Zeichen der Hoffnung

Beschädigt, aber nicht zerbrochen: Wie das Kunstwerk „The Sphere“ des Deutschen Fritz Koenig die Anschläge des 11. September überstanden hat.

„The Sphere“ vor dem One World Trade Center
„The Sphere“ vor dem One World Trade Center Getty Images/Roy Rochlin

Gleich zwei Ausstellungen widmen sich in diesen Tagen dem Kunstwerk „Große Kugelkaryatide NY“ des deutschen Bildhauers Fritz Koenig: „The Way We Remember“ in der Wallach Art Gallery der Columbia University (10.9.–14.11.2021) und „9/11 und die Koenig Kugel“ im KOENIGmuseum Landshut (11.9.–11.2.2022). Kugelkaryatide, Koenig Kugel – die allermeisten New Yorker dürften bei diesen Namen stutzen. Als „The Sphere“ kennen dagegen viele die Skulptur, die längst ein Wahrzeichen der Stadt am Hudson River ist.

Wie entstand „The Sphere“?

Der Architekt Minoru Yamasaki wählte in den 1960ern bei seinen Plänen für das World Trade Center Fritz Koenigs Entwurf der Kugelkaryatide aus. Sie sollte „Weltfrieden durch Handel“ symbolisieren. Von 1967 bis 1971 arbeitete Koenig an dem monumentalen Werk, das schließlich von Deutschland in die USA verschifft wurde. In New York wurde die über einem Brunnen inmitten der WTC-Türme thronende Skulptur zum beliebten Treffpunkt.

Wer war der Schöpfer der Skulptur?

Fritz Koenig (1924–2017) war einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. „The Sphere“ ist sein Hauptwerk; er gestaltete aber unter anderem auch Mahnmale im ehemaligen KZ Mauthausen oder für die Opfer des Olympiaattentats 1972 in München. Über „The Sphere“ sagte Koenig 2012 im hohen Alter: „Diese Kugel ist ein Stück von mir.“

Fritz Koenig 2002 vor einem Modell seines berühmtesten Werks
Fritz Koenig 2002 vor einem Modell seines berühmtesten Werks picture-alliance/dpa

Was geschah mit „The Sphere“ nach dem 11. September 2001?

Unter dem Schutt der eingestürzten Twin Towers wurde „The Sphere“ geborgen und als einzige der Skulpturen der Plaza des World Trade Centers gerettet. Das beschädigte, aber nicht zerbrochene Kunstwerk wurde zum „Symbol menschlicher Widerstandsfähigkeit in Zeiten äußerster Tragik und Leids“, so Holger A. Klein, Professor für Kunstgeschichte an der Columbia University. Am 11. März 2002, ein halbes Jahr nach den Terroranschlägen des 11. September, feierte New York die Errichtung der bewusst nicht um jeden Schaden behobenen Skulptur im Battery Park unweit des einstigen Standorts.

„The Sphere“ im Battery Park
„The Sphere“ im Battery Park picture alliance/Sergi Reboredo

Wie ging es mit „The Sphere“ weiter?

Nach längeren Diskussionen kehrte „The Sphere“ 2017 zu seinem ursprünglichen Standort zurück: Im Liberty Park steht die Skulptur vor dem One World Trade Center. Dafür hat sich unter anderem Michael Burke eingesetzt, Bruder des bei den Anschlägen getöteten Feuerwehrmannes William F. Burke Jr. Oder auch Alice Greenwald, Leiterin des 9/11 Memorial. Sie sagt: „The Sphere trägt noch immer die Narben der Gewalt, die sie überstanden hat und ist so eine berührende, poetische Ergänzung zum Memorial“.