Riesige Waldbrände am Amazonas

Brasiliens Regenwälder erleben gerade eine Katastrophe. Als Folge illegaler Rodungen breiten sich riesige Waldbrände aus. Deutschland stoppt Unterstützung.

Amazonas Waldbrand
dpa

Wieviel Wald brennt am Amazonas?

Waldbrände sind im August im Amazonasbecken nichts Besonderes, auch wenn die trockene Jahreszeit erst im September kommt. Aber in diesem Jahr sind die Ausmaße gigantisch. Um 82 Prozent ist ihre Zahl gegenüber dem Vorjahr gestiegen, berichtet das brasilianische Weltrauminstitut INPE, das die Brände von Satelliten aus überwacht. Rund 71.500 Feuer wurden zwischen Januar und August festgestellt, und der trockenste und damit auch brandreichste Monat September steht erst noch bevor. Im August wurden bisher 22.000 Waldbrände festgestellt, der höchste Wert in neun Jahren. 

Warum brennen so große Flächen Regenwald?

Die INPE sieht einen eindeutigen Zusammenhang zwischen den vielen Bränden und der illegalen Rodung der Regenwälder im Amazonasgebiet. Die Brände entstehen in der trockenen Jahreszeit entweder, weil sich gezielte Brandrodungen unkontrolliert ausbreiten oder weil trockenes Holz auf den gerodeten Flächen Feuer fängt.

Was unternimmt Brasiliens Präsident Bolsonaro?

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro sieht Umweltschutz als eine überflüssige Einschränkung wirtschaftlicher Tätigkeit in den geschützten Regionen. Er will Naturschutzgebiete und Reservate der Ureinwohner trotz energischer Proteste im eigenen Land und aus der internationalen Gemeinschaft zur wirtschaftlichen Nutzung freigeben. Dabei geht es um die Gewinnung von Holz, den Abbau von Rohstoffen und die Schaffung landwirtschaftlich nutzbarer Flächen, wo vorher Regenwald war. Nach Schätzungen wird 2019 die weiterhin nach den Gesetzen illegale, aber unter Bolsonaro kaum mehr verfolgte Abholzung um etwa 45 Prozent über der des Jahres 2018 liegen. Nach massivem internationalen Druck hat Bolsonaro Einheiten der Armee zur Unterstützung der Löscharbeiten geschickt. Eine Soforthilfe der G7-Staaten in Höhe von 20 Millionen Dollar hat er als Einmischung zurückgewiesen. Mit dem Geld sollten besser die europäischen Wälder aufgeforstet werden, sagte er.

Gibt es Widerstand in Brasilien?

Bolsonaro geht rücksichtslos gegen Kritiker seines Kurses vor, gegenteilige Meinungen duldet er nicht. So wurde Anfang August der INPE-Direktor im Bundesstaat São Paulo entlassen. Er hatte Satellitenbilder veröffentlicht, die zeigen, dass im Juni mehr als 900 Quadratkilometer Regenwald den Kettensägen zum Opfer gefallen sind – nicht ganz doppelt so viel wie im Juni des Jahres 2018.

Was unternimmt Deutschland?

Die deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze hatte vor zwei Wochen angekündigt, Projektgelder in Höhe von rund 35 Millionen Euro aus der internationalen Klimaschutzinitiative ihres Ministeriums vorerst zu stoppen, solange Bolsonaro nicht gegen die Abholzung vorgehe. Auch Norwegen als größter Geldgeber stellte seine Zahlungen ein.

Wie reagiert die deutsche Öffentlichkeit?

In Deutschland wird die Entwicklung in Brasilien mit Entsetzen verfolgt. Das Thema Klimaschutz und Erderwärmung spielt in der öffentlichen Diskussion eine zentrale Rolle. In den deutschen Medien wird jeden Tag über die Situation in Brasilien berichtet, auch weil die Bevölkerung weiß, dass sämtliche Anstrengungen zur Bekämpfung der Erderwärmung sinnlos sind, wenn der Amazonas-Urwald weiterhin in dem jetzigen Tempo verschwindet. In der Bevölkerung und in fast allen politischen Parteien fehlt jedes Verständnis für die Haltung des brasilianischen Präsidenten.

deutschland.de (mit Material von dpa)