Wettrennen um das E-Auto

Bei der Elektrifizierung des Autos gehen China und Deutschland unterschiedliche Wege – bisweilen aber auch Hand in Hand.

dpa/Zhou Junxiang

Politischer Wille, ökologische Notwendigkeit oder technische Vernunft: Es gibt viele Gründe, weshalb die Automobilindustrie gerade eine elektrische Revolution erlebt. Doch egal ob man nach Amerika, nach Asien oder nach Europa schaut, kaum ein Automobilersteller lässt mehr Zweifel daran, dass der Verbrennungsmotor bald Geschichte ist und die Zukunft dem Elektro-Auto gehört. Nur wie diese Transition gelingen kann und welcher Weg am schnellsten zum Ziel führt, dafür gibt es ganz verschiedene Szenarien. Am größten sind die Unterschiede zwischen Deutschland als der ältesten und China als der jüngsten Automobilnation der Welt.

Die deutschen Autohersteller verfügen über eine  über 100 Jahre alte Tradition, die auf dem Weg ins Elektrozeitalter Basis und Bürde gleichermaßen ist. Denn auf der einen Seite bedeutet das einen riesigen Erfahrungsschatz, aus dem Marken wie VW, Mercedes oder BMW bei der technischen Umstellung schöpfen können. Auf der anderen Seite könnten mentale, konstruktive oder wirtschaftliche Strukturen bei den Herstellern und Markenbildern bei den Kunden eine schnelle Umstellung womöglich blockieren. Deshalb behelfen sich die deutschen Hersteller zunächst mit einem Zwischenschritt und heben für ihre Elektrofahrzeuge neue Submarken aus der Taufe: BMW hat das mit BMW i bereits vorgemacht und mittlerweile immerhin mehr als 50.000 Exemplare von dem i3 und i8 verkauft, Mercedes und VW haben im Herbst 2016 auf dem Pariser Salon die elektrischen Ableger EQ und ID aus der Taufe gehoben, die bis zum Ende des Jahrzehnts erste allein um den Elektroantrieb herum entwickelte Fahrzeuge verkaufen sollen. 

In China drängt der Staat auf eine schnelle Umstellung, die vor allem von neuen Marken nach dem Vorbild von Tesla gelingen soll. Dafür begeben sie sich sogar ins Silicon Valley. Prominentestes Beispiel dafür ist Faraday Future, eine chinesische Neugründung, die mit viel bei Tesla und den deutschen Herstellern abgeworbenem Personal gerade in Las Vegas eine riesige Fabrik baut und im Frühjahr 2017 ihr erstes Serienauto präsentieren will. Und als wäre das Investment von einer Milliarde Dollar allein für die Fabrik noch nicht hoch genug, investiert der bei Faraday engagierte Internet-Konzern LeEco gleich noch in ein ganz ähnlich gestricktes Projekt namens LeSee, das in China den gleichen Weg nehmen soll.

Zwar verfolgen die Autohersteller in beiden Ländern ganz unterschiedliche Strategien, doch bei aller Konkurrenz gibt es auch zahlreiche Kooperationen. So arbeiten BMW und Brilliance mit der Joint-Venture-Marke Zinhoro sowie Mercedes und BYD mit Denza mit vereinten Kräften an einer saubereren Zukunft – und erzielen dankt gleich noch einen weiteren Effekt: Weil sie gemeinsam womöglich stärker sind als jeder alleine, können sie den Siegeszug des US-Vorreiters Tesla womöglich ausbremsen.

Thoma Geiger