Vorbildliche Zusammenarbeit

Das Deutsch-Russische Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft zeigt zum Finale noch einmal Projekte mit Zukunftspotenzial.

Storch mit Sender: Tierbeobachtung im deutsch-russischen Austausch
Storch mit Sender: Tierbeobachtung im deutsch-russischen Austausch dpa

Durch die Corona-Pandemie musste die Abschlussveranstaltung des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018 – 2020 Mitte September zum Teil virtuell stattfinden, im Online-Format mit Podiumsdiskussionen und einer Kontaktmesse. Zugleich wurden in Berlin und Moskau 25 bilaterale Projekte als Sieger des Wettbewerbs „Brücken für die deutsch-russische Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit“ ausgezeichnet. Drei ausgewählte Projekte stellen wir hier vor. Was sie verbindet: Die Forschenden suchen gemeinsam Antworten auf Zukunftsfragen.

Verleihung des Russisch-Deutschen G-RISC-Nachwuchspreises 2019
Verleihung des Russisch-Deutschen G-RISC-Nachwuchspreises 2019 G-RISC

Icarus: Tierbeobachtung aus dem All

Wie verändert sich die Natur? Das deutsch-russische Beobachtungssystem Icarus geht mit Tieren auf Weltreise und nutzt dabei sogar die Internationale Raumstation ISS. Projektpartner sind die Max-Planck-Gesellschaft, die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Forscherinnen und Forscher statten unterschiedliche Tierarten mit Sendern aus und entlassen sie wieder in die freie Wildbahn. Aktuell startet das erste Kontinent-übergreifende wissenschaftliche Pilotprojekt. Dabei will das Icarus-Team mehrere tausend Amseln und Drosseln in Europa, Russland und Nordamerika mit kleinen Sendern auf ihren Rücken vom Weltraum aus begleiten. Die Sender übermitteln die Messdaten zu den globalen Wanderbewegungen der Tiere an die Empfangsstation auf der ISS, von dort werden sie an die Bodenstation in Moskau weitergeleitet und fließen schließlich in die „Movebank“, eine globale Datenbank für Tierbewegungen. Mit der neuen Technik lassen sich aber nicht nur Fragen zu den Tieren beantworten: Icarus könnte auch für die Übertragung von Daten zu Epidemien, Baumwachstum oder Gletscherschmelze eingesetzt werden.

QUARCCS: das arktische Eis im Blick

Was können wir aus dem Klimawandel lernen? Gemeinsam mit russischen Partnern wie dem Arktischen und Antarktischen Forschungsinstitut in St. Petersburg untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des deutschen Alfred-Wegener-Instituts im Projekt QUARCCS den Einfluss des Klimawandels auf Meereis, Ozean, Atmosphäre und Ökosystem in der Arktis. Vorhersagen und Risikoanalysen für Schifffahrt und Expeditionen gehören ebenso zu den bearbeiteten Themen. QUARCCS hat eine wichtige Planungsgrundlage für MOSAiC geliefert, die größte Polarexpedition aller Zeiten. Auf dem deutschen Forschungseisbrecher „Polarstern“ sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 20 Nationen unterwegs. Ihr Ziel: den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen.

G-RISC: nachwuchsstarke Naturwissenschaften

Wie bleibt deutsch-russischer Austausch in den Naturwissenschaften zukunftsfähig? Darauf hat das German-Russian Interdisciplinary Science Center (G-RISC) nun schon seit über einem Jahrzehnt eine überzeugende Antwort. In dem dezentralen, virtuellen Netzwerk ist es gelungen, die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses über gemeinsame Forschungsprojekte im Bereich der Naturwissenschaften flächendeckend in Russland und Deutschland mit mehr als 750 Austauschprojekten zu fördern. Daran haben mehr als 440 Arbeitsgruppen von über 130 Institutionen beider Länder teilgenommen. Zu Konferenzen kamen mehr als 3.000 Personen und es sind mehr als 200 begutachtete Publikationen entstanden. Die Partner Freie Universität Berlin und Staatliche Universität St. Petersburg wählen alle sechs Monate die besten Forschungsprojekte zur Förderung aus. Thematisch hat G-RISC seinen Fokus zuletzt noch einmal geweitet und neben den traditionellen Schwerpunkten Physik, Chemie, Mathematik und Geowissenschaften auch die Lebenswissenschaften stärker in den Blick genommen.

© www.deutschland.de