„Maß halten“

Bier genießen – aber richtig! Was Frank Lucas, der Deutsche Meister der Biersommeliers, zum Oktoberfest rät.

Biersommelier Frank Lukas
Biersommelier Frank Lukas Christian Rödel

Herr Lucas, Sie sind amtierender Deutscher Meister der Biersommeliers. Die Bezeichnung  Sommelier wird eher mit Wein in Verbindung gebracht. Was macht ein Biersommelier?

Ein Biersommelier vermittelt Bierwissen und Bierkultur. Sie oder er ist das Bindeglied zwischen Produzent und Konsument und macht die Biervielfalt in all ihren Facetten erlebbar.

Und wie wird man Biersommelier?

Seit 2004 bietet die Doemens Akademie in Zusammenarbeit mit dem Bierkulturhaus in Österreich die Ausbildung zum Biersommelier in einem Intensivkurs an.

Ist die relativ junge Bezeichnung Biersommelier ein Versuch, aus dem Schatten des Weins herauszutreten?

Als Brauer sehe ich da gar keinen Schatten. Beide sind wunderbare Lebensmittel mit großer Tradition und fester Verankerung in unserer Kultur. Aber ja: Wenn man die Wahrnehmung und Wertschätzung vergleicht, können wir von den Weinkollegen lernen. Denn die Vielfalt und das Potenzial beim Bier ist ja da, es ist dem Wein mindestens ebenbürtig. Man muss nur das ganze Spektrum nutzen. Sämtliche Genussanlässe von der Gartenparty bis zur Spitzengastronomie, vom Fußballstadion bis zum Galaempfang sind mit Bier darstellbar.

Was raten Sie als Biersommelier den Besuchern des Oktoberfestes?

Maß halten. In doppelter Hinsicht. Natürlich sollte man Bier trinken, wenn man es mag. Aber hier ist es traditionell nun mal ein Liter je Glas. Es ist keine bewundernswürdige Leistung, möglichst viel Bier trinken zu können. Ansonsten passt das da schon, auch mit den Speisen. Und wenn es nur eine Salzbrezn ist. Die hilft, den Elektrolythaushalt im Gleichgewicht zu halten.

Man muss nicht alles, was denkbar ist, in den Maischebottich geben. Irgendwann wird es Klamauk.

Biersommelier Frank Lucas

Zum 500. Geburtstag des Bieres kam vor allem durch Craft-Bierbrauer eine neue Diskussion über das Reinheitsgebot auf. Was gehört ins Bier, was nicht?

Das kann man relativ gelassen sehen. Die Gesetzgebung stellt sicher, dass wir nur Produkte herstellen, die gesundheitlich unbedenklich sind. Letztlich entscheidet aber die eigene Brauerehre darüber, welche natürlichen Zutaten im Bier landen. Traditionelle Biergewürze können bereichernd und bierstilprägend sein. Aber man muss nicht alles, was denkbar ist, in den Maischebottich geben. Irgendwann wird es Klamauk. Das regelt dann aber auch der Markt.

Sie arbeiten selbst in einer kleinen Brauerei. Was machen Sie da? Und was ist Ihr Lieblingsbier?

Ich bin Betriebsleiter bei der Rügener Insel-Brauerei. Ein Lieblingsbier habe ich nicht. Aber zu Feierabend ist es öfter ein Baltic Ale von uns. Leicht zu trinken, aber trotzdem ein subtiles geheimnisvolles Bier.

Interview: Martin Orth

© www.deutschland.de