„Partnerschaften auf Augenhöhe“

2. German-African Business Summit: Interview mit Heinz-Walter Große, Vorsitzender der Subsahara-Afrika Initiative der deutschen Wirtschaft.

dpa - Heinz-Walter Große

Herr Große, was versprechen Sie sich vom 2. German-African Business Summit (GABS) Anfang Februar 2017 in Kenia?

Der 2. German-African Business Summit sendet zuallererst von deutscher Seite ein gemeinsames Signal von Politik und Wirtschaft: Die deutsche Wirtschaft engagiert sich in Afrika und baut dieses Engagement gemeinsam mit der Politik weiter aus. In diesem Zusammenhang wollen wir auch diskutieren, wie wir mit noch besser abgestimmter Unterstützung durch die Bundesregierung und in Zusammenarbeit mit unseren Partnern aus Afrika gemeinsam mehr erreichen können, Stichworte wie Marshallplan und G20 sind hier wichtig. Zum anderen möchten wir deutschen Unternehmen dabei helfen, ein differenziertes Bild von Afrika zu gewinnen. Aus diesem Grund treffen wir uns in Nairobi auch mit jungen afrikanischen Startup-Unternehmen, die uns zeigen, wofür das neue Afrika steht. Schlussendlich wollen wir ganz konkret afrikanische und deutsche Geschäftspartner zueinander bringen, gemeinsam unternehmerisch aktiv zu werden.

Was macht Deutschland und afrikanische Länder in Bereichen wie Politik und Wirtschaft zu besonders guten Partnern?

Deutschland und Afrika ergänzen sich mit Blick auf Chancen wie Herausforderungen einer komplexer werdenden globalen Umwelt. Deutschland kann politisch wie wirtschaftlich von der Dynamik des afrikanischen Kontinents profitieren und mit seiner Technologie und seinem Wissen afrikanischen Partnern wichtige Instrumente an die Hand geben, lokale Entwicklungsherausforderungen in Chancen zu verwandeln. Gerade deutsche Unternehmen engagieren sich langfristig in Partnerschaften auf Augenhöhe mit afrikanischen Geschäftspartnern und entwickeln nicht nur Märkte, sondern auch Menschen. Dies ist besonders wichtig mit Blick auf die demographische Entwicklung des Kontinents – eine große gemeinsame Herausforderung, die wir nur durch Entwicklung des wirtschaftlichen Potenzials Afrikas chancenorientiert anpacken und gemeinsam lösen können.

Wie trägt die deutsche Wirtschaft konkret dazu bei?

Deutsche Unternehmen können die Möglichkeiten der afrikanischen Märkte nicht im Alleingang entwickeln, sondern bauen auf vertrauensvolle, die eigenen Fähigkeiten komplementierende lokale Partnerschaften. Solche Partner zu identifizieren ist eine schwierige Aufgabe. Gerade die junge afrikanische Gründerszene ist hier besonders interessant. Innovationsgetriebene afrikanische Unternehmer sind für uns wesentliche Quelle von Lernen und Innovation – nicht andersherum. Wir können dann nicht nur unsere Technologie, sondern auch unsere organisatorischen Kompetenzen und Erfahrungen beim Aufbau komplexer, international wettbewerbsfähiger Strukturen einbringen. Hier sehe ich für die Zukunft viele erfolgversprechende Ansätze – im Sinne unseres unternehmerischen Erfolgs wie auch für die Menschen Afrikas.

Was sind aus Ihrer Sicht besonders erfolgreiche Beispiele der deutsch-afrikanischen Zusammenarbeit?

Es gibt natürlich eine ganze Reihe erfolgreicher Beispiele deutsch-afrikanischer Zusammenarbeit, die wir auch im Rahmen des GABS diskutieren werden. Persönlich kann ich am besten auf das Engagement von B. Braun auf dem Kontinent verweisen. B. Braun exportiert seit mehr als 60 Jahren Medizinprodukte in alle Länder Afrikas. Zudem haben wir heute Tochtergesellschaften in Südafrika und Kenia. Ein Erfolg im Jahr 2016 war zum Beispiel die Akquisition zweier Produktionsstätten für Händedesinfektionsmittel und Infusionslösungen in Südafrika. Hier spielt das Thema „Sharing Expertise“ eine wichtige Rolle, denn der Aufbau und die Weiterentwicklung einer Produktion unterstützt auch immer mit Wissen und technischer Expertise die Mitarbeiter in Südafrika. Ein weiteres Erfolgsbeispiel ist unser Provider- und Produktgeschäft im Bereich der Dialyse. Hier wurden durch uns und unsere Partner in Südafrika, Libyen, Angola, Sambia und an der Elfenbeinküste in 2016 ca. 7000 Patienten regelmäßig versorgt. Darüber hinaus beliefern wir die senegalesische Regierung mit unseren Produkten für 20 Dialysezentren. Damit können in den nächsten zwei Jahren weitere 360.000 Behandlungen ermöglicht werden.
Erfolgreiche Zusammenarbeit heißt aber immer auch, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und Perspektiven zu geben. Die Ausbildung von Schwestern, Pflegern und Technikern im Bereich der Dialyse oder unser Gemeinschaftsprojekt „B. Braun for Africa“, das wir mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützen, sind wichtige Beispiele dafür.

Zur Person

Prof. Dr. Heinz-Walter Große

ist Vorsitzender der Subsahara-Afrika Initiative der deutschen Wirtschaft (SAFRI) und Vorstandsvorsitzender der B. Braun Melsungen AG. Die SAFRI fördert nachhaltige und partnerschaftliche Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Subsahara-Afrika. Sie wird getragen vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) und dem Afrika-Verein der Deutschen Wirtschaft.

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