„Die Stimmung hat sich deutlich aufgehellt“
Außenhandelsexpertin Melanie Vogelbach erklärt, wie Auslandshandelskammern deutsche Unternehmen international unterstützen – und welchen Reformbedarf sie sieht.
Frau Vogelbach, wie ist derzeit die Stimmung in deutschen Unternehmen, die international aktiv sind?
Sie hat sich deutlich aufgehellt. Auch die Exporte zeigen positive Signale, besonders im Handel mit den EU-Staaten. Der Binnenmarkt bleibt Deutschlands wichtigster Absatzmarkt. Von einer nachhaltigen Erholung kann angesichts der vielen Unsicherheiten aber noch keine Rede sein.
Wie wirken sich Handelskonflikte und geopolitische Spannungen aus?
Es ist für Unternehmen aufwändiger geworden, internationale Geschäfte zu planen. Sie müssen mehr Risiken berücksichtigen, regulatorische Anforderungen erfüllen und teilweise ihre Lieferketten oder Investitionsentscheidungen neu ausrichten.
Welche Rolle übernehmen die deutschen Auslandshandelskammern in 93 Ländern?
Wer in einem neuen Markt Fuß fassen will, muss die Bedingungen vor Ort kennen. Hier liegt die Stärke der Auslandshandelskammern: Sie verfügen über gewachsene Netzwerke, kennen die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen und helfen, Chancen und Risiken einzuschätzen. Gerade für mittelständische Unternehmen ist das wichtig, da sie nicht überall eigene Niederlassungen unterhalten.
Hat sich die Arbeit der Kammern verändert?
Hinzugekommen sind neue Fragen: Wie sichern Unternehmen ihre Lieferketten ab? Wie wirken sich Zölle oder Sanktionen aus? Die Auslandshandelskammern reagieren darauf konkret, die Kammer in New York etwa bietet einen Zoll-Tracker an, mit dem Unternehmen neue US-Zölle im Blick behalten und deren Folgen einschätzen können.
Die EU hat eine Reihe von Freihandelsabkommen wie Mercosur verhandelt. Erwarten Sie davon neuen wirtschaftlichen Schwung?
Das Mercosur-Abkommen wird seit Mai 2026 vorläufig angewendet, Unternehmen können bereits erste Zollvorteile nutzen. Seither ist Deutschlands Handel mit den Mercosur-Staaten um 8,4 Prozent gestiegen. Schon die Aussicht auf das Abkommen hat das Interesse an der Region gestärkt: Zu Beginn 2026 hatten 13 Prozent der international tätigen deutschen Unternehmen bereits Schritte eingeleitet, um ihre Geschäfte in und mit den Mercosur-Staaten auszubauen. Die vollständige Ratifizierung ist wichtig für die langfristige Planungs- und Rechtssicherheit.
Wie werden deutsche Unternehmen noch wettbewerbsfähiger?
Ganz oben auf der Wunschliste der Unternehmen steht der Abbau von Bürokratie. Sie brauchen schnellere Genehmigungen, weniger Berichtspflichten und verlässliche Rahmenbedingungen.
Und was wünschen sich ausländische Unternehmen, die in Deutschland tätig sind oder sein wollen?
Hohe Energie- und Arbeitskosten, Bürokratie und Steuern belasten den Standort Deutschland. Wir brauchen daher bessere Rahmenbedingungen, um noch mehr Investitionen aus dem Ausland anzuziehen.