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Radland Deutschland: Von der Draisine zur Hightech-Industrie

Deutsche Fahrradmarken prägen heute Gravel-Trend, E-Cargo und Premium Bikes – mit hoher Exportquote. Was steckt dahinter? 

Wolf ZinnWolf Zinn, 27.05.2026
Mountainbiker fährt im Gebirge bergab
Viele Sportfans suchen mit Mountainbikes den Nervenkitzel bei steilen Abhängen. © Canyon

Wer heute mit einem Mountainbike über Schotter jagt oder mit einem E‑Lastenrad die Kinder zur Kita kutschiert, hat immer auch ein Stück deutsche Geschichte im Gepäck. Denn das „Ur‑Fahrrad“, die Draisine, wurde 1817 in Deutschland erfunden und gilt als Startpunkt der individuellen Zweiradmobilität. Längst ist die daraus entstandene Industrie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Deutschland. 

Karl Drais erfand 1817 eine Laufmaschine mit Zweiradprinzip, die „Draisine“ (Lithografie von 1891).
Karl Drais erfand 1817 eine Laufmaschine mit Zweiradprinzip, die „Draisine“ (Lithografie von 1891). © picture alliance / akg-images | akg-images

Deutsche Fahrradindustrie

In Deutschland rollen über 90 Millionen Fahrräder über Straßen, Radwege und Pisten, davon 17 Millionen E-Bikes. Fast 500 Hersteller und mehr als 10.000 Händler verkaufen jährlich knapp 3,8 Millionen Räder, darunter rund zwei Millionen E‑Bikes. 2025 exportierten die deutschen Fahrradhersteller fast 1,4 Millionen Fahrräder ins Ausland. Rund 200.000 Menschen sind in der deutschen Fahrradbranche beschäftigt. Der jährliche Umsatz aus dem Verkauf von Rädern und E‑Bikes liegt bei fast sechs Milliarden Euro. 

Welche Räder sind im Trend?  

Das Trekkingrad ist das beliebteste Fahrrad in Deutschland, mit einem Marktanteil von 38 Prozent. Mountainbikes liegen bei etwa 21 Prozent, wobei die meisten inzwischen mit Elektroantrieb fahren. Es folgt das Cityrad mit 14 Prozent. Stark gewachsen ist in den vergangenen Jahren die Popularität des Gravelbike – mit nun zehn Prozent Marktanteil. Gravelbikes gelten als Symbol für eine neue Lust am sportlichen „Überall-fahren“ – zwischen Straße, Waldweg und Bikepacking-Route. Lastenräder haben mit zwei Prozent noch einen geringen Anteil am Gesamtmarkt.  

Zwei Frauen und ein Mann auf Gravelbikes in der Natur.
Gravelbikes sind voll im Trend. © Rose

Mountainbikes bleiben ein Emotionsmotor, Renn- und Performance-Räder punkten im hochwertigen Segment mit immer ausgefeilterer Technik – wobei sich die Preise schnell im mittleren vierstelligen Bereich bewegen. Materialinnovationen machen Fahrräder immer leichter, stabiler, komfortabler und nachhaltiger – von der Carbon-Felge aus deutscher Manufaktur bis zum Bambusrahmen, vom robusten Aluminium-E-Bike bis zum Stahlrahmen mit 3D-gedruckten Elementen. 

Mann auf Lastenfahrrad in der Stadt mit zwei Kindern an Bord.
Auch Lastenfahrräder werden immer beliebter. © iStock | AleksandarNakic

Marken, die weltweit erfahrbar sind  

Viele deutsche Hersteller sind international erfolgreich – etwa Canyon, Rose und Cube. Sie bieten eine große Bandbreite von Einstieg bis High‑End. Bei Lastenrädern haben sich zum Beispiel Riese & Müller oder Muli einen Namen gemacht. Auch der Zubehörbereich ist weltweit sichtbar: So bezeichnet sich die Marke Ortlieb als globaler Marktführer für wasserdichte Fahrradtaschen. Marken wie Vaude, Gonso, Ryzon und Maloja sind Beispiele für spezialisierte Fahrradbekleidung.