Quadratkilometer. Das Projekt PROMAR (Prevention of Marine Litter in the Caribbean Sea) will das nun ändern.

Welchen Ansatz verfolgt das Projekt?

Ist Plastikmüll erst einmal ins Meer gelangt, ist es sehr schwer, die Abfälle wieder herauszufischen. Sie verteilen sich im offenen Meer, zerfallen in kleine Stücke, setzen giftige Chemikalien frei, gefährden die Meereslebewesen und gelangen in die Nahrungskette. PROMAR setzt deshalb auf Vermeidung. Der Kunststoffmüll soll gar nicht erst über Flüsse und Küstengebiete ins Meer gespült werden können. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit mit knapp fünf Millionen Euro gefördert.

Welche Länder sind beteiligt?

Drei karibische Länder sind in das Projekt einbezogen: Costa Rica, die Dominikanische Republik und Kolumbien. Der Verbrauch von Einwegplastik und anderen Kunststoffprodukten ist dort in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Doch das bisherige Abfallmanagement kann damit nicht Schritt halten. Ein zu großer Teil der anfallenden Müllmengen wird weder systematisch gesammelt noch richtig entsorgt. Oft landen die Abfälle auf provisorischen Deponien. Bei starkem Regen oder Stürmen wird der Müll in die Flüsse gespült und gelangt so ins Meer. 

Wie soll der Meeresmüll verringert werden?

Um Müll reduzieren zu können, muss zunächst ermittelt werden, um welche Mengen es sich handelt und wo er anfällt. Das gemeinnützige Berliner Unternehmen Adelphi Research betreut das Projekt. Es misst zunächst die Mengen des Plastikmülls und dokumentiert, was mit dem Abfall derzeit geschieht. Dafür werden an Ort und Stelle Monitoringsysteme aufgebaut. Die Überwachung der Wege des Mülls ist aber nur der erste Schritt. Aus den Daten, die dabei gewonnen werden, entwickelt Adelphi Lösungen, damit möglichst viel Müll wiederverwertet werden kann. „Dazu gehören etwa elektrische Müllsammelfahrzeuge sowie Sammelstellen, deren Betrieb klimaneutral erfolgt“, sagt Projektleiter Morton Hemkhaus. „Für die Stromversorgung werden vorrangig Solarmodule genutzt.“ Außerdem wollen die Projektbeteiligten das Bewusstsein für die Problematik in der Bevölkerung und bei Herstellern von Verpackungsmitteln schärfen.

Quick facts
320.000
Coffee to go-Becher

werden in Deutschland pro Stunde weggeworfen.

450
Jahre

dauert es, bis sich eine Plastikflasche im Meer aufgelöst hat.

30 %
aller Lebensmittel

aus weltweiter Produktion landen im Müll

2000
Plastikfasern

lösen sich pro Waschgang aus einem Fleece-Pulli.

42.000.000
Tonnen Elektroschrott

kommen weltweit jährlich zusammen.

Wer macht noch mit?

In den drei Ländern arbeitet das Projekt mit Partnerorganisationen zusammen – in Costa Rica mit CEGESTI, in der Dominikanischen Republik mit Parley for the Ocean und in Kolumbien mit dem Centro Nacional de Producción Más Limpia. „Darüber hinaus kooperieren wir mit Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und nationalen beziehungsweise regionalen Behörden sowie politischen Organen“, sagt Projektleiter Hemkhaus. Ziel ist es, in der Region ein Leuchtturmprojekt zu etablieren und damit Vorbild zu werden. Die Lösungsansätze, die PROMAR erarbeitet, sollen auch in anderen Ländern der Karibik und Lateinamerikas eingesetzt werden. Dazu wird das Projekt auch mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) zusammenarbeiten.

Und was ist mit Corona? Gefährdet die Pandemie das Projekt?

Das Projekt begann im Dezember 2020, also mitten in der Corona-Pandemie. „Die Situation ist natürlich eine Herausforderung“, sagt Morton Hemkhaus. „Politische Prioritäten haben sich verändert und auch Reisen sind kaum möglich.“ Dennoch soll das Projekt wie geplant laufen. „Durch unsere Partnerorganisationen sind wir in den Ländern bestens vertreten und verfügen über belastbare Netzwerke, die eine erfolgreiche Umsetzung ermöglichen.“

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