Chinesische E-Offensive mit deutscher Power

Wie China mit Know-how aus Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität werden will.

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In keinem anderen Land der Welt wird Elektromobilität stärker gefordert und gefördert als in China. Das hat verschiedene Gründe. Einerseits ist es den chinesischen Autobauern nicht gelungen, den Technologievorsprung westlicher Hersteller bei Autos mit Verbrennungsmotor aufzuholen. Andererseits zwingt die Luftverschmutzung die Regierung zum Handeln. Importeure und Hersteller werden mit Quoten zu größeren Investitionen gezwungen, Kunden mit Vergünstigungen gelockt. Das Ergebnis: Allein 2016 wurden 500.000 so genannte New Energy Vehicles mit Plug-In- oder Akku-Antrieb verkauft.

Darüber hinaus unterstützt die Regierung diese Entwicklung mit einem milliardenschweren Ausbau der Infrastruktur. 2017 werden weitere 800.000 Ladesäulen aufgestellt, bis 2020 sollen es knapp fünf Millionen sein. Die chinesische Society of Automotive Engineers rechnet bis zum Ende des Jahrzehnts mit fünf Millionen Elektro- und Plug-In-Fahrzeugen und erwartet für 2030 einen Marktanteil von 50 Prozent.

Kooperation mit deutschen Marken

Auf dem Weg zum Leitmarkt für Elektromobilität setzt China auf Know-how aus dem Ausland – vor allem aus Deutschland. Weder der auf etwa 400 Kilometer Reichweite ausgelegte Denza noch der vergleichbare Zinhoro wären möglich gewesen, wenn nicht Daimler und BYD sowie BMW und Brilliance gemeinsam eine Konstruktion entwickelt und eine lokale Fertigung aus dem Boden gestampft hätten. VW will 2018 nachziehen und sein erstes rein elektrisches Auto auf dem chinesischen Markt verkaufen. Bis 2020 sollen es bereits 400.000 E-Mobile pro Jahr sein, fünf Jahre später 1,5 Millionen.

Entwickler von VW, Daimler und BMW

Noch größer ist der deutsche Einfluss bei den zahlreichen Startups, mit denen die Chinesen ihrem Vorbild Elon Musk und seiner Firma Tesla nacheifern. Newcomer wie Faraday Future, Lucid Motors oder Nio wären undenkbar ohne Entwickler, Designer und Manager, die bei VW, Daimler und BMW abgeworben wurden. Wenn in ein, zwei Jahren die Future Mobility Company mit ihrem ersten Auto an den Start geht, ist das vor allem das Werk des deutschen Ingenieurs Carsten Breitfeld, der bei BMW den i8 entwickelt hat und mit einem Team nach China gezogen ist. Der ehemalige Geely-Manager Freeman Shen ist so fixiert auf Deutschland, dass er seiner Elektromarke sogar einen deutschen Namen gegeben hat: Weltmeister.

Aber die Chinesen holen nicht nur deutsche Experten und bedienen sich deutscher Zulieferer. Sie denken auch global. Keine andere Marke zeigt das besser als Nio: Die kreative Keimzelle seines elektrischen Imperiums hat Internetmilliardär William Li nicht in Shanghai oder Peking eingerichtet, sondern in München.

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